Geilenkirchen: Kita-Angebot: Wahlfreiheit bei lediglich zehn Plätzen?

Geilenkirchen : Kita-Angebot: Wahlfreiheit bei lediglich zehn Plätzen?

Kinder haben ab der Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Und mehr noch: Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf wahlweise 25, 35 oder 45 Stunden wöchentliche Betreuungszeit für ihre Kinder.

Theoretisch. Denn das Angebot für Plätze mit einer 25-stündigen Betreuungszeit ist in vielen Jugendamtsbezirken in NRW kaum bis gar nicht gegeben. Durch die mangelnde Wahlfreiheit der Eltern bei den Betreuungszeiten wird die viel gepriesene Vereinbarkeit von Familie und Beruf torpediert.

In Geilenkirchen gibt es für das Kindergartenjahr 2014/2015 nach einer aktuellen Liste des NRW-Familienministeriums gerade einmal zehn Plätze für eine 25-Stunden-Betreuung. Für eine 35-stündige Betreuung liegt das Angebot hingegen bei 365 Plätzen, für 45 Stunden sind 441 Betreuungsplätze vorhanden.

Finanzielle Mehrbelastung

Ist eine gewünschte 25-Stunden-Betreuung nicht möglich, müssen Eltern oftmals eine 35- oder 45-Stunden-Betreuung wählen, da das Kind sonst gar nicht versorgt wäre. Das führt aber aufgrund der höheren Kindergartenbeiträge zu einer finanziellen Mehrbelastung der betroffenen Familien.

Einen übermäßig großen Andrang auf die 25-Stunden-Betreuung gebe es in Geilenkirchen aber nicht, versichert Hermann-Josef Lehnen, stellvertretender Leiter des Jugend- und Sozialamtes Geilenkirchen. Mit der Einführung des Kinderbildungsgesetzes, kurz KiBiz, Mitte 2008 habe es anfangs vereinzelt noch Unmut bei Eltern über fehlende Betreuungsplätze gegeben. „Das ist aber schnell verpufft“, sagt Lehnen, selbst Vater zweier Kinder.

In Geilenkirchen bietet nur die Awo-Kita Stadtmitte eine 25-Stunden-Betreuung an. Von den dortigen 127 Plätzen entfallen zehn Plätze auf den genannten Betreuungsumfang, von denen alle belegt sind. „Viele Träger bieten eine 25-stündige Betreuungszeit nicht mehr an, weil es sich für sie finanziell nicht rechnet“, erklärt Lehnen. Soll heißen: Der Personalbedarf ist bei einer 35-Stunden-Betreuung ähnlich hoch, es kommt aber mehr Geld rein.

Die Awo-Kita Stadtmitte kann sich Plätze mit 25 Wochenstunden leisten. „Das ist aber eher ein Goodwill-Angebot“, sagt Kita-Leiterin Ingrid Grein. Finanzielle Vorteile zieht die Kita daraus nicht. „Viel mehr als zehn Plätze wären für uns auch nicht mehr tragbar“, so Grein. Mit 31 Mitarbeitern ist die Awo-Kita eine eher große Einrichtung. „Kleinere Kitas können sich eine 25-Stunden-Betreuung nicht leisten“, betont sie.

Besonders unangebracht findet Grein daher den Vorwurf, den die FDP jüngst im Landtag erhoben hat, die Träger von Kindergärten drängten die Eltern in die 45-Stunden-Betreuung. „Das verärgert mich“, sagt sie mit Blick auf die angebliche Wahlfreiheit bei den Betreuungszeiten. „Die Politik gaukelt den Eltern vor, sie könnten alles problemlos buchen. Das stimmt aber nicht. Und wir müssen uns mit den Eltern vor Ort auseinandersetzen.“

Von sieben Uhr morgens bis 17 Uhr bietet die Awo-Kita Stadtmitte Betreuungsplätze an. 83 Kinder essen dort auch zu Mittag. Heiß begehrt seien vor allem die Plätze mit 45 Wochenstunden, weiß Grein.

Derzeit sind alle Plätze in den zwölf Kindergärten in der Stadt Geilenkirchen belegt. „In vielen Kindergärten sind wir sogar überbelegt“, sagt Daniela Eiling vom Jugend- und Sozialamt. Rund 90 Kinder stünden aktuell auf der Warteliste.

Beiträge nach Einkommen

Die Betreuungsbeiträge richten sich übrigens nach dem jeweiligen Jahreseinkommen der Eltern. Bei einem Einkommen von bis zu 15.000 Euro brutto muss kein Beitrag gezahlt werden. Bis 24.542 Euro werden für eine 25-Stunden-Betreuung für ein Kind unter zwei Jahre monatlich 38 Euro fällig, für 45 Wochenstunden beispielsweise schon 68 Euro.