„Jugend debattiert“: Hanna Voßen vom St. Ursula Gymnasium nach Berlin

„Jugend debattiert“ : Geilenkirchenerin fährt zum Finale nach Berlin

„Ich habe Lust in der Debatte meine Position zu vertreten und die Gegenseite zu überzeugen“, sagt Hanna Voßen. Diese Überzeugungskraft und vor allem auch das Talent ihre Argumente in stimmigen Sätzen spontan zu formulieren, haben Hanna Voßen den Weg geebnet zum Bundesfinale „Jugend debattiert“.

Hanna ist 15 Jahre alt und Schülerin der 9b des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula Geilenkirchen. Das Gymnasium nimmt seit drei Jahren am Projekt „Jugend debattiert“ teil. „Jugend debattiert“ ist eine Initiative des Bundespräsidenten, der auch die Schirmherrschaft übernommen hat. Hauptpartner ist die Hertie-Stiftung. Hanna Voßen ist nicht die erste erfolgreiche Debattantin, die das Geilenkirchener Gymnasium ausgebildet hat. 2017 war Andreas Plum ebenfalls bis in die Bundesqualifikation vorgedrungen.

Hanna Voßen hat seit Beginn des Jahres ihre Fähigkeit zu debattieren in mehreren Wettbewerbsstufen unter Beweis gestellt. Zunächst auf Schul- dann auf Regionalebene und schließlich beim Landeswettbewerb war sie erfolgreich gewesen. Sie hatte Regeln und Form einer Debatte immer besser kennengelernt und auch an ihrem Auftritt und dem gezielten Einsatz ihrer Argumente bei vorgegeben Themen gefeilt.

Als Beste hatte Hanna das Landesfinale abgeschlossen. 44500 Schüler von 200 Schulen in NRW hatten sich in diesem Jahr an „Jugend debattiert“ beteiligt. Das Landesfinale hatte im Landtag in Düsseldorf stattgefunden und wurde als Live-Stream übertragen. Zwei Pro- und zwei Kontraredner hatten an Pulten im Planersaal debattiert, dort wo sonst das Landesparlament ähnliches versucht.

Es gehe nicht darum, die andere Seite „platt“ zu machen, meint Hanna. Vielmehr müssten beiden Seiten mit ihren Argumenten zum Zuge kommen. Die Debatte ist klar gegliedert. Es gibt eine zweiminütige Eröffnungsrede und eine ebenso lange Schlussrede. Dazwischen findet die zwöllf-minütige Freie Aussprache statt.

Hannas Finalrundenthema befasste sich mit der Frage, ob Schüler in anderen EU-Staaten zur Schule gehen sollten. Was sie genau vor der großen Kulisse des Landtages gesagt hat, weiß Hanna gar nicht mehr. „Wenn ich zum Glas griff und sah, dass das Wasser im Glas zitterte, wurde mir erst bewusst, dass ich aufgeregt bin.“

Die Aufregung scheint ihrer Debattierlust aber nur gut getan zu haben, denn ihr Wunsch über den Landeswettbewerb die Fahrkarte zur Bundesqualifikation zu lösen, ging in Erfüllung.

Katrin Mader-Bleimann und Anne Ziemons heißen die beiden Lehrerinnen, die Hanna und ihre Mitschüler beim Projekt „Jugend debattiert“ am Bischöflichen Gymnasium begleiten. Überzeugungs- und Gesprächsfähigkeit, Sachkenntnis und Ausdrucksvermögen müssten die debattierenden Schüler entwickeln, sagt  Katrin Mader-Bleimann. Der bundesweite Wettbewerb sei inzwischen etabliert und sehr anspruchsvoll.

Eine fachkundig besetzte Jury wird beim Bundesfinale urteilen. Sandra Maischberger hatte 2018 den Vorsitz der Jury übernommen. Veranstaltungsort wird der Bundesqualifikation wird am 21. Juni in Berlin das Hotel Berlin Alexanderplatz sein.

Hanna bereit sich auf den großen Auftritt bei einem fünftägigen Seminar vor, das derzeit für die jeweils zwei Besten jedes Bundeslandes in der Nähe von Würzburg veranstaltet wird. War die Kulisse im Düsseldorfer Landesparlament „schon extra“, wird es in Berlin sicherlich noch eine Steigerung geben. Wer Hanna im Gespräch erlebt, wird sich aber keine Sorgen machen, dass die 15-Jährige der Herausforderung nicht stand halten wird. Mit Unterstützung ihrer Eltern und natürlich ihrer Lehrinnen („Ohne sie wäre ich nie so weit gekommen“ sagt Hanna) hat die junge Debattantin Selbstbewusstsein und Redegewandtheit entwickelt, wie man sie selten findet. Ihre Argumente fließen unaufdringlich aber präzise. Und sie wird immer besser, je weiter sie ihr Thema entwickelt.

In der laufenden Debatte die eigenen Fäden weiter zu spinnen, ohne den Anschluss an die Beiträge der anderen zu verlieren, verlangt höchste Konzentration. Dabei gelte es, so Hanna, sich nicht an einzelnen Kernpunkten festzubeißen, sondern die Umsetzung und Machbarkeit der vertretenen Standpunkte zu verfolgen. Im Internet hat sie fast alle Debatten ihrer Mitstreiter verfolgt.

Jura möchte Hanna mal studieren. Das Studium würde sich gut eignen als Einstieg in die Politik. Ein Vorbild hat sie, will den Namen des Politikers aber nicht nennen. „Wer weiß, was der in drei Wochen sagt, und ob ich das dann gut finde.“ Aber die Klarheit und Prägnanz dieses Politikers, unabhängig von seiner politischen Ausrichtung, sprechen Hanna an. Vielleicht steht sie in ein paar Jahren dann ja selber am Rednerpult im Bundestag. Den politischen Debatten im Hohen Haus könnte eine Hanna Voßen gut tun.

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