Geilenkirchen: Kriegsgräber als ständigen Appell gegen Gewalt erhalten

Geilenkirchen: Kriegsgräber als ständigen Appell gegen Gewalt erhalten

Der Termin ist ein wiederkehrender: Jedes Jahr im Oktober treffen sich die Herren im Geilenkirchener Rathaus, um sich auszutauschen, sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen und sich darauf vorzubereiten, vom 1. bis zum 20. November von Haus zu Haus zu ziehen und zu sammeln — übrigens nicht nur in Geilenkirchen, sondern überall im Kreis Heinsberg und in ganz Deutschland, da natürlich in anderer personeller Zusammensetzung. Ziel der Aktion ist es, Geld zu sammeln für den Erhalt und die Pflege von Kriegsgräbern im In- und Ausland.

Martin Gadow ist der Geschäftsführer des Bezirksverbands Köln-Aachen des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge, und auf den Auftakttermin in Geilenkirchen freut er sich immer ganz besonders: „Sie sind ein Paradebeispiel, bei Ihnen in Geilenkirchen läuft immer alles reibungslos“, lobt Gadow Bürgermeister Georg Schmitz und meint damit, dass die Haussammlungen immer bestens organisiert sind.

Den Dank gibt Schmitz direkt weiter an Oberstleutnant Andreas Böge vom Nato-E3A-Verband und Oberst Axel Schneider vom Zentrum für Verfikationsaufgaben der Bundeswehr. Denn ihnen und den zahlreichen Soldaten ist es zu verdanken, dass die Sammlungen so reibungslos von statten gehen. „Da haben wir Glück“, sagt Schmitz „Dieses ehrenamtliche Engagement ist nicht selbstverständlich.“

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gräber der Kriegstoten zu pflegen und auf Dauer zu erhalten. Dort, auf den Kriegsgräberstätten, seien die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft weiterhin sichtbar und als Mahnung erfahrbar, so der Verein. Der Volksbund finanziert seine Arbeit überwiegend durch die Beiträge seiner Mitglieder, Erbschaften durch Nachlassgeber und Spenden aus der Bevölkerung. Nur rund 30 Prozent des Finanzierungsbedarfs wird aus zweckgebundenen Zuschussmitteln des Bundes steuerfinanziert.

Die Arbeit des Volksbundes ist immer schwieriger geworden. Die Mitgliederzahlen sinken und damit auch die Einnahmen. Gadow: „Wir würden uns wünschen, dass wir mit einem festen Betrag vom Bund finanziert würden, schließlich erfüllen wir eine staatliche Aufgabe.“ Darüber hinaus würden auch Erträge aus Erbschaften und Spenden kleiner. „Das liegt vor allem daran, dass junge Menschen den Krieg und seine unmittelbaren Folgen selbst nicht mehr miterlebt haben“, meint Josef Nießen, Dezernent des Kreises Heinsberg und Kreisgeschäftsführer des Volksbundes. „Das ist auch der Grund, warum die Arbeit des Vereins so wichtig ist. Denn nichts verdeutlicht eindrucksvoller, was der Krieg bewirken kann, als die zahlreichen Gräber.“

Als zweites Standbein neben dem Bau und der Erhaltung von Kriegsgräbern leistet der Volksbund seit 1953 intensive Schul-, Jugend- und Bildungsarbeit. In jährlich rund 60 Workshops in West- und Osteuropa fördert er die internationale Begegnung und die historisch-politische Bildung junger Menschen. Rund 20 000 Jugendliche und junge Erwachsene nutzen jährlich diese Angebote.

Die Millionen Kriegsgräber — der Volksbund erhält 2,7 Millionen Gräber auf 833 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern Europas und Nordafrikas — sind Symbole für die Grausamkeit des Krieges, ein ständiger Appell gegen Gewalt und für den Frieden, heißt es in der Expertise des Volksbundes. So ist auch der Volkstrauertag, der jedes Jahr im November vom Volksbund bundesweit ausgerichtet wird, der Tag des Gedenkens und der Mahnung zum Frieden.

(sit)
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