Übach-Palenberg: „Los Temperamentos“ geben ein umjubeltes Konzert

Übach-Palenberg: „Los Temperamentos“ geben ein umjubeltes Konzert

Eintauchen in vergangene Zeiten, sich vorstellen, wie es wohl vor vielen Jahrhunderten beim Konzert in einem Schloss zugegangen sein mag, welche Klänge die Ohren der Besucher umschmeichelten: Dieses Gefühl erfahrbar zu machen, gelang „Los Temperamentos“ — fünf Interpreten der sogenannten Alten Musik, welche das Mittelalter, die Renaissance und das Barock umfasst.

Nadine Remmert (Cembalo), Swantje T. Freier (Gesang und Blockflöte), Anninka Fohgrub (Block- und Traversflöte) sowie Néstor F. Cortés (Barockcello) aus Kolumbien und Hugo M. de Rodas (Barockgitarre und Erzlaute) aus Mexiko faszinierten mit ihren historischen Instrumenten die zahlreich herbeigeströmten Gäste in Schloss Zweibrüggen. Schon von Kindesbeinen an mit Musik vertraut, erlernten sie mehrere Instrumente, ehe sie sich auf vergangene Epochen spezialisierten und vor sechs Jahren als Studierende des renommierten „Instituts für Alte Musik“ in Bremen beschlossen, gemeinsam zu musizieren. Sie kombinieren europäische und lateinamerikanische Stilrichtungen und machen so die Entwicklungen auf beiden Kontinenten „hörbar“.

In seiner Begrüßung betonte Hanns Paul Jouck, dass dieses Konzert in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Heinsberg und Ingo Rümke stattfinde, während Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch sich besonders über die Ehrengäste General Andrew Mueller, Oberst Werner Nemetschek und Prof. Gisela Engeln-Müllges freute.

Kaum geendet, kamen die Künstler temperamentvoll singend und auf ihren Instrumenten spielend durch den Saal auf die Bühne, so dass sich die fröhliche Stimmung sofort auf die Zuschauer übertrug und „El baxel está en la playa“ von Gabriel Bataille aus „Airs de différentes autheurs, mis en tablature de luth, livre 2“ begeistert beklatscht wurde. Weiter ging es mit Tarquinio Merula und seiner Arie über Ciaccona „Su la cetra amarosa“ aus „Musiche concertate et altri madrigali“, die Swantje Freier unendlich zart intonierte während die Instrumentalisten sie meisterlich begleiteten und die Zuschauer wie gebannt lauschten.

Doch schnell war es vorbei mit der Ruhe, denn es folgte der wilde, erotische, südamerikanische Tanz „Marizápalos“ aus der Sammlung eines peruanischen Mönchs „Anonymus“, „Códice de Fray Gregorio de Zuola“, vorgetragen mit rasanter Fingerfertigkeit, viel Spielfreude und einem frischen Sopran. Die Leute honorierten das exzellente Können mit reichlich Applaus.

Eher ruhig und besinnlich, doch auch lebhaft, waren Leonardo Vincis Kantate „Parto mà con qual core“ mit der gleichnamigen Rezitation, den Arien „Chi m‘ascolta, chi mi vede“ und „Qual rusceletto“ sowie der Rezitation „Ecco, mi parto: Addio!“ Hugo de Rodas spielte hierbei virtuos auf der Erzlaute, während sich Swantje Freier in höchste Höhen mit glänzenden Koloraturen aufschwang. Cembalo, Barockcello und Barockgitarre bestritten das nächste Stück — die 5. Sonate in a-Moll von Jakob H. Klein aus „VI Sonate a Violincello solo e Basso Continuo“, op. V“, Poco Allegro, Adagio und Allegro. Alle drei Künstler spielten mit vollkommener Hingabe, teils ungemein sanft, teils in atemberaubendem Tempo und steigerten sich zu einem fulminanten Ende, was großen Jubel im Publikum hervorrief.

Nach der Pause ging es weiter mit Antonio Valentes/Anonymus „Gagliarda Napolitana“ und „Torbellino (Jarbe Loco)“. Traversflöte und Gesang wetteiferten, sehr hoch, sehr hell mit rasanten Cembalo-, Cello- und Gitarren-Klängen. Die feurigen Rhythmen gingen auch den Zuhörern ins Blut. Domenico Scarlattis „Sonata K 89 in d-Moll“ mit Allegro und Grave, der Improvisation „El Cortesano de Rodas“ und Allegro für Cembalo, Cello und Gitarre schloss sich mit ungestümen Melodien an.

Das letzte Stück des Abends aus der Sammlung „Códice Trujillo del Perú/Códex Martinez Compañón“, „Anonymus“ mit „Lanchas para Baylar“, „Tonada la Selosa“ und „Tonada el Congo“ setzte den grandiosen Schlusspunkt, und kaum war der letzte Ton verklungen, setzte orkanartiger Beifall ein, der minutenlang anhielt, obwohl sich die strahlenden Künstler immer wieder verabschiedeten und den Saal verließen.

„Wunderbar — besser kann man Musik nicht machen“, war das Fazit von Frank Ollertz, und er sprach wohl für alle Besucher.