Geilenkirchen: Lebende Bücher erzählen ihre Geschichte

Geilenkirchen: Lebende Bücher erzählen ihre Geschichte

Nuran Joerißen - mit 14 Jahren zwangsverheiratet. Jo Hurtz - Alkoholkranker. Peter Schlitt - ehemaliger Soldat im Kosovo und in Afghanistan. Wilhelm Lenzen - katholischer Pfarrer im Ruhestand. Vier Menschen mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Sie alle sind bereit, diese Geschichte zu erzählen.

Sie sind bereit, ihr Leben wie ein Buch zu öffnen. Und sie sind bereit, auf Fragen zu antworten. Möglich ist das am Donnerstag, 14. November, 18 bis 21 Uhr, im Geilenkirchener Bürgertreff, Alte Poststraße 10. An diesem Abend laden die Verantwortlichen des Bürgertreffs mit der Caritas-Gemeindesozialarbeiterin Nicole Abels-Schell und Jürgen Benden an der Spitze zur „Living library“, zu einer lebendigen Bibliothek, ein. In dieser Bibliothek kann man sich kein Buch, sondern einen der vier Menschen ausleihen, die ihre Geschichte erzählen, mit denen man sich aber auch über ihre Lebensgeschichte unterhalten kann.

Eine solche „Lebende Bibliothek“ wurde erstmals im Jahre 2000 von der dänischen Jugendinitiative „Stop the Violence“, die Gewalt und Vorurteilen vorbeugen wollte, in Roskilde organisiert. Seitdem findet man „lebende Bücher“ auf Musikfestivals, auf Buchmessen, in Schulen, in Bibliotheken und jetzt erstmals in Geilenkirchen. „Das ist ein spannendes Experiment. Für die Menschen, die sich als Buch zur Verfügung stellen, und für die Menschen, die sich ein Buch ausleihen. Auf beiden Seiten müssen Hemmschwellen abgebaut werden“, erklärt Jürgen Benden.

Vier Nischen sollen an dem Abend im Bürgertreff eingerichtet werden, Besucher können sich dann eine halbe Stunde lang mit einem der „lebenden Bücher“ unterhalten. „Alle Fragen sind erlaubt, keiner sollte ängstlich sein. Allerdings entscheiden die Bücher selbst, welche Fragen sie beantworten“, erklärt Benden die Spielregeln.

„In diesen Gesprächen geht es auch darum, Vorurteile abzubauen, Menschen in direktem Kontakt kennenzulernen, Schubladendenken abzubauen und respektvoll mit anderen Lebensgeschichten umzugehen“, sagt Nicole Abels-Schell. Mit 1200 Euro wird das Projekt deshalb aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern — Kompetenz stärken“ unterstützt. Mit diesem Geld werden der Druck von Flyern und Plakaten, die Bewirtung der Besucher und die Erstellung einer Dokumentation des Abends finanziert. Wird diese Veranstaltung von Erfolg gekrönt, so soll sie wiederholt werden. Vielleicht auch mit anderen Menschen, die eine spannende Geschichte zu erzählen haben.

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