Übach-Palenberg: Manfred Ehmig im Ruhestand: So ganz geht ein Schulleiter nicht

Übach-Palenberg : Manfred Ehmig im Ruhestand: So ganz geht ein Schulleiter nicht

Wie jeder anständige Rentner wird auch Manfred Ehmig den Hund ausführen und das Enkelkind hüten. Ab Donnerstag wird er länger frühstücken, in Ruhe die Zeitung lesen und nicht mehr um halb acht die Willy-Brandt-Gesamtschule betreten und schon auf dem Weg in sein Büro mit dem ersten Schüler reden, der an diesem Tag mit einem großen oder einem kleinen Problem seine Aufmerksamkeit fordert.

Aber es scheint doch tatsächlich einige Menschen in seinem Umfeld zu geben, die sich Manfred Ehmig, bis Mittwoch Leiter der Willy-Brandt-Gesamtschule Übach-Palenberg, in der Rolle des Rentners nicht recht vorstellen können. Die Frage, was er denn demnächst machen wird, wenn die Willy-Brandt-Gesamtschule nicht mehr seinen Tagesablauf strukturiert, hört er derzeit oft. Und seltsamerweise geht Manfred Ehmig mit zwei Wünschen in den Ruhestand, die mehr mit Schule, als mit dem Gassigehen zu tun haben.

Erstens würde er sich wünschen, dass mal mehr Geld für die Umsetzung der Inklusion locker gemacht wird an den verantwortlichen Stellen, um qualifizierte Sonderpädagogen einstellen zu können. Und zweitens wünscht er sich, dass die Schulen in der Stadt Übach-Palenberg die breite Unterstützung des Schulträgers bekommen, damit die Schulen saniert werden können und eine zeitgemäße Pädagogik machbar wird mit entsprechenden Klassenräumen und dazugehörigen Förderräumen.

Mit 63 Jahren geht Manfred Ehmig nun in den Ruhestand. Sein Start in den Lehrerberuf verlief holprig. Nach dem Studium von Sport und Biologie absolvierte er sein Referendariat in den Jahren 1981 bis 1983 und fand erst einmal keine Anstellung. Die Lehrerschwemme führte dazu, dass er zunächst im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Hückelhoven sein Brot verdiente. Schließlich erhielt der gebürtige Übach-Palenberger in Hückelhoven-Ratheim eine Stelle an der dortigen Hauptschule. Das war 1984. 1990 öffnete in Wassenberg die erste Gesamtschule im Kreis Heinsberg.

Als es dann ein Jahr später in Übach-Palenberg losging mit dieser damals durchaus kontrovers diskutierten Schulform, war Ehmig einer der acht Kollegen, die die Willy-Brandt-Gesamtschule ans Laufen brachten. 114 Schüler hatte die Schule damals. Dr. Henry Parting hieß der Schulleiter. Ehmig hatte sich bewusst für diese für die Region neue Schulform entschieden. Er hatte sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Manfred Ehmig: „Es ist die Schulform, die den Kindern die besten Chancen gibt. Aber“, so Ehmigs Erinnerung an die frühen Jahre der Gesamtschule, „man brauchte ein kommunales Parlament, das sagte: Das ist die richtige Schule für uns. Die Gesamtschule war damals ein großes Politikum.“

Aber es habe eine Aufbruchsstimmung geherrscht bei denen, die diese Schulform für die richtige hielten. Ehmig: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand war ein Schlagwort. Da wurde nicht nur gepaukt.“ Schon 1992 übertrug man Ehmig an der Willy-Brandt-Gesamtschule das Amt des stellvertretenden Schulleiters. Als Dr. Parting im Oktober 2002 nach Aachen wechselte, übernahm Manfred Ehmig mit dem Rückenwind seiner Kollegen die Schulleitung.

Die Schule wuchs, wurde komplett ausgebaut von Jahrgangsstufe 5 bis 13 und hat heute 65 Menschen im Lehrerkollegium und 800 Schüler. Am Ende des Berufslebens stellt sich auch Schulleitern die Frage: „Würdest Du das noch mal alles so machen?“ Manfred Ehmig lacht: „Bereut habe ich es nicht. Aber würde ich das nochmal machen mit den Erfahrungen von heute? Vielleicht doch nicht noch mal.“ Und dann fügt er hinzu: „Ich müsste drüber nachdenken, einen Augenblick Bedenkzeit würde es brauchen.“

Als Schulleiter sei er natürlich zur Loyalität verpflichtet gewesen gegenüber Bezirksregierung und Ministerien. Habe das mittragen müssen, was von oben kam. Viele Verwaltungsaufgaben hätte er zu erledigen gehabt, aber das Unterrichten nie aufgegeben. „Der Kontakt zu den Schülern war über meine ganze berufliche Laufbahn hinweg das, was mir am meisten Spaß gemacht hat“, resümiert Manfred Ehmig. „Dafür wollte ich irgendwann mal Lehrer werden.“

Seine Kollegen vergisst der scheidende Schulleiter natürlich nicht: „Das ist eine sehr runde Geschichte, ein Riesenglück, ein tolles Schulleitungsteam und sehr fleißige und aktive Kollegen, die die Schule mitgestalten.“ So ganz geht man ja nie, und so überlegt Ehmig, ob er nicht neben Hund der Tochter, Enkelkind und Frau, seinem Engagement als sachkundiger Bürger für die SPD im Rat und im Schwimmverein nicht doch in einer Arbeitsgemeinschaft-Schwimmen seiner alten Schule mitwirken soll.