Geilenkirchen: Kabarett mit Martin Luther: Ablassbriefe für die Gäste

Geilenkirchen: Kabarett mit Martin Luther: Ablassbriefe für die Gäste

Wer im Lutherjahr Martin Luther entgehen will, der muss sich ganz schön sputen oder es einfach genießen: Luther-Bier, Luther-Pralinen, Luther als Playmobilfigur und jetzt auch noch Luther-Kabarett. Letzteres fand statt in der Evangelischen Kirche in Geilenkirchen.

Es traten auf: ein ehemaliger Kirchenangestellter und seine Gattin. Dr. Thomas Kreßner war 31 Jahre lang Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Jülich. Drei Jahrzehnte bei ein und demselben Arbeitgeber hinterlassen natürlich Spuren. Da erfolgte die selbst gewählte Berufung zum Kabarettisten eigentlich so ganz wie von selbst, wie vom Heiligen Geist zu Pfingsten.

Kreßner dankte ganz herzlich seiner Gastgeberin der evangelischen Kirchengemeinde Geilenkirchen in Person von Pfarrerin Anne Lungová für die Einladung, im Kirchenraum Kabarett zu spielen. Kreßner: „Das ist echter Protestantismus.“ In die Reihen blickend, stellte er ganz leise die Frage: „Sind auch Katholiken heute Abend hier?“ Zumindest zeigte niemand bei dieser Frage auf. So richtig wild ging er dann doch nicht auf die Katholiken los, mit denen Luther das ein oder andere Hühnchen rupfte — ist ja schließlich schon 500 Jahre her, dass die Reformation die Welt auf den Kopf stellte. Der Ablassbrief war ein Streitpunkt, den der große Reformator Martin Luther aufs Korn genommen hatte.

Thomas Kreßner schlüpfte noch mal in seinen alten Talar und versuchte sich als Ablassbrief-Verkäufer, diesmal bei den Protestanten. Deren Todsünden kannte er schließlich lange genug aus seinem Berufsleben. An Weihnachten nicht zur Kirche gehen kostete fünf Euro. Das ging ja noch, da hatte man für einen Zehner zwei Jahre Ruhe. Am Kirchentag nicht teilnehmen und ihn vielleicht auch noch doof finden, war Todsünde Nummer zwei, die kostete schon 30 Euro. Dann wurde es kostspielig, das eigene Traubild bei eBay verhökern: 50 Euro, die fein gerahmte Konfirmationsurkunde an den Sperrmüll stellen gar 100 Euro.

Die Ablasskasse war an diesem Abend bis 21 Uhr geöffnet. Zur Kurzweil spielte Pianist und Organist Helmut Kleinbauer bekannte Melodien wie „Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld“ und das schöne Lied „Von draus vom Walde komm ich her“. Letzteres wurde von Martina Kreßner neu vertextet. Martina Kreßner trug auch die schöne Geschichte von der Entstehung der Menschheit vor. So ganz zündete die in der Sprache der Gegenwart übertragene Fassung von Adam und Eva zwar nicht, aber den Zuhörern gefiel das Luther-Kabarett dennoch sehr gut.

Ein herzlicher Applaus entlohnte die drei Akteure. Und auch Martin Luther hätte sicherlich Freude an diesem Abend gehabt. Stammt doch von ihm der Gedanke: Ein Christ soll ein fröhlicher Mensch sein. Denn wo Glaube ist, da ist auch Lachen.

(defi)