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Geilenkirchen: Kabarettist Frank Goosen begeistert das Geilenkirchener Publikum

Geilenkirchen : Kabarettist Frank Goosen begeistert das Geilenkirchener Publikum

Sinnend die Welt erleben und mit dieser kontemplativen Tätigkeit auch seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können — wem dies gelingt, der kann auch mit Geschichten aus der Jugendzeit, verbracht in den Achtzigern in der Bochumer Kneipe Oblomov, einen ganzen Saal unterhalten.

Frank Goosen heißt der Mann, der laut eigenem Bekunden noch keinen einzigen Tag gearbeitet hat. Wer ihm das glaubt, ist natürlich selber schuld, denn lustige Geschichten erzählen, ist sicherlich auch nicht immer so einfach, wie es scheint.

Die Nase lief schon wieder, doch Frank Gossen hatte es sich diesmal, nachdem er den ursprünglichen Termin hatte absagen müssen, nicht nehmen lassen, von Bochum nach Geilenkirchen zu reisen, um auf Einladung der Anton-Heinen-Volkshochschule in der Aula der Realschule von Pommes, Spüli, Mücke, Kathrin, Carola und Frank zu erzählen. Frank Goosen naseputzend zu seinem Geilenkirchener Publikum: „In Neuss hätte ich bestimmt abgesagt.“

Eindeutig zweideutig

Dass Frank Goosen aus Bochum kommt, merkt man nicht nur an der Sprache. Doch diese eigentümliche Herzlichkeit, die der Ruhrpott kultiviert hat, ist schon besonders. Das Besondere drückt sich manchmal auch besonders deutlich aus. Die Geschichte von Mücke, der die Frauen mit eindeutig zweideutigen Geschichten versucht aufzureißen, ist da beispielhaft und lässt sich in Zeitungszeilen leider nicht jugendfrei wiedergeben.

Solche Geschichten können leicht dazu führen, dass nur die Männer im Saal lachen. Doch beim Auftritt in Geilenkirchen lachte der ganze Saal, das muss man können. Ein mitfühlendes „Ooooh“ entsprang gar den Frauenherzen, als Frank Goosen von Kumpel Pommes berichtete, der eigentlich in Kathrin verknallt war, aber nur bis gestern. „La Boum — Die Fete, Teil 1 und 2“, im Doppelpack genossen, hatte das Herz von Pommes in Gestalt von Sophie Marceau gebrochen. Wer da nicht mitfühlen konnte, der hatte gar kein Herz.

Das Geilenkirchener Publikum hatte eines, und erlebte in den Erzählungen von Frank Goosen sicherlich ein Stück der eigenen Geschichte.

„51einhalb Jahre“ ist Frank Goosen alt, wenn man seinen Worten glauben darf. Was er selber zu den Geschichten im Oblomov hinzugedichtet hat, weiß er vielleicht selbst nicht mehr. Dass Mücke, der von der Angeschmachteten nur Demütigungen erhielt und diese mit den Worten deutete „Die will nur nicht zeigen, wie scharf sie auf mich ist“, war irgendwie so nett, dass sich wohl jeder im Saal solche Freunde wünschte.

Unmöglichkeiten des Lebens

Frank Goosen sann seinen Gedanken nach, und mit ihm sann das Publikum über die Schönheit des Lebens und seine Unmöglichkeiten. Eine dieser Unmöglichkeiten, den Brauchwasserbegrenzer, hatte Goosen auf einer öffentlichen Toilette entdeckt. Als Gedankenanstoß reichte dieser Brauchwasserbegrenzer, um einen ganzen „Arbeitstag“ auszufüllen — zumindest bei einem Talent, wie Goosen es besitzt.

Wer so schwer arbeitet, hat Pausen verdient. Nach fünf Minuten Kabarett wäre es an der Zeit gewesen. Frank Goosen: „Ich glaub ich hab schon blaue Finger. Hier ist es ein Bisschen frostig. Wollen wir eine Pause machen?“ Das Publikum wollte nicht. Und dass Frank Goosen tatsächlich noch keinen Tag in seinem „51einhalbjährigen“ Leben gearbeitet hat, glaubte auch keiner, der den langen Büchertisch im Foyer betrachtete.

„Was ist da los“ heißt die aktuelle Leseshow von Frank Goosen. Einen ebenso tiefsinnigen Titel für die nächste Show fand der (Lebens-)Künstler beim Auftritt in Geilenkirchen. Im Dialog mit dem Publikum kam er auf den Arbeitstitel: „War schön“. Da widersprach ihm auch keiner im Publikum.