Kommentiert: Die Argumentation ist unplausibel

Kommentiert: Die Argumentation ist unplausibel

Nein, das Schreiben der Bezirksregierung taugt nicht dazu, das Baugebiet Mariental grundsätzlich in Frage zu stellen. Dazu sind die Inhalte nicht schwerwiegend genug.

Unverständlich bis anrüchig ist allerdings, wie die Übach-Palenberger Stadtverwaltung wieder einmal mit dem Stadtrat umgegangen ist. Alf-Ingo Pickartz hat das Schreiben bereits vergangene Woche Donnerstag beim Bürgermeister angefordert. Spätestens da muss dieser also gewusst haben, dass es existiert und gefragt ist. Doch das ist noch nicht alles.

Das Schreiben kam nämlich nicht aus heiterem Himmel, die Stadt hatte ihre Kollegen in Köln ausdrücklich um ihre Einschätzung gebeten. Das geht aus dem Schreiben selbst hervor und wurde unserer Zeitung am Freitag von der Bezirksregierung — von dem Vorgang mittlerweile erkennbar genervt — noch einmal bestätigt.

Warum um alles in der Welt also fordert die Stadt erst eine Stellungnahme an, will sie dann aber nicht herausgeben? Ist der Inhalt relevant? Dann gehört er in den Rat. Ist er uninteressant? Dann dürfte ja erst recht nichts dagegen sprechen, ihn rauszurücken.

Das gilt übrigens auch völlig unabhängig von der Frage, ob es plausibel ist, dass ein Brief im Jahr 2017 eine geschlagene Woche lang von Köln bis Übach-Palenberg unterwegs gewesen sein soll. Nach allem, was man weiß, verfügt das Rathaus über eine gut funktionierende Telefonanlage.

Es gibt auch eine Internetverbindung. Man hätte also in Köln anrufen können, um einfach mal nett zu fragen, ob die Kollegen das Schreiben nicht einscannen und per E-Mail schicken könnte. Das wäre nicht nur technisch möglich, sondern sogar ein absolut üblicher Vorgang zwischen Behörden gewesen. „Vorab per Mail“ steht dann da für gewöhnlich vermerkt. Die Argumentation der Stadt passt also wieder einmal von vorne bis hinten nicht zusammen.

Vielleicht hat das damit zu tun, dass die gängige Kommunikationstechnik allein nicht ausreicht, einen solchen Vorgang zu bewältigen. Es braucht auch eine Verwaltungsspitze, die Stadtrat und Öffentlichkeit ernst nimmt und die Absicht verfolgt, beide mit vollständigen Informationen versorgt.

Mal sehen, ob nach dieser Nummer noch jemand glaubt, in Sachen Mariental gehe es fair und transparent zu.

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