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Debatte: Lehren aus dem Ukraine-Krieg für Deutschland und EU ziehen

Debatte : Lehren aus dem Ukraine-Krieg für Deutschland und EU ziehen

Politikwissenschaftler Sascha Arnautovic ist ein Experte, wenn es um Sicherheitspolitik geht. Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik äußerte er sich zum Ukraine-Krieg.

„Wir wissen nach wie vor nicht, wohin das geht“, war eine der Aussagen des Politikwissenschaftlers Sascha Arnautovic, die sehr treffend das Dilemma beschrieb, das der Angriff Russlands auf die Ukraine angezettelt hat. Arnautovic hielt seinen Vortrag zum Thema „Außen- und sicherheitspolitische ,Zeitenwende‘ – Lehren aus dem Ukraine-Krieg für Deutschland und EU-Europa“ auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen-Heinsberg, im Haus Basten in Geilenkirchen.

Der Sektionsvorsitzende Rolf Tabellion konnte zahlreiche Zuhörer im großen Saal von Haus Basten zu dieser Vortragsveranstaltung mit anschließender Diskussion begrüßen. Sascha Arnautovic ist Politikwissenschaftler und selbstständiger Unternehmer. Er ist Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und schreibt Fachbeiträge zu geo- und sicherheitpolitischen Fragestellungen im transatlantischen und europapolitischen Kontext. Seit August 2020 ist er Leiter der GSP-Sektion Köln.

Arnautovc hatte seinen Vortrag in vier Themenbereiche gegliedert. Als Einführung schilderte er die Entwicklung vom Ukraine-Konflikt zum Ukraine-Krieg und wie es überhaupt zu einem Krieg kommen konnte. Er verwies darauf, dass es schon lange von Wissenschaftlern und auch von Geheimdiensten Warnungen bezüglich der Entwicklungen gegeben habe, deren Folgen heute nach wie vor nicht absehbar sind. Die Konsequenzen einer fehlgeleiteten Politik, die zu sehr auf die wirtschaftlichen Vorteile geschaut habe, seien heute leider deutlich erkennbar.

Ein weiterer Themenbereich war der Beginn des Ukraine-Krieges 2022 und der damit verbundene Kurswechsel in der deutschen und europäischen Außen- und Sicherheitspolitik. Arnautovic unterstrich die Notwendigkeit humanitärer und militärischer Hilfen an die Ukraine. Ohne diese Hilfen sei das Selbstverteidigungsrecht der Ukrainer wohl kaum umsetzbar. Der Referent verwies auf die aktuellen Geländegewinne der Ukrainer und darauf, dass damit zu rechnen sei, dass sich die russische Seite mit Beginn des Winters wahrscheinlich in ihren Stellungen „eingraben“ werde und eventuell mit neuen Kräften zurückkehren könnte.

Die „Zeitenwende“-Politik der neuen deutschen Bundesregierung und Deutschland als „Ermöglichungsmacht“, aber nicht als dominante europäische Macht waren weitere Themenfelder, die Arnautovic ansprach. Europa dürfe beim Krieg zwischen der Ukraine und Russland nicht wegschauen. Hier gehe es ums Eingemachte und die Frage, wie eine neue Sicherheitsordnung aussehen könne. Europa müsse als Einheit ein starkes Bollwerk gegen einen autokratischen Staat bilden, der das Ziel habe, die EU zu schwächen und auseinanderzudividieren.

In der sich anschließenden Diskussionsrunde hatten die Zuhörer Gelegenheit, sich zu einer Problematik zu äußern, die sicherlich noch Stoff für viele Vortragsveranstaltungen der GSP bieten wird. Bereits am Mittwoch, 23. November, um 19.30 Uhr steht die nächste Veranstaltung an. In der Aula des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula in Geilenkirchen wird dann das Thema „Chinas Griff nach der Weltmacht – sind Europa und der Westen am Ende?“ behandelt. Referent wird der Journalist Jürgen Kahl sein, der viele Jahre als Korrespondent in Peking tätig war und für die Neue Zürcher Zeitung schreibt.