Landgericht Darmstadt: Drogenprozess mit Angeklagter aus Marienberg

Neues vom Landgericht Darmstadt: Angeklagtem Niederländer droht eine höhere Strafe

Drogenprozess um Heroinbunker in Marienberg: Bald stehen nur noch die beiden Übach-Palenberger Angeklagten vor dem Landgericht Darmstadt

Im Prozess gegen eine Bande mutmaßlicher Drogenhändler vor dem Landgericht Darmstadt wird es vielleicht bald einsam um zwei Angeklagte aus Übach-Palenberg gehen: Der Dritte im Bund, ein 26-jähriger Niederländer, könnte eventuell noch in diesem Jahr verurteilt werden. Dann wären nur das einstige Paar, eine 58-Jährige aus dem Stadtteil Marienberg und ihr 78 Jahre alter Ex-Freund, übrig.

Vier Männer und die Frau hatten sich zu Prozessbeginn vor acht Monaten wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten müssen. Zwei der Angeklagten haben vor Wochen einen von Gericht und Staatsanwaltschaft vorgeschlagenen „Deal“ akzeptiert und wurden bereits verurteilt. Die Frau hatte den Deal abgelehnt, gegen sie und den Senior wird inzwischen getrennt vom ebenfalls noch vor Gericht stehenden Niederländer verhandelt.

DNA-Spuren am Klebestreifen

Auch der 26-Jährige hat sich nicht mit dem Gericht geeinigt. Er soll ein Drahtzieher gewesen, Kontakt zu Hintermännern gehalten und Drogennachschub aus seiner Heimat organisiert haben. Dieser sei im Haus der Frau in Übach-Palenberg gebunkert worden.

An der Verpackung von mehr als fünf Kilo Heroin, die erst nach einer polizeilichen Durchsuchung in dem Haus aufgetaucht waren, wurden zudem genetische Spuren des Heerleners nachgewiesen. Deswegen könnten ihm, ließ das Gericht durchblicken, diese Drogen – obwohl bis heute unklar ist, wer sie wann ins Haus gebracht hat – zugerechnet werden. Mögliche Folge: eine höhere Strafe.

Allerdings war die DNA nur an einem Klebestreifen entdeckt worden, mit dem die Pakete umwickelt waren. Reicht das, um revisionsfest nachweisen zu können, dass der Angeklagte damit diese Drogen eingepackt hat und sie ihm folglich zugerechnet werden können? Nein, meint die Verteidigung. Ja, sagt die Staatsanwaltschaft. Ihr lägen außer der Mischspur weitere Indizien vor.

Zunächst aber soll sicher ausgeschlossen werden, dass die gefundene DNA nicht vielleicht vom Bruder des Angeklagten stammt, entscheidet das Gericht. Denn auch dieser soll an den Drogengeschäften, über die in Darmstadt verhandelt wird, beteiligt gewesen sein. Er ist erst vor kurzem in den Niederlanden festgenommen und nach Deutschland überstellt worden, wartet auf seinen Prozess. Geschwister weisen Ähnlichkeiten in ihrer DNA auf, und wenn die Spur am Klebeband nicht eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden kann, dürfte es noch schwieriger werden, ihm die Drogen zurechnen zu können.

Jedoch geht die Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass die Spur vom Bruder stammt. Mit „ganz hoher Wahrscheinlichkeit“ sei es die DNA des Angeklagten, heißt es. Es lägen unzählige Übereinstimmungen vor.

Die Spur am Klebeband erklärt der Heerlener sachlich: Er habe in dem Haus andere Drogen verpackt und dabei das Band angefasst. Damit müsse später das Päckchen umwickelt worden sein. Denn von dem nachträglich gefundenen Heroin habe er nicht mal gewusst. „Wer weiß, wo das hergekommt.“ Schließlich sei der 78-jährige Mitangeklagte, der als Kurier fungiert haben soll, „auch für andere gefahren“, ergänzt er.

„Mama“ und „Schatzi“

Dies würde zu den Worten der Frau passen, die ihrem Ex vorwirft, mehr in Drogengeschäfte verstrickt gewesen zu sein, als er zugegeben hat. Nur: Das Verhältnis zwischen dem Niederländer und der 58-Jährigen scheint innig. Auf abgehörten Telefonaten nennt er sie „Mama“, sie ihn „Schatzi“, manchmal fällt „ich liebe dich“. Beide sagten vor Gericht nichts übereinander. Der Senior aber belastete den 26-Jährigen. Wie glaubhaft ist also, was dieser plötzlich sagt?

„Unglaubwürdig“, meint die Staatsanwältin: „Es ist doch ein komischer Zufall, dass Sie mit der Angeklagten am Telefon über elf Päckchen Drogen sprechen und genau diese werden später gefunden.“ Da der Niederländer einige der mitgeschnittenen Telefonate auf Arabisch geführt hatte, glaubt er, auch darauf eine Antwort zu haben: „Das ist vielleicht falsch übersetzt worden.“ Die Staatsanwältin holt tief Luft: „Dieses Gespräch war auf Deutsch.“

Der Prozess am Landgericht Darmstadt wird fortgesetzt.

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