Das Jahr 1949 in Geilenkirchen: Kriegsfolgen lasten weiter auf der Bevölkerung

Das Jahr 1949 in Geilenkirchen : Kriegsfolgen lasten weiter auf der Bevölkerung

Trotz des von Tag zu Tag optimistischeren Blickes in die Zukunft waren die Schrecken des Krieges im Jahr 1949 längst noch nicht vergessen. Die Erinnerung an ein Jahrzehnt voller Tod und Sterben, voll von traurigen Schicksalen und Zerstörung bewegten die Menschen, vor allem anlässlich des Jahreswechsels 1949/1950.

Man sehnte sich dem Ende dieses grausamen Jahrzehnts entgegen und wurde in der Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft nicht enttäuscht.

Die Schrecken des Krieges holten die Menschen bei vielen alltäglichen Begebenheiten ein: Da war in erster Hinsicht die Wohnungsnot zu nennen, von der Bürgermeister Plum anlässlich des Besuchs des Wiederaufbauministers Steinhoff im Dezember 1949 in Geilenkirchen behauptete, sie sei größer, als man es auf den ersten Blick vermute.

Große Not in Übach-Palenberg

Nach wie vor hatten Schulspeise und Lebensmittelkarten ihre Berechtigung, auch wenn sie bald der Vergangenheit angehören sollten. Die wirtschaftliche Not war vor allem in der Großgemeinde Übach-Palenberg so groß, dass der Wohlfahrtsausschuss Beihilfen zur Ausstattung der Kommunionkinder und Konfirmanden für erforderlich hielt.

Ungleich schlimmer litten viele Bürger unter den psychischen Folgen des Krieges. In vielen Familien war zumindest ein Platz leer, da man auf die Rückkehr der Gatten, Väter oder Söhne aus der russischen Kriegsgefangenschaft wartete. Ab Sommer 1949 kamen verstärkt Transporte von Heimkehrern an. Die „Spätheimkehrer“ genossen in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung. Ihre Namen wurden wöchentlich in der Zeitung bekannt gegeben.

Nach wie vor hatten  Schulspeise und Lebensmittelkarten im Jahr 1949 ihre Berechtigung, auch wenn sie schon bald der Vergangenheit angehören sollten. Foto: imago

Getrübte Freude für die Familien

In der Stadt Übach-Palenberg konnten die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen je nach Familienstand ein Ehrengeschenk in Höhe von 50 DM oder 75 DM in Empfang nehmen. In der Pfarrgemeinde Grotenrath wurde den letzten drei Heimkehrern am 11. Dezember 1949 ein Willkommensabend unter Beteiligung der  Pfarr- und Schulgemeinde sowie der Ortsvereine dargeboten.

Die Freude wurde getrübt durch das ungeklärte Schicksal von Soldaten, die seit längerer Zeit als vermisst galten. Von Kameraden überbrachte Todesnachrichten und die Überführung der im Lager Vught verstorbenen Internierten in ihre Heimat, hielten im November 1949 die Erinnerung  an Krieg und Zwangsevakuierung wieder vor Augen.

Im Lager Vught waren Bewohner von Grotenrath, Teveren, Gillrath sowie aus den Dörfern der heutigen Gemeinden Gangelt und Selfkant verstorben. Gerade die Bevölkerung der Gemeinde Selfkant stand durch die Überführung in niederländische Auftragsverwaltung noch vor einer besonderen Herausforderung. Die Bürger erlebten aber die eindrucksvolle Solidarität der gesamten Kreisbevölkerung, die sich Ende März 1949 beim Besuch der Landesregierung in Gangelt und Mitte April durch die Treuekundgebung des Sängerkreises Rur-Wurm auf dem Marktplatz in Geilenkirchen zeigte.

Durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs war die Bevölkerung in den deutschen Ostgebieten heimatlos geworden. Als „Heimatvertriebene“ hofften sie vor allem in den Westzonen eine neue Existenz aufzubauen.  Zweifellos stellten sie die hiesigen Kommunen vor großen Problemen vor allem im Bezug auf die Suche nach geeignetem Wohnraum. Aber bereitwillig ließen sie sich integrieren und stellten ihre Arbeitskraft und ihre Talente dem Wiederaufbau zur Verfügung. So fand ein Großteil der im Februar 1949 in der Großgemeinde Übach-Palenberg registrierten1800  Ostflüchtlinge Arbeit und Brot auf der Zeche Carolus Magnus  sowie  den umliegenden Gruben.

Die Staatsgründung

Eigentlich beanspruchte der Wiederaufbau das Leistungsvermögen der meisten Menschen  in einem solchen Umfang , dass das Interesse an Politik nicht allzu stark ausgeprägt war. Die negativen Erinnerungen  an die NS-Zeit schreckten manchen Bürger vor politischem Engagement ab.

Dennoch hatten in den vergangenen Jahren einige Bürger den Weg zurück zu ihrer ursprünglichen politischen Heimat aus der Zeit der Weimarer Republik gefunden. In der Großgemeinde Übach-Palenberg war die lebendige sozialdemokratische Tradition bereits 1945 wieder zu neuem Leben erweckt. Aber auch wenige KPD-Mitglieder prägten das Bild im Gemeinderat und im Kreistag.    .

Die Rolle des Zentrums übernahm in den katholisch geprägten dörflichen Wahlbezirken die CDU, deren erster Ortsverband sich im März 1946    im Café de Bache in Geilenkirchen konstituiert hatte. Die Partei konnte in den nachfolgenden Wahlen  eine uneingeschränkte Monopolstellung wahren.

Über die Parteigrenzen hinweg sahen sich CDU, SPD und KPD zum Wiederaufbau verpflichtet. In gleicher Weise interessierten sich zumindest die kommunalen Mandatsträger für die Entstehung einer neuen Verfassung.

Petition für christliche Elternrechte

So richtete die Geilenkirchener Union eine Petition an den Parlamentarischen Rat mit dem Ziel das christliche Elternrecht in der Verfassung zu verankern.

Die Verabschiedung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 sowie der Wahlkampf für die zunächst für den 17. Juli 1949 vorgesehene und später auf den 14. August 1949  verlegte Bundestagswahl beherrschten die Schlagzeilen der hiesigen Lokalpresse. Wahlveranstaltungen füllten den Terminkalender von Lokalitäten, die Parteien entdeckten zum ersten Mal auch die Plakate an den Litfaßsäulen als moderne Form der Wahlwerbung.

Bei einer Wahlbeteiligung von mehr als 75 Prozent stimmte die überwiegende Mehrheit der ländlichen Bevölkerung für die CDU, die sich selbst in der Industriegemeinde Übach-Palenberg mit einem  Stimmenanteil von 44 Prozent gut behaupten konnte. Die  Wahlen brachten eine handlungsfähige Regierung hervor, die das Bemühen der Bevölkerung unterstützte und förderte. Wie die Menschen in ganz Westdeutschland konnte auch die hiesige Bevölkerung  optimistisch in die fünfziger Jahre blicken.