Baesweiler: Klangwelten des Schlagzeugs beim Krypta-Konzert

Baesweiler: Klangwelten des Schlagzeugs beim Krypta-Konzert

Das Zusammentreffen von Alt und Neu kann ein spannendes Erlebnis sein. Ein bekanntes Beispiel aus der Architektur ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, wo die spätromanische Turmruine mit dem futuristisch anmutenden Neubau von Egon Eiermann ein überaus reizvolles Ensemble bildet — von den Berlinern liebevoll-ironisch als „Hohler Zahn mit Zuckerdose“ tituliert.

Aber auch auf musikalischer Ebene kann die Gegenüberstellung traditioneller und neuzeitlicher Werke sehr kontrastreich und anregend zugleich wirken.

Davon konnte man sich jetzt bei einem Konzert in der Krypta der Baesweiler St.-Petrus-Kirche überzeugen. Für diesen Abend hatte man das Trio Contemporaneo gewinnen können, das von dem in Hattingen gebürtigen Komponisten Günther Wiesemann geleitet wird. Er wurde auch als Pianist, Organist sowie Percussionist ausgebildet und hat sich durch zahlreiche Aufführungen eigener Werke sowie als Preisträger von Kompositionswettbewerben einen anerkannten Namen gemacht.

Mit Violine und Piano

Zu seinen Mitstreitern gehört außerdem Benjamin Nachbar, der aus dem ukrainischen Czernowitz stammt und sein Violin- und Bratschenstudium in Gent und Maastricht absolvierte. Schon früh wurde er Mitglied der Jungen Philharmonie Köln und später bei bedeutenden Kammerorchestern.

Dritter im Bund ist die Pianistin und Organistin Tamara Buslova, die in Chisinau (Moldavien) an der dortigen Musikhochschule ihr Examen machte und zahlreiche Auszeichnungen für ihr Solospiel erringen konnte.

Neuzeitliche Kompositionen

Die Bezeichnung „contemporaneo“ war nicht zufällig gewählt — denn die drei Künstler waren an diesem Abend keineswegs nur auf ihren Hauptinstrumenten zu hören, sondern betätigten sich allesamt auch als Schlagzeuger. Denn neben Werken aus der Barockzeit und der Frühklassik standen auch zwei neuzeitliche Kompositionen aus der Feder von Günther Wiesemann auf dem Programm, bei denen allerhand Schlagwerk reichlich zum Einsatz kam.

Den Anfang des Konzertes bildeten jedoch zwei Sätze aus dem Konzert von Viola und Orchester von Johann Christian Bach in einer Fassung für Viola und Orgel. Ruhig und getragen entfaltete sich das „Adagio molto espressivo“, danach sorgte das „Allegro molto energico“ für resoluten Elan. Schon hier begeisterte Benjamin Nachbar mit virtuosem Spiel und harmonierte bestens mit Tamara Buslova, die für den Basso continuo sorgte.

Dann folgte das erste Werk von Günther Wiesemann, dass wie viele seiner Kompositionen keinem strengen Formprinzip folgt, sondern als großangelegte Fantasie anzusprechen ist, die stark improvisatorische Züge trägt. Trotz der Überschrift „sforza robur ritmico“ begann das Stück keineswegs laut und aggressiv, sondern im Gegenteil mit hauchzarten Klängen, die das Publikum sogleich gefangen nahmen. Man erlebte eine faszinierende Vielfalt von Schlagzeug-Klängen: Xylophon, Vibraton, Triangel und Gong waren in zahllosen Schattierungen zu hören.

Erst nach einiger Zeit traten straffe und markante Rhythmen von Tambourin und Holzklapper auf. Sie verhallten und machten erneut unwirklich entrückten Tönen Platz, die geradezu die Zeit stillstehen ließen und dem Ganzen einen beinahe mystischen Charakter verliehen.

Ein weiteres Stück von Wiesemann, diesmal für Orgel solo, schloss sich an. Wie der Titel „pezzi piccoli“ andeutete, arbeitet der Komponist hier häufig mit hochliegenden Registern. Trotzdem wurden auch schroffe atonale Mischklänge nicht ausgespart, die das Stück für den unbedarften Hörer schwieriger zugänglich machen.

Weite Melodiebögen

Danach kehrten die drei Künstler mit zwei Sätzen aus der Violinsonate c-moll BWV 1017 von Johann Sebastian Bach wieder ins barocke Zeitalter zurück. Weite Melodiebögen der Sologeige, untermalt von pizzicatoartigen Achteln, beherrschten das berückende Siciliano. Im spritzigen Allegro-Finale dagegen konnten Benjamin Nachbar und Tamara Buslova wieder alle Register ihres Könnens ziehen.

Ein Höhepunkt des Konzertes war zweifellos die großangelegte Wiesemann-Komposition „Daher in Frieden, in Frieden jetzt?“ Hier setzte Wiesemann nicht nur ein Arsenal von Schlagzeugen, sondern auch Orgel und Solovioline ein. Unverkennbar werden in dem Werk zwei bekannte Choräle (O Welt, ich muss dich lassen, Ein‘ feste Burg ist unser Gott) aufgegriffen und auf höchst originelle Art modern verfremdet.

Den Schlusspunkt setzten dann die beiden knapp gehaltenen, aber überaus wirkungsvollen Sätze Nr. 2 und 3 aus dem a-moll-Konzert op. 3 Nr.6 von Vivaldi in einer Fassung von Tivadar Nachez. Für den abschließenden großen Beifall bedankten sich Benjamin Nachbar und Tamara Buslova mit dem berühmten „Air“ von Johann Sebastian Bach als Zugabe.