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Übach-Palenberg/Aachen: Kind mit der Hand an den Tisch genagelt

Übach-Palenberg/Aachen : Kind mit der Hand an den Tisch genagelt

Plädoyers in einem weiteren Kinderschänder-Prozess: Wegen schwerer Misshandlungen und Körperverletzungen ihrer Kinder soll ein Ehepaar aus Übach-Palenberg für sechs beziehungsweise drei Jahre ins Gefängnis.

Beide Eheleute sind 37 Jahre alt, sollen bei zunehmendem Alkoholkonsum und in einem Klima sexueller Ausschweifungen zu Hause ihre Kinder grausam misshandelt und die älteste Tochter gemeinsam schwerstens missbraucht haben.

Vor der fünften großen Strafkammer sind 17 Fälle angeklagt, vier Taten wurden am Dienstag eingestellt. Die Eltern bestreiten die Vorwürfe insgesamt, räumten bislang nur Bagatelldelikte ein. Die fünf Kinder sind heute im Alter zwischen 17 und neun Jahren, leben seit dem Jahr 2000 von den Eltern getrennt.

Damals, vor den Gewaltakten, zog das Paar von Alsdorf nach Übach-Palenberg, lebte überwiegend von der Sozialhilfe. Der Mann saß ab 1996 wegen eines Raubes in Köln ein, hatte seit früher Jugend erhebliche Alkoholprobleme. Das machte sich für Staatsanwalt Heinz Hubert Werker bei den brutalen Taten drastisch bemerkbar.

Werker schilderte, was den drei Jungen und zwei Mädchen besonders in den für sie unerträglichen Jahren 1999 und 2000 von beiden Eltern angetan wurde. Zwischen den heimischen vier Wänden hätten Mutter und Stiefvater ein „Klima der Gewalt” geschaffen.

Alle fünf Kinder wurden geschlagen, der Haushalt habe sich in einem Zustand des allgemeinen Chaos befunden. Besonders schlimm traf es den damals erst zehnjährigen Jan. Der sei bereits öfter vom Stiefvater gewürgt worden, hatte der Junge vor Gericht erklärt. Über die Kinder wurden Glaubwürdigkeitsgutachten erstellt, die den Wahrheitsgehalt ihrer Zeugenaussagen stützen.

Weil der Zehnjährige wieder einmal bestraft werden sollte, dachte sich Wolfgang D. etwas Bestialisches aus. Der Staatsanwalt: „Nach einem Streit im Beisein der Mutter kündigte der Angeklagte an, Jan ans Kreuz nageln zu wollen.”

Das tat er dann in anderer Form. Mit einem langen Nagel, einem „100er”, soll er die Hand des Jungen zwischen dem 3. und dem 4. Finger auf die Tischplatte festgenagelt haben. Grausam: Die Mutter sei erst eingeschritten, als er zu allerletzt den Nagel auch noch krumm schlagen wollte. Vorher sei der Junge mit einem Watte- und Klebeband-Knebel still gestellt worden.

So kam es immer wieder zu Prügeleien, nach den Einlassungen der Eltern vor Gericht seien das „nur Ohrfeigen” gewesen. Die damals 14-jährige älteste Tochter musste sich sexuelle Übergriffe des Stiefvaters gefallen lassen, die Mutter soll das geduldet haben.

Der Staatsanwalt forderte für ihn sechs Jahre, für die Mutter drei Jahre Haft.

Urteil nächste Woche

Die Verteidigung führte ins Feld, dass die Kinder ihre Eltern deshalb so schwer belasteten, weil sie dem elterlichen Chaos entfliehen wollten, und forderte einen teilweisen Freispruch. Nur bei ihm räumte die Verteidigerin einige Taten ein, die man als „Körperverletzung” werten könne.

Das Urteil ergeht am Montag, 15. Dezember.