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Vught/Gangelt: Kinder von Kamp Vught kehren zurück

Vught/Gangelt : Kinder von Kamp Vught kehren zurück

Eine „Reise zurück in die Kindheit” nannte es Hans-Josef Jöken vom geschichtskundlichen Arbeitskreis in Birgden: Rund 180 Einwohner aus Selfkant, Gangelt und Geilenkirchen besuchten das „National Monument Kamp Vught” nördlich von Eindhoven.

Von November 1944 bis Mai 1945 waren in dem ehemaligen deutschen „Konzentrationslager Herzogenbusch” rund 6000 Bewohner der Region von der britischen Armee interniert worden, so der Birgdener Heimatforscher Paul Vallen.

Untergebracht waren sie unter oft unmenschlichen Bedingungen in Baracken mit zwei Flügeln, in denen jeweils 140 bis 180 Menschen wohnten. Es herrsche Hunger, Typhus und Ruhr brachen aus und forderten etwa 190 Todesopfer. Diese wurden später entweder in die Heimat überführt oder von Vught auf den deutschen Soldatenfriedhof Ysselsreyn in Nord-Limburg umgebettet.

Das „National Monument Kamp Vught” hat in diesem Frühjahr Zeitzeugen befragt. Die Aussagen, von der Amsterdammer Kulturanthropologin Wiesje Kuijpers dokumentiert, werden in Vught archiviert. Damit schließt die nationale Gedenkstätte auch eine Lücke in der Geschichte des Lagers.

Ausführlich erforscht ist bisher die Geschichte des Kamps als eines eines der fünf deutschen Konzentrationslager in den Niederlanden und seit 1951 als Zufluchtsort der Molukker, einer ethnischen Minderheit in Indonesien, die dem niederländischen Kolonialregime treu ergeben war und deshalb Represssalien der neuen Insel-Republik befürchten musste.

1942 begann die Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei in den Niederlanden mit dem Bau des KZ Herzogenbusch. Am 5. Januar 1943 kamen die ersten Gefangenen an. Insgesamt wurden etwa 31.000 Häftlinge hier interniert, darunter 15.000 Juden, hollandische Widerstandskämpfer, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Kriminelle.

Ab Mitte 1943 bestand das Kamp aus einem „Judendurchgangslager (JDL)” und einem „Polizeilichen Durchgangslager (PDL)”. Die meisten wurden in Vernichtungslager wie Auschwitz oder Sobibor transportiert.

Im September 1944, als die 4. kanadische Panzerdivision nordwärts vorstieß, evakuierte die SS das Lager: Die Häftlinge wurden in das KZ Sachsenhausen überstellt. Die Kanadier fanden im KZ 500 Leichen vor und etwa 600 ausgemergelte Häflinge. Mitte November trafen die ersten Selfkanter ein.