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Geilenkirchen: Jobvermittlung sucht Menschen mit Profil

Geilenkirchen : Jobvermittlung sucht Menschen mit Profil

Bea ist eine flotte Mittdreißigerin. Ohne Nachnamen. In Bluse und Bundfaltenhose.

Wenn ihr Arbeitgeber begegnen, schlüpft sie schnell in ihr Jackett - soll ja schließlich seriös aussehen.

Bea ist die virtuelle Gastgeberin der neuen Internetseite des Arbeitsamtes, die die Besucher durch die Welt der Stellenangebote, Bewerbungen und Arbeitsmarktes führt.

„Es gab einige Kinderkrankheiten, aber das ist jetzt vorbei”, beschreibt der Experte für den virtuellen Arbeitsmarkt (VAM) vom Arbeitsamt Geilenkirchen, Kurt Rieder, die Startschwierigkeiten, die durch die Presse gingen. Innerhalb von einer Woche hätten die Webseite auch zehn Millionen Zugriffe zu verkraften gehabt.

Schulung

Rieder ist dafür verantwortlich, Mitarbeiter wie auch Arbeitgeber und Arbeitssuchende zu schulen. Nebenbei ist er auch noch als Berufsberater für Jugendliche tätig. In der Geilenkirchener Realschule etwa hat er wiederum fünf weitere Experten ausgebildet, die wiederum ihr Wissen nun an ihre Schulkameraden weitergeben.

Die neue Seite „war und ist nötig” aus der Sicht des Diplom-Verwaltungswirt, „das ist unser Beitrag”, ansonsten hätte man nichts bewegen können. „Uns ist sehr wohl klar, dass wir damit nicht das Problem der Arbeitslosigkeit lösen, aber wir schaffen größerer Transparenz und schnellere Vermittlung.”

„Allerdings”, so gesteht der Experte ein, „ist das System eher etwas für pfiffige Leute.” Menschen, die bis dato wenig oder gar keine Interneterfahrungen haben, werden mit dem Umgang einige Schwierigkeiten haben.

„Aber dafür sind wir ja schließlich noch da und leisten Hilfe.” Und doch soll die neue Internetpräsenz eine Entlastung der Arbeitsvermittler bringen.

Denn, nicht mehr wie vorher, läuft nicht alles über das Arbeitsamt. Stellungssuchende oder Stellenanbieter können direkt mit einem potenziellen Kandidaten in Kontakt treten - ohne den Umweg über das Arbeitsamt.

Hilfreich dabei, wenn auch kein absolutes Muss, ist das Profiling. Das heißt, dass ein Arbeitsloser sein Profil eingibt: seine Vorstellungen, seine Wünsche, seine Konditionen, seine Eigenschaften, seinen Charakter.

Je weniger er von sich preisgibt, desto ungenauer die Ergebnisse bei der Suche. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, völlig anonym oder verdeckt zu suchen.

Diese Variante ist besonders interessant für Arbeitnehmer, die sich in einem festen Arbeitsverhältnis befinden und - aus welchen Gründen auch immer - sich nach einer Alternative umschauen möchten.

Arbeitslosigkeit zu vermeiden, ist das Hauptanliegen des Projektes, und zwar bevor Arbeitslosigkeit überhaupt entsteht. Dabei sollen beide Parteien den Markt hautnah spüren und kennen lernen, also eine aktive Beteiligung.

Natürlich ist das mit ein wenig Aufwand verbunden: das Bewerbungsangebot sowie das Stellenangebot wollen gepflegt werden. „Der Berufsberater als geheimnisvollen Stellenzuschicker tritt in den Hintergrund, der Berater in den Vordergrund”, umreißt Kurt Rieder sein verändertes Aufgabengebiet.

Das Arbeitsamt geht davon aus, dass Kapazitäten frei werden: „Wir werden uns dann um weniger Leute sehr viel intensiver kümmern können”, sieht der Berufsberater einen weiteren Vorteil für die persönliche Arbeit, die im Moment nichts anderes als eine „Massenabfertigung” sei.

n Geilenkirchen stehen vier Kunden-PCs zur Verfügung, mit denen man sich auf die Suche in der virtuellen Welt begeben kann. Wer nicht weiter weiß oder alles oder eine Führerin braucht, fragt eben Bea.

Wer keine eigene E-Mail-Adresse besitzt, bekommt über die neue Internetseite ein Postfach.

Eine weitere Neuerung ist der so genannte Matching-Prozess - ein Prinzip, das gegeneinander abwägt. Früher konnte man nur nach Berufen oder Stellen suchen.

Mittels eines intelligenten Suchsystems wirft der Computer jetzt auch ähnliche Stellenangebote oder ähnliche Berufe heraus. Der Rechner vergleicht alle Daten nach dem Profiling.

Auf diese Weise wird der eine Arbeitgeber feststellen, dass eine Frau viel besser seinen Anforderungen entspricht, obwohl er eigentlich mit einem Mann die Stelle besetzen wollte. Oder eine Arbeitssuchende, die sich als Bürokauffrau bewerben möchte, stellt fest, dass der Job als Anwaltsgehilfin optimal auf sie zugeschnitten ist.

Ohne Anmeldung und ohne Registrierung können sich Interessenten auf dem virtuellen Arbeitsmarkt umschauen.

Nicht nur die freien Stellen des Arbeitsamtes sind erfasst, sondern auch die der großen anderen Jobbörsen, jeweils mit einem Link versehen.