Übach-Palenberg: Klänge von Chopin im Rokoko-Schloss

Übach-Palenberg: Klänge von Chopin im Rokoko-Schloss

Fréderic Chopin (1810-1849) gehört zu den frühreifen Ausnahmetalenten der Musikgeschichte. Schon mit acht Jahren trat er öffentlich als Pianist auf, als Teenager verfasste er die ersten Kompositionen — ganz ähnlich wie seine fast gleichaltrigen Zeitgenossen Franz Liszt und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Während diese Meister jedoch auch zahlreiche Chor- und Orchesterwerke, Lieder und Kammermusiken schrieben, beschränkt sich das Schaffen von Chopin beinahe ausschließlich auf das Klavier. Dennoch erlangte er als polnischer Nationalkomponist Weltgeltung und zählt zu den wichtigsten Vertretern der Hochromantik.

Eine „Hommage an Chopin“ — also einen Klavierabend ausschließlich mit Musik von Chopin — konnte man zuletzt im Schloss Zweibrüggen erleben. Zu Gast war der renommierte Pianist Menachem Har-Zahav, der in den Vereinigten Staaten aufwuchs, aber bald nach dem Abschluss seiner Studien nach Deutschland übersiedelte. Den zahlreich erschienenen Klassik-Fans war er kein Unbekannter, denn er hatte in der Vergangenheit schon mehrfach in Übach-Palenberg konzertiert.

Die perlend-spritzigen Klänge des Walzers in e-moll eröffneten das Programm. In diesem Frühwerk hörte man noch leichtgewichtige gehobene Unterhaltungsmusik, wie sie in der Zeit um 1830 in den eleganten Pariser Salons typisch war. Wesentlich tiefer lotete dagegen schon das „Nocturne“ in cis-moll, eine wundervolle frühromantische Nachtmusik.

Dann folgten zwei Polonaisen höchst unterschiedlichen Charakters: Derb zupackend das erste Werk in cis-moll, das zweite in d-moll dagegen im elegant-wiegenden Dreiertakt. Ebenso kontrastreich waren die drei Etüden in Ges-Dur, As-Dur und c-moll. Bei der ersten handelte es sich um die berühmt-berüchtigte „Schwarze-Tasten-Etüde“, die rasant und virtuos vorüberwirbelte. Die As-Dur-Etüde zog eher ruhig und besinnlich dahin, während das Stück in c-moll von heftiger Leidenschaft erfüllt war. Es trägt auch den Beinamen „Revolutions-Etüde“, denn es entstand 1831 unter dem Eindruck der blutigen Niederschlagung des polnischen Aufstandes gegen die russische Herrschaft.

Höchste Ansprüche

Noch großartiger und klanggewaltiger entfaltete sich das Scherzo in b-moll op. 31, dass an den Interpreten höchste Ansprüche stellt. Aber auch hier erwies sich Har-Zahav als großartiger Könner, der eine bis ins Letzte ausgefeilte Spieltechnik mit profundem Einfühlungsvermögen in die Klangwelt Chopins verband.

Nach der Pause erklang zunächst die stellenweise schon impressionistisch angehauchte Romanze aus dem Klavierkonzert Nr. 1 in einer Fassung von Mili Balakirew.

Dann wartete auf die Zuhörer noch ein musikalisches „Schwergewicht“ mit der Sonate Nr. 2 in b-moll op. 35, die zu den bedeutendsten Werken aus Chopins Feder gehört. Nach einer düsteren Einleitung brachte der erste Satz zunächst euphorische Freudenausbrüche, die sich jedoch als Trugbild erwiesen, denn bald dunkelte die Stimmung immer mehr ein und wurde tragisch-pathetisch. Hier entwickelte Har-Zahav eine geradezu orchestrale Wucht des Klanges, die beinahe den pianistischen Rahmen sprengte.

Fahle Gewitterstimmung

Die hochdramatische Spannung setzte sich fort in dem von fahler Gewitterstimmung erfüllten Scherzo und fand nur kurze Beruhigung in einem sanften Trio-Mittelteil. Der dritte Satz (Trauermarsch) ist sicherlich das berühmteste Stück des Werkes und wurde deshalb häufig auch für andere Instrumentalbesetzungen arrangiert. Das kurze, stürmische Finale scheint mit seiner bizarren Chromatik geradezu einen Alptraum widerzuspiegeln und gerät damit zum Sinnbild eines unentrinnbaren Verhängnisses.

Am Ende gab es großen und anhaltenden Beifall der Zuhörer, die von der großen künstlerischen Leistung dieses Abends sichtlich beeindruckt waren. Als Zugabe wählte Menachem Har-Zahav eine schwungvolle Tarantella, die mit Nachdruck unterstrich, dass sich Chopin keineswegs nur von der Folklore seines Heimatlandes, sondern auch von der Musik anderer europäischer Länder inspirieren ließ.