Geilenkirchen: Jugend jazzt: Max Hagen spielt „grundsätzlich nicht nach Noten“

Geilenkirchen : Jugend jazzt: Max Hagen spielt „grundsätzlich nicht nach Noten“

Sanft schweben die Finger von Max Hagen über die weißen und schwarzen Tasten des Klaviers in der Musikschule Geilenkirchen. Mit geschlossenen Augen schwingt er seinen Oberkörper leicht hin und her — passend zu der Melodie, die durch den Raum hallt.

Seine Lippen sind fest aufeinandergepresst, dann entspannen sie sich, und er zieht die Mundwinkel zu einem Lächeln hoch. „So, das wars — war jetzt wohl ziemlich improvisiert“, sagt er lachend. Seit fast neun Jahren spielt der 14-Jährige Klavier. Und er hat Talent; erst im Januar hat er den dritten Platz bei Jugend jazzt NRW in der städtischen Musikschule in Dortmund gemacht — bereits zum zweiten Mal.

Schlagzeug und Posaune

Der Wettbewerb ist einer von mehreren, die im Rahmen von „Jugend musiziert“ stattfinden. Teilnehmen können Jugendliche bis zum Alter von 25 Jahren. Getragen wird er vom Landesmusikrat NRW, der Musikschule Dortmund und dem Jazzclub „Domicil“.

Bereits vor zwei Jahren nahm Max schon einmal dort teil, mit dem gleichen Ergebnis. Auf die Idee gebracht, sich dort zu bewerben, hat ihn sein Vater. Er schlug ihm vor, es einfach mal zu probieren. Und sein Vater war es auch, der Max — gemeinsam mit dessen Freundin — nach Dortmund begleitete und vor Ort unterstützte. „Das hat mir schon viel bedeutet“, sagt Max.

Das musikalische Talent wurde dem Neuntklässler vom St.-Ursula-Gymnasium bereits in die Wiege gelegt. Seine Mutter spielt Klavier, sein Vater als Musiklehrer direkt mehrere Instrumente. „Und ich kann auch noch Posaune und Schlagzeug spielen. Bei dem Wettbewerb habe ich allerdings am Flügel vorgetragen“, erzählt er.

Zwei Stücke hatte er seit vergangenem Sommer dafür vorbereitet. Das erste heißt „Blue Bossa“, ein Standard Jazz-Werk, und die Komposition des US-Trompeters Kenny Dorham. „Nur die Melodie und Akkordsymbole waren vorgegeben“, erklärt Max. Den Rest habe er improvisieren müssen. Das sei für ihn aber kein Problem gewesen. „Ich spiele grundsätzlich nicht nach Noten“, sagt er, während er auf dem Hocker des Klaviers sitzt und mit seinen Beinen wippt.

Auch das zweite Stück war ein selbst gestaltetes Arrangement: „Oye Como Va“ von Santana. Die Jury wertschätzte seine Interpretation. „Mitmachen kann theoretisch jeder bei dem Wettbewerb, aber es kommen ja nicht viele so weit“, sagt Max, und er setzt direkt lachend hinterher: „Aber das soll jetzt nicht eingebildet klingen.“

Insgesamt traten laut Jury-Mitglied Thomas Haberkamp von der Musikschule Dortmund 50 Jugendliche in der Kategorie Solo an. Das höre sich zwar nicht nach viel an, „aber man muss bedenken: Kaum jemand kann überhaupt improvisieren“, erklärt Max Klavierlehrerin Ekaterina Vorrat. Und das sei die Voraussetzung für die Teilnahme an einem Jazz-Wettbewerb.

Doch Max fällt das spontane Spielen nicht schwer. Denn in seinem Leben dreht sich fast alles um die Musik. Probe er mal nicht allein, sei er in mehreren Gruppen aktiv, erzählt er und beginnt aufzuzählen: in der Band von der Musikschule, der Big Band der Schule, in einem Gospelchor, „und ich habe auch noch eine eigene Band.“ Um immer bestens vorbereitet zu sein, hat er sich zu Hause in Birgden sogar ein Studio eingerichtet mit unterschiedlichen Keyboards.

Auch andere Hobbys

Und was macht er, wenn er mal nicht in die Tasten haut? „Ab und zu fahre ich auch gerne mal Rennrad. Und ich spiele noch Volleyball“, erzählt er. Doch die Musik nimmt mit Abstand den größten Stellenwert in seinem Leben ein. Auch beruflich soll sich später alles darum drehen, wenn es nach Max geht. Musik will er studieren und danach professionell als Keyboarder arbeiten. Aber bis es so weit ist, versucht er sich erst einmal an den nächsten Wettbewerben. „Spätestens dann in zwei Jahren wieder bei Jugend jazzt“, sagt er.