Kommentiert: Stimmen aus dem Halbdunkeln

Kommentiert: Stimmen aus dem Halbdunkeln

Wenn im Heinsberger Südkreis moniert wird, dass man in Sachen Sicherheit schon einmal besser aufgestellt war, sieht die Reaktion der Behörden so aus: Eilig werden Zahlen zusammengestellt, die zeigen, dass ja eigentlich alles nicht so schlimm ist. Und es stimmt ja: Aachen ist gefährlicher, Berlin auch, und man denke nur an die Johannesburger Townships! Schade, dass das hier keinem hilft.

Die Behörden sollten froh sein, dass es zurzeit noch bürgerliche, seriöse Parteien sind, die das Problem ansprechen, und sei es auch zu einem Teil ein diffuses, gefühltes. Wenn das nicht ernst genommen wird, übernimmt irgendwann ein AfD-Ortsverband, den es bislang weder in Geilenkirchen noch in Übach-Palenberg gibt, die Moderation des Themas, und dann zählt im Zweifel, wer am lautesten krakeelt. Wähler hat die Rechtsaußen-Truppe in beiden Städten schon jetzt reichlich.

So lange man sich jedoch in den Amtsstuben mit Statistiken die Augen zuhält, wird eines übersehen: Das Gefühl latenter Unsicherheit setzt beim Bürger nicht unbedingt erst dann ein, sobald er statistisch erfassbar die Fresse poliert bekommen hat.

Es kann ausreichen, einmal zu oft aus dem Halbdunkeln heraus angepöbelt worden zu sein. Oder auch bemerkenswerte Meldungen wie die vom Autofahrer aus Übach-Palenberg, der am Montag einen Bewaffneten in die Flucht geschlagen hat - die, dies nur nebenbei, durchaus in Johannesburg hätte spielen können. Da ändert auch keine Hilfestellung beim Lesen der Kriminalitätsstatistik etwas dran.