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Selfkant-Gangelt: Kräftig futtern für den Landschaftsschutz

Selfkant-Gangelt : Kräftig futtern für den Landschaftsschutz

Der Schäfer ist den Naturgewalten wie Sturm und Hagel, Schnee und Regen, Kälte und Hitze tagtäglich ausgesetzt, doch dafür wird er reichlich belohnt.

Denn er ist frei von Zwängen und nicht der Hektik im heutigen digitalen Computerzeitalter ausgesetzt, doch vor allem ist ihm der Umgang mit den Schafen und seinen Hunden ein unbezahlbares Gut.

Trotz allem stellt sich die Frage: „Wie rentiert sich eine riesige Herde Moorschnucken?” Denn als Schlachtvieh ist die Moorschnucke zu leicht, und die wertlose Wolle muss sogar notfalls kostenpflichtig entsorgt werden.

Ronald Garthof aus Birgden ist schon 25 Jahre Schäfer und nun bei der Schäferei Franz Eikermann in Hohenbusch angestellt. Seinen Beruf erlernte der gebürtige Thüringer in der ehemaligen DDR. Der 39-Jährige absolvierte dort eine Lehre als „Zootechniker Abteilung Schafe”.

Tag beginnt um Neun

„Schon als kleiner Junge war mein Traumberuf Schäfer und schon als 14-Jähriger durfte ich den Beruf in der DDR erlernen”, so Ronald Garthof. Sein Arbeitstag beginnt im Winter um 9 Uhr, doch bei regnerischem Wetter schon einige Stunden eher, da sich sonst das Nachtquartier der Schafe zu einem Morastplatz verwandeln würde und dies nicht im Interesse des Bauern sei. Auch die 930 Schafe und 50 Ziegen warten schon sehnsüchtig auf ihren Schäfer, denn sie möchten zu einer neuen Futterstelle geführt werden.

Rüben und Senf

Vorrangig sucht Ronald Garthof für seine Herde zurückgelassene Überreste auf Rübenäckern, auch Senf zählt zu den Speisen der Schafe. Grasflächen und eingesäte Äcker sind meistens mit einer Strohpuppe gekennzeichnet, was bedeutet, dass diese nicht abgegrast werden dürfen.

Nach einem Streifzug durch das Gangelter Land und den Selfkant werden Garthof und seine Herde anschließend an der Grenze entlang die Heimreise Richtung Teverner Heide antreten. Anfang Mai werden die Moorschnucken wieder für die Landschaftspflege in der Teverner Heide eingesetzt.

Einsatz kostengünstig

Seit 1995 ist die Schäferei Franz Eikermann mit dem Landschaftspflege-Projekt in der Teverner Heide betraut. Vorher war Franz Eikermanns Schäferei über 20 Jahre in Leverkusen beheimatet.

Ohne die Pflege durch die Moorschnucken würde die Teverner Heide verbuschen und verwildern; dabei ist der Einsatz der Schafe für den Kreis Heinsberg eine kostengünstige Maßnahme, denn von Menschenhand wäre dies nicht zu bewältigen.

Und gerade die Moorschnucken eignen sich für die Landschaftspflege, denn das leichte Schaf - es wiegt gerade einmal bis zu 25 Kilogramm - kommt hervorragend in dem meist sumpfigen Gebiet zurecht und hinterlässt keine Flurschäden.

Doch in der Heide heißt es für den Schäfer, genau den Beweidungsplan des Kreises zu befolgen, denn die Route der Schafherde ist nach der Blütezeit in der Heide genau festgelegt.

Idealismus gefragt

Der Beruf des Schäfers ist nicht immer so einfach wie er aussieht, denn nur ein wirklicher Idealist wird Schäfer. „Schäfer wird man mit Herz, denn erst wenn das letzte Schaf versorgt ist, endet der Arbeitstag des Schäfers”, resümiert Franz Eikermann.