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Geilenkirchen: Krise in der Partnerschaft öffnet Seitensprung Tür und Tor

Geilenkirchen : Krise in der Partnerschaft öffnet Seitensprung Tür und Tor

Wer hätte das gedacht: Fast jeder Zweite hat schon mal seinen Ehepartner betrogen. Männlein und Weiblein stehen sich in dieser Beziehung in nichts nach.

Laut einer Umfrage der in Hamburg ansässigen Gesellschaft für erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung gaben 46 Prozent der Männer an, während ihrer Ehe einer Versuchung erlegen zu sein, bei den Frauen immerhin 42 Prozent.

Warum eigentlich, welchen Nutzen versprechen sich die „Betrüger” davon? Oder ist es doch so, dass der Homo sapiens sapiens mit all seiner Entwicklung letztendlich doch nur triebgesteuert ist?

Diese Fragen und noch vieles mehr versucht der Diplom-Dolmetscher Martin Trzecziak mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen, kleinen Anekdoten oder auch eigenen Erfahrungen im VHS-Vortrag „Ist der Mensch von Natur aus untreu?” zu beantworten.

„Dieses Thema betrifft jeden - ob direkt oder indirekt”, meint der 37-jährige Münsteraner, der seit 2002 beim Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in Geilenkirchen arbeitet.

Wer es nicht selbst schon erlebt habe, kenne jemanden im Bekanntenkreis, dessen Partner sich nicht nur Appetit geholt hat.

Außerdem: „Mittlerweile wird jede dritte Ehe geschieden, in den USA jede zweite”, bringt Trzecziak einen weiteren aktuellen Aspekt ins Spiel. Wissenschaftlich belegt ist auf jeden Fall, dass Krisen in Partnerschaften der Untreue Tür und Tor öffnen können - nicht müssen!

Ob sich einer der beiden Partner ein amouröses Abenteuer leistet, hänge allein von der individuellen Situation sowie Person ab. Dann heißt es: Trieb gegen Verstand.

Die Zuhörer, hat der 37-Jährige in seinen Vorträgen beobachten können, reagieren höchst unterschiedlich auf seine Worte (er verzichtet auf jede „Power-Point-Orgie”): „Meistens teilt sich die Schar der Anwesenden in zwei Gruppen auf: die Realisten und die Romantiker.”

Erstere sögen mit äußerstem Interesse die Informationen auf und fühlten sich bestätigt. Die anderen neigten eher dazu, unbequeme Wahrheiten von sich wegzustoßen zum Schutz ihres eigenen Weltbildes.

„Den Romantikern fällt es schwer, wissenschaftliche Forschungsergebnisse für sich selbst zu akzeptieren.” All das Gerede von Natur, Sexualität und Trieb darf aber nicht missverstanden werden: „Natürlich gibt es lebenslange Treue, aber es ist genauso möglich, dass eine Partei fremdgeht.”

Der Referent, der übrigens selbst seit 1998 verheiratet ist, verspricht unterhaltsame eineinhalb Stunden: „Die Überraschung des Vortages liegt in der Vielzahl hochinteressanter Erkenntnisse.”

Allerdings könne man keine Pauschalaussagen erwarten: Den stereotypen Fremdgänger gibt es nicht. „Aber derjenige, der sich in anderen Bereichen seines Lebens über die Konsequenzen seines Tuns wenig Gedanken macht, ist sicherlich gefährdeter als Kopfmenschen”, fasst Trzecziak Untersuchungsergebnisse zusammen.

Fragen wie „Wie hat sich der Partner entwickelt?”, „Wie die Beziehung?” und, ganz wesentlich, „Gibt es überhaupt Gelegenheit zu einem Seitensprung?” spielen eine wesentliche Rolle.

Was den Menschen außer dem Trieb in die Arme eines Geliebten oder einer Geliebten treibt, ist die Stärkung des Egos: „Die Bereitschaft eines anderen Menschen, eine sexuelle Beziehung mit einem einzugehen, ist sehr schmeichelhaft.”

Ob es Heilung oder Hoffnung für notorische Fremdgänger gibt oder ob der Mensch nun wirklich von Natur aus Untreu ist, wird Martin Trzecziak aber erst am Mittwoch verraten. Im Schloss Zweibrüggen wird er auch Literaturtipps zum Thema geben.