Übach-Palenberg: Jugendchor: Die „Kellerasseln“ feiern Wiedersehen

Übach-Palenberg: Jugendchor: Die „Kellerasseln“ feiern Wiedersehen

Alles fing mit einer kleinen, mittlerweile ziemlich vergilbten Papierhülle an. „Jugendchor Übach-Palenberg“ steht darauf. Auf dem am idyllischen Gelände von Schloss Rimburg entstandenen Bild sind junge Menschen zu sehen, die teils mit Vollbart, aber immer mit breiten Hemdkragen, gemusterten Krawatten und teils ziemlich dicken Brillengestellen in die Welt schauen.

„Die habe ich kürzlich beim Aufräumen gefunden“, sagt Paul Josef Gerschel, strahlt, und zeigt auf die Papphülle, die das Cover einer 17 Zentimeter messenden Schallplatte darstellt. „Das kennen die jungen Leute gar nicht mehr, war für uns aber von großer Bedeutung“, erzählt Gerschel. Denn der analoge Tonträger ist Teil der musikalischen Erbschaft des 1970 gegründeten Jugendchores Übach-Palenberg. Aus denen, berichten der damalige Chorleiter Jochen Haupt und der heutige Bürgermeister und damalige Gitarrist der Gruppe, Wolfgang Jungnitsch, wurden dann 1973 die „Kellerasseln“.

Die Kellerasseln in den 1970er-Jahren: auch Paul Josef Gerschel (r.), Chorleiter Jochen Haupt (2.v.r.) und Wolfgang Jungnitsch (rechts mit Gitarre und Bart) zu erkennen. Repro: Markus Bienwald

„Auf den Namen sind wir gekommen, weil unser Proberaum früher unter der Palenberger Kirche war“, lacht Gerschel. Dort seien die possierlichen Insekten auch ab und zu gesichtet worden. Grund genug für die damals rund 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Übach-Palenberg, sich eben nach ihren tierischen „Begleitern“ im Proberaum zu nennen. Von da aus zu den in Vinyl gepressten Liedern war es aber noch ein weiter Weg.

Unterstützung der Stadt

Aus der katholischen Gemeinde St.-Theresia-Palenberg heraus gegründet, kam der Namenszusatz „Übach-Palenberg“ durch die Unterstützung der Stadt hinzu. „Die haben uns Hilfe zugesagt, dafür mussten wir uns allerdings umbenennen“, ergänzt Wolfgang Jungnitsch. Musikalisch, so erklärte der frühere Geschäftsführer der Kellerasseln Paul Josef Gerschel, seien vor allem die Nachbeben der 68er-Bewegung zu spüren. „Wir haben zum Beispiel Gospels und Spirituals gespielt und gesungen“, erzählt er rückblickend. Ein Blick auf die Rückseite der Schallplatte zeigt Titel wie „Oh when the Saints…“ oder „Er hat die ganze Welt“.

Doch nicht nur mit kirchlichen Inhalten wussten die jungen Menschen aus der Stadt mit den zwei Herzen zu begeistern. „Es folgten wunderbare Jahre“, meint Jochen Haupt mit verklärten Augen. Auftritte im Karneval, bei der beliebten „Starparade“ auf der Nato-Airbase in Teveren oder auch ein Gastspiel beim Bundes-Luftwaffenamt in Köln gehörten ebenso dazu wie eine Tour mit Konzerten in Österreich.

Die wie Augäpfel gehüteten Artikel aus unserer Zeitung zeigen beispielsweise Paul Josef Gerschel und Jochen Haupt in jecker Karnevalsmontur mit der Überschrift „Parodisten aus Palenberg groß in Schwung“, eine mit zwei Schilling und 50 Groschen frankierte Postkarte leider unleserlichen Datums von der Tour durch Kärnten mit ausdrücklichen Grüßen an die Leser fand damals auch den Weg ins Blatt. Die Single, damals aufwendig produziert vom Kaufhaus „KaDeCe“, der damaligen Kreissparkasse Geilenkirchen-Heinsberg und der Firma Woeste aus Übach-Palenberg, lag aber eher schwer in den Regalen des Palenberger KaDeCes. „Anfangs kostete sie noch fünf Mark, später fand sie auch für eine Mark kaum Abnehmer“, berichtet Wolfgang Jungnitsch.

Das tat aber weder der Sanges- und Spielfreude einen Abbruch, noch der Kameradschaft, die auch heute noch, 34 Jahre nach dem offiziellen Ende der „Kellerasseln“, zwischen einzelnen Mitgliedern von damals lebendig ist.

Und sicherlich hat der ein oder andere von ihnen auch noch die alte Single irgendwo im Schrank stehen. Sicherlich etwas vergilbt, vielleicht mit einigen Kratzern hier und da, aber es bleibt immer noch ein in 33 und ein Drittel Umdrehungen gepresstes Stück Erinnerung.

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