Kommentiert: Falsche Plattform, falscher Stil

Kommentiert: Falsche Plattform, falscher Stil

Wir Journalisten haben das Privileg, ja sogar den Auftrag, Missstände zu benennen. Kritische Debattenbeiträge sind von unseren Leserinnen und Lesern erwünscht, sie sind eine der größten Errungenschaften einer freien Gesellschaft.

In einer Stellungnahme unter seinem Artikel beruft sich Lars Kleinsteuber auf den Artikel 5 des Grundgesetzes, der freie Meinungsäußerung ohne Zensur garantiert. Kommentare in dieser Zeitung sind namentlich gekennzeichnet. Sie als Leser wissen genau, wann die Information endet und wann die persönliche Meinungsäußerung beginnt. Dafür gibt es klare Regeln, und darin unterscheidet sich diese Zeitung vom Boulevardjournalismus.

Nichts von alledem findet sich beim online erschienen Artikel des Magazins des Carolus-Magnus-Gymnasiums. Wer hat den Artikel geschrieben? Gibt er die Meinung der Redaktion, gar der Schule wieder? Der Verdacht liegt nahe, dass da der Juso-Vorsitzende Lars Kleinsteuber schreibt und nicht der Chefredakteur Lars Kleinsteuber. Das macht ihn angreifbar, selbst aus den Augen eines leidenschaftlichen Journalisten wie mir, der jede Meinungsäußerung prinzipiell gutheißt.

Die politische Kultur in Übach-Palenberg ist speziell, so viel ist sicher. Über das Informationsgebaren der Verwaltung mit Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch an der Spitze lässt sich trefflich streiten. Ü-Bad, Gesamtschulkooperation, Grünschnitt, Wohngebiet Beyelsfeld — es gibt viele Beispiele, die Anlass zur Kritik geben. Lars Kleinsteuber hat dafür allerdings die falsche Plattform und den falschen Stil gewählt.

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