Übach-Palenberg: Literaturkurs führt ein „Wahnsinnsstück” auf

Übach-Palenberg: Literaturkurs führt ein „Wahnsinnsstück” auf

Zwei Mal Einstein plus einmal Möbius gleich drei Mal Mord? Auf diese einfache Formel lässt sich Friedrich Dürrenmatts Schauspiel „Die Physiker” wohl kaum bringen. Und auch der Literaturkurs der Jahrgangsstufe zwölf des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG) Übach-Palenberg forschte nach dem richtigen Weg, das Stück anzugehen.

Herausgekommen ist dabei „Wissen - Wahnsinn - Weltherrschaft”, frei nach Dürrenmatt und mit vielen feinen eigenen Ideen raffiniert.

Dazu verwandelten die Schüler um Lehrerin Friederike Färber-Messerer das fast ausverkaufte Rund des Pädagogischen Zentrums (PZ) in das MCG, das Medizinische Centrum für Gehirnforschung. Eine nette Umschreibung für das, was sich in Wahrheit als Sanatorium für schwere Fälle von Geistesstörung entpuppt.

Zwei Mal Albert Einstein

Denn hier leben gleich zwei Männer, deren Überzeugung es ist, Albert Einstein zu sein. Der eine ist Ernst Heinrich Ernesti (David Leinders) und der andere ist Herbert Georg Beutler (Pia Kouchen). Damit der eine nicht ganz durchdreht, nennt sich der andere Newton. Obendrein ist da noch Karl-Wilhelm Möbius (brillant verkörpert von Michael Sonntag), dem immer König Salomon erscheint, der aber ansonsten vorgibt, klaren Verstandes zu sein.

Allen gemein ist, dass sie noch im alten Teil des von Fräulein von Zahnd (eine Paraderolle für Jacqueline Schaller) geleiteten Hauses zu sein. Und sie eint auch die Liebe zu der ihnen jeweils zugeteilten Schwester, die sich eindringlich um sie kümmern. Doch der Wahnsinn ist nicht fern, alle Insassen bringen ihre Schwestern um. Verzweifelt versucht Inspektorin Riccarda Voss (Laura Hintzen), Licht ins Dunkel zu bringen.

Doch das ist bei den, gelinde gesagt, seltsamen Menschen, die hier sein müssen und die hier arbeiten, recht schwierig. Für die Physiker, die berufliche Gemeinsamkeit der Insassen, ist die Flucht in den Wahnsinn aber die einzige Möglichkeit, die Welt vor dem dunklen Geheimnis zu schützen, das sie bewahren. Hier kommt Dürrenmatt zurück ins Spiel, denn sein Zitat „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden”, sorgt für sich zuspitzende Ereignisse. Mehr noch, es wird immer deutlicher, dass die Physiker nicht die einzigen sind, die ein Geheimnis bewahren, mit dem sich die Weltherrschaft erringen lässt.

Forschung im Folgen

Mit ihrem Stück, dass behutsame und augenzwinkernde Details aus der Gegenwart, dem Lokalkolorit und auch der Schule einflocht, sowie fiktive Konflikte in der Zukunft ausmachte, gelang den Schülern eine einzigartige Interpretation der „Physiker”. Denn hinter dem Anschein der amüsanten Kriminalkomödie verbirgt sich eine ernste Thematik: die Verantwortung der Wissenschaft für ihre Forschung und deren Folgen.

Die Schüler wählten das Stück übrigens selbst aus und bewiesen damit, wie sich auf unterhaltsame Weise Nachdenklichkeit anregen lässt. Mit hohem Anspruch in Bühnenspiel, Licht, Ton, Effekten und dem in voller Breite genutzten Bühnenbild löste der Literaturkurs ein, was er zu Anfang versprach, nämlich ein Wahnsinnsprojekt zu sein.

Für so viel Engagement, Leistung und Können gab es für das begeisterte Publikum im PZ nur eine Lösung der Formel „Wissen - Wahnsinn - Weltherrschaft”: viel Applaus.

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