Geilenkirchen: Kirchliche Jugendmusik findet fruchtbaren Boden

Geilenkirchen: Kirchliche Jugendmusik findet fruchtbaren Boden

Liturgisch gesehen ist die Weihnachtszeit seit dem Fest der Taufe des Herrn bereits vorüber.

Trotzdem lässt man in vielen Kirchen die Krippen noch einige Tage oder Wochen stehen - so auch in der Kirche St. Johann in Hünshoven, wo man kürzlich sogar ein Konzert zum Ausklang der weihnachtlichen Tage erleben konnte. Es war zugleich auch eine Benefizveranstaltung zugunsten der katholischen Schwangerschaftsberatungsstelle „Rat und Hilfe”.

Unter der bewährten Stabführung von Maria Slagboom hatten sich gleich drei Chorgemeinschaften zusammengefunden: Die Hünshovener Spatzen, die Hünshovener Kids und der Junge Chor Hünshoven boten ein mehr als einstündiges Programm von gediegener Qualität.

Für zwei junge Nachwuchsleute, für die erst zehnjährigen Hannes Seidel (Schlagzeug) und Joost Slagboom (Cajon) war es wohl der erste Auftritt in diesem Rahmen. Auch einen „alten Bekannten” konnte die Chorleiterin willkommen heißen: Vincent Heitzer, als Organist und Begleiter seit vielen Jahren mit dem Jungen Chor verbunden und mittlerweile fertig ausgebildeter Kirchenmusiker. Noch in diesem Jahr wird er an der Kölner Musikhochschule ein weiteres Examen ablegen.

Eröffnet wurde das Konzert von den Spatzen und Kids. „Sucht nach den Krippen unserer Zeit” bildete zugleich auch das Motto des Programmes, das auch im weiteren Verlauf deutlich machte, dass der Sinn des Weihnachtsfestes nicht in romantischer Gefühlsduselei, sondern in tätiger Nächstenliebe und einem wachen Auge für die Not der Mitmenschen besteht. „Weihnachten ist mehr als ein Ziel” und „All das wünsch ich Dir” enthielt hübsche Solopartien, in denen der Nachwuchs bereits bemerkenswerte stimmliche Sicherheit zeigen konnte. Aber auch die Zuhörer wurden mit einigen Gemeindeliedern ins Programm einbezogen -etwa mit dem populären Lied „Menschen, die ihr wart verloren”, dem Neujahrsgesang „Lobpreiset all zu dieser Zeit” und „Von guten Mächten” mit seinem schönen Text von Bonhoeffer.

Bemerkenswerterweise begleitete Vincent Heitzer diese Lieder mit immer neuen Harmonien und stets wechselnden Klangfarben der Orgel - ein Verfahren, das in der evangelischen Liturgie seit Jahrhunderten selbstverständlich, dagegen in der katholischen Kirche unverständlicherweise nur wenig verbreitet, ja vielerorts sogar verpönt ist. Der Löwenanteil des Konzertes war eindeutig dem Jungen Chor anvertraut, der wieder mit vorwiegend englischsprachigen Nummern aufwartete. „God´s gift to mankind” und „Happy Christmas” wurden noch zusammen mit den „Kids” musiziert.

Eine klangprächtige, mit spätromantischer Harmonik durchsetzte Orgelimprovisation von Vincent Heitzer verarbeitete bekannte Weihnachtslieder: „Stille Nacht”, „In dulci jubilo” und „Heiligste Nacht” waren unverkennbar herauszuhören. „I will sing to the Lord”, „There´s a light shining” und „Sende deine Engel” gefielen mit ausgewogenem Chorklang und der perfekt angepassten Begleitung von Klaus Lückge.

Nach dem lebhaften „You raise me up” griff Vincent Heitzer bei dem ausdruckstiefen Gebet „Be thou my vision” ausnahmsweise ebenfalls zum Dirigentenstab, während Maria Slagboom zwischen den Chorabschnitten klangschöne Soli auf der Querflöte vortrug.

Auch „Gabriellas Song” und „Bleibe bei uns” erwiesen sich als wirkungsvolle Chorgesänge voller Schwung und Elan. Nach dem bekannten Spiritual „Go, tell it on the mountain” führte Maria Slagboom beim abschließenden „Heal the world” alle drei Chorgruppen zu einem fulminaten Finale zusammen, dass den krönenden Abschluß eines stürmisch beklatschten Konzertes bildete.

Die kirchliche Jugendmusik erfreut sich auch im Jahre 2012 in Geilenkirchen offensichtlich eines intensiven und nachhaltigen Wachsens und Gedeihens.

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