Kommentiert: Mediator gesucht

Kommentiert: Mediator gesucht

Es ist schon auffällig, mit wie viel Hingabe in der Übach-Palenberger Kommunalpolitik in Wunden herumgepult wird, die längst verheilt sein könnten. Zwei Spielarten werden dabei vorzugsweise betrieben.

Entweder reibt die CDU der SPD genüsslich eine Fehlleistung aus deren Regierungszeit unter die Nase. Oder die SPD springt aus der Wäsche, weil die CDU sich für etwas gelobt hat, was man als eigenes Verdienst reklamiert. Und schon schweift man in den politischen Gremien ab zu der Frage, wer in welchem Jahrzehnt was versaut hat. Die Doofen, das waren die anderen, immer schon, nur so viel ist sicher.

Völlig unabhängig davon, wer nun in welchem Punkt recht haben mag, bleibt erstaunlich häufig im Raume stehen, dass wesentliche Beschlüsse einst gemeinsam gefasst wurden. Für gute (Schokoladenfabrik) gilt das wie für schlechte (Klangbrücke), aber bestimmte Dinge zu den Akten zu legen, ist deshalb noch lange keine Option. Stattdessen gebärden die Stadtverordneten sich zuweilen wie eine zerstrittene Großfamilie, in der die ungeklärte Frage, wer damals Tante Gerdas Hut plattgesessen hat, auch nach 20 Jahren noch genügend Zündstoff birgt, um den Sonntagnachmittagskaffee in eine Tortenschlacht ausarten zu lassen.

So unterhaltsam das sein mag, so unerheblich ist es inhaltlich. Wer sich schon an die Gurgel will, wenn es ums Gestern geht, der wird das Morgen kaum konstruktiv gemeinsam gestalten. Es wäre daher sinnvoll, für sämtliche Scharmützel rund um die Klangbrücke, den Niedergang des Bergbaus und das Aussterben der Dinosaurier ein eigenes Gremium einzuberufen: den Ausschuss für die Aufarbeitung oller Kamellen. Als sachkundigen Bürger könnte man einen Mediator einberufen.

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