Kommentiert: Bürgernähe setzt Interesse voraus

Kommentiert: Bürgernähe setzt Interesse voraus

Der Bürgermeister erfuhr durch den Anruf unserer Redaktion davon, dass der Sportplatz in Kraudorf nach Willen seines Rathauses zugemacht werden soll. Da werde er wahrscheinlich kommende Woche näher informiert, sagte Georg Schmitz am Telefon. Bis dahin könne man sich an seinen Beigeordneten wenden.

Nun übernimmt man das Überbringen von Neuigkeiten als Mitarbeiter einer Tageszeitung von Berufs wegen gern. Wenn aber die Rathausspitze nicht weiß, was die Etagen unter ihr veranstalten, ist das nicht im Sinne des Erfinders. Es geht hier ja nicht um eine ungefähre Idee, die sich noch im Anfangsstadium befindet. Nein, es fehlt nur noch das Votum der Politik, dann sind Tatsachen geschaffen. Offenbar hielt es im Rathaus aber niemand für notwendig, das Vorhaben mit dem Chef zu besprechen. Und der, toller noch, hatte nicht einmal dann Lust, die Unterlagen zu lesen, als sie fertig vorbereitet und öffentlich zugänglich waren.

Zugegeben: Das entspricht nur dem, was Schmitz angekündigt hat. Meine Amtsleiter, die kümmern sich um alles, was ich selbst mangels Verwaltungserfahrung nicht beherrsche, so versprach er es freimütig im Wahlkampf. Seine Wähler fanden das damals angenehm bodenständig und hemdsärmelig. Ein gutes Jahr später drängt sich aber die Frage auf, ob diese Haltung nicht eher fahrlässig bis dreist ist. Bürgernah jedenfalls ist sie in der Umsetzung nachweislich nicht. Bürgernähe setzt nämlich Interesse voraus. Daran hapert es, und das muss man dem „Bürgermeister für alle“ sehr wohl vorwerfen.