Kommentiert: Klimasoldaten

Kommentiert: Klimasoldaten

Manchmal stehen einem vor Rührung die Tränen in den Augen. Diese Woche flog eine Mitteilung der Stadt Übach-Palenberg in die Redaktion, in der stand: „Aus Energiespargründen bleibt das Rathaus am Montag, 30. Oktober, geschlossen“.

Dieser Tag ist ja ein Brückentag, und während alle Welt versucht, sich ein Fünftagewochenende zu basteln, rettet man in Übach-Palenberg selbstlos den städtischen Haushalt vor dem Exitus und die Welt vor der Sintflut. Beamte als Klimasoldaten, ein dolles Ding. Da soll noch ein Grüner maulen wegen ein paar gehäckselter Bäumelein.

Noch entschiedener durchgegriffen wird allerdings im kleinen Gangelt. Dort bleibt das Rathaus am Montag ebenfalls geschlossen, doch Bürgermeister Tholens Umweltspezialisten haben im Gegensatz zu den in Sachen Umweltschutz etwas zu romantischen Übach-Palenbergern erkannt, dass die Apokalypse sich nicht an einem einzigen Tag verhindern lässt. In angemessener Bedeutungsschwere lässt man wissen: „Die Gemeinde möchte die fünf freien Tage für Energie- und Kosteneinsparung nutzen“.

Bislang wurden bekanntlich die Festbeleuchtung eingeschaltet und die Wasserhähne aufgedreht, bevor man ins Wochenende ging, die Heizung ließ man bei geöffneten Fenstern weiterbollern. Da hätte sich wirklich kein Gangelter wundern dürfen, wenn er demnächst am Meer gewohnt hätte und die ersoffenen Eisbären in seinen Vorgarten gespült worden wären. Nun also die Entwarnung: Der Selfkant bleibt niederländisches Hinterland.

Verdächtige Stille herrschte diese Woche nur in Geilenkirchen. Erst auf massiven Druck gab man kleinlaut zu: Am Montag wird mit Energie geaast wie in einer sibirischen Diamantmine — das Rathaus bleibt geöffnet. Ein Schlag ins Gesicht der Nachbarn! Man kann nur hoffen, dass die gedankenlosen Nacksen nicht noch alles versaubeuteln! Denkt denn keiner an die Kinder?

Doch, einer: Georg Schmitz, der Börjermeister. Er spart am Montag ebenfalls Energie und hat sich extra freigenommen.