An Mitstreitern gescheitert: Künstlerforum verliert Vorsitzenden

An Mitstreitern gescheitert : Künstlerforum verliert Vorsitzenden

Ziel verfehlt und Konsequenz gezogen: Dieter Crumbiegel wollte Schloss Zweibrüggen zum „Mekka der Kunst“ machen

Diesen Bericht könnte man unter der Rubrik „Stellenanzeige“ laufen lassen. „Vorsitzender für Kunstverein gesucht“ würde dann die Überschrift lauten. Professor Dieter Crumbiegel hat seinen Rücktritt als 1. Vorsitzender des Künstler-Forums Schloss Zweibrüggen erklärt. Bewerber können sich im Schloss melden. In der ehemaligen  Wasserburg im Wurmtal hat das Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen Ausstellungsmöglichkeiten, die ihm die Stadt Übach-Palenberg zur Verfügung stellt. Mit Hilfe von Sponsoren können vier Ausstellungen im Jahr realisiert werden. Die Vernissagen werden stets von einem schönen Musikprogramm begleitet. Eine Jahresausstellung mit üppigem Katalog ist auch finanzierbar. Der Posten des 1. Vorsitzenden erscheint bei diesen Voraussetzungen durchaus erstrebenswert.

Doch es sieht  anders aus. Professor Dieter Crumbiegel, der sich in den Jahren seines künstlerischen Schaffens einen Namen über die Region hinaus erworben hat, wollte als Vorsitzender des Künstler-Forums das Schloss Zweibrüggen zum „Mekka der Kunst“ machen. Die Jahresausstellung sollte das Instrument sein, dieses Mekka in Übach-Palenberg erblühen zu lassen. 2018 hatte eine Jahresausstellung stattgefunden mit Beteiligung von Künstlern aus ganz Deutschland und den benachbarten Ländern.

In dieser Woche hat Dieter Crumbiegel eine E-Mailmail mit kleinem Verteilerkreis versandt. In dieser kündigt er seinen Rücktritt als Vorsitzender des Künstler-Forums Schloss Zweibrüggen an. Crumbiegel zitiert in seinem Schreiben einen Bericht dieser Zeitung über die von ihm kuratierte Jahresausstellung 2018. „Sehenswert, aber nicht das Mekka der Kunst“ hatte die Überschrift gelautet. Crumbiegel schreibt: „Ich begrüße diese kritische Sicht, trifft sie doch die Situation genau, und ich habe in der Presse immer solche kritischen Stimmen vermisst. Mein Ziel als Vorsitzender war es in den vergangenen Jahren, künstlerisch hochwertige, überregional beachtete Ausstellungen ins Schloss zu bringen, um der Öffentlichkeit wesentliche Einsichten in den Kunstbetrieb der Gegenwart zu ermöglichen. Dieses Ziel habe ich verfehlt, und es wird vom Vorstand und den Mitgliedern des Forums nicht (mehr) mitgetragen, weil deren Interessen mehr eigenen Ausstellungen gelten. Die zwangsläufige Steigerung des Qualitätsanspruchs, die mit der Vergrößerung des Einzugsbereiches durch entsprechende Pressearbeit erreicht wurde, überfordert den doch eher hobbymäßig ausgerichteten Eigenstandpunkt des Künstler-Forums und konnte auf der anderen Seite dem höchsten Anspruch dennoch (noch) nicht genügen. Vorstand und Mitglieder tragen meine Intentionen nicht mit, sondern streben eine Reduzierung auf den regionalen Kontext an. Meine Intentionen, meine Interessen und letztlich auch meine Fähigkeiten laufen dadurch ins Leere. Dieser Widerspruch ist mit dem Vorstand besprochen worden, und mein Rücktritt erfolgt sozusagen im beiderseitigen Einvernehmen.“

Professor Crumbiegel verweist in diesem Zusammenhang auf den Rücktritt des bisherigen Geschäftsführers Günther Thiel, der im Dezember aus ähnlichen Gründen erfolgt sei. Dieser Rücktritt Thiels habe die mehrjährige fruchtbare Zusammenarbeit beendet und Crumbiegel in seinem Entschluss bestärkt. Da bei der Mitgliederversammlung des Künstler Forums im Dezember 2018 ein Formfehler die Vorstandswahlen hatte ungültig werden lassen, wird in naher Zukunft eine Neuwahl durchgeführt werden müssen. Dieter Crumbiegel wird dann nicht mehr zur Verfügung stehen.  Designierter Geschäftsführer des Künstler-Forum Schloss wurde als Nachfolger von Günther Thiel, der aus dem Verein ausgetreten ist, Joep Albertz.

Albertz gehört zum Kreise derer, die die Rundmail Crumbiegels erhalten hat.

Auf Nachfrage erklärt er: „Zutiefst bedauere ich, und bin einfach nur traurig, dass der Vorsitzende, Dieter Crumbiegel, diesen Weg gewählt hat, über die Öffentlichkeit zu kommunizieren, und nicht das persönliche Gespräch gesucht hat. Zu den Argumenten: Die Unterstellung, dass die Interessen des Vorstands mehr eigenen Ausstellungen gelten, ist unwahr. Die Probleme, die durch eine Vergrößerung des Einzugsbereiches mit entsprechender Pressearbeit verursacht wurden, sind vom Vorsitzenden Crumbiegel und Geschäftsführer Thiel gröblich unterschätzt worden und haben den Verein bis an und über die Grenzen seiner Möglichkeiten gebracht. Mir ist nicht bekannt, dass auch nur ein Vorstandsmitglied den regionalen Kontext anstrebt. Das sind vorgeschobene Argumente, weil Geschäftsführer Thiel bereits vor zweieinhalb Jahren seinen Rücktritt erklärt hat und Crumbiegel bereits vor anderthalb Jahren vom Vorsitz zurücktreten wollte. Die angeblich verfehlten Ziele der Jahresausstellung im November 2018 können also nicht der Grund für den Rücktritt sein. Ein möglicher Grund könnte sein, dass die beiden genannten Herren mit demokratischen Strukturen nicht zurechtkommen.“

Albertz betont weiter, der Rücktritt des Vorsitzenden sei keineswegs in beidseitigem Einvernehmen erfolgt. Einvernehmlich sei mit dem designierten Vorstand vereinbart worden, Stillschweigen zu bewahren, bis ein neuer Vorsitzender gefunden sei, um Schaden vom Verein abzuwenden. Albertz: „Erst dann sollte ein Rücktritt, aus Altersgründen, erfolgen. Fazit: Den Karren an die Wand fahren und dann abhauen ist keine Lösung.“

Professor Dieter Crumbiegel hatte vier Jahre lang den Verein geleitet. Zuvor, bis zu ihrem Tod, hatte seine Frau Marlies Seeliger-Crumbiegel den Vorsitz beim Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen inne gehabt. Der renommierte  Übach-Palenberger Künstler Hermann-Josef Mispelbaum hatte anlässlich einer Ausstellung im Schloss Zweibrüggen im Februar 2018 festgestellt: „Das Künstlerforum als solches erfuhr mit Sicherheit in dem Aufgabenbereich von Kunst- und Kulturvermittlung durch Heidi Klee und die zu früh verstorbene Marlies Seeliger-Crumbiegel einen Qualitätssprung.“

Diese Aufgabe habe zum Glück ihr Ehemann Professor Dieter Crumbiegel mit Unterstützung von Günther Thiel übernommen.

Dieter Crumbiegel scheint weniger an seinen selbstgesteckten Zielen als an seinen Mitstreitern gescheitert zu sein.

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