Geilenkirchen: Janusz-Korczak-Schule: Blick in die Geschichte

Geilenkirchen: Janusz-Korczak-Schule: Blick in die Geschichte

Die Janusz-Korczak-Förderschule in Hünshoven solle verkauft werden, hieß es im September letzten Jahres seitens der Stadt Geilenkirchen. Aufgrund der Neustrukturierung der Förderschulen werde sie spätestens ab Sommer 2019 nicht mehr benötigt.

„Im November wurde das Grundstück mit dem darauf befindlichen, als Denkmal eingetragenen Gebäude öffentlich angeboten“, schildert Markus Mönter, Technischer Beigeordneter, das Vorgehen und weist darauf hin, dass sich noch in dieser Woche der Stadtentwicklungsausschuss damit beschäftige. Danach werde die Stadt, falls die Politiker zustimmen, Vertragsverhandlungen mit dem infrage kommenden Bieter führen. Hierbei werde nicht nur die preisliche Höhe des Gebotes berücksichtigt, auch der zukünftige Verwendungszweck spiele eine Rolle.

Blick in die Geschichte: Die Janusz-Korczak-Förderschule in Hünshoven soll verkauft werden. Archivarin Annemarie Veckes arbeitet die Geschichte der Schule auf. Im Bild zeigt sie das Original „Beschlussbuch des Kuratoriums der Höheren Schule zu Hünshoven“. Foto: Renate Kolodzey

Die Vorgängerin dieser Schule stand ursprünglich neben der Hünshovener Kirche. Schon 1845 überlegte die Geilenkirchener Gemeinde die Einrichtung einer lateinisch-französischen Schule. Im September 1930 schließlich wurde die Janusz-Korczak-Schule als Neubau der „Höheren Knabenschule“ eingeweiht. Janusz-Korczak, nach dem das Lehrinstitut viele Jahre später benannt wurde, war ein polnischer Arzt und Pädagoge, der Kinder so sehr liebte, dass er die Kinder seines Waisenhauses, als sie in ein Vernichtungslager deportiert wurden, dorthin begleitete und selbst ums Leben kam.

Das Beschlussbuch des Kuratoriums mit transkribierter Version sowie dem Bericht über eine Gemeinderats-Sitzung von 1845. Foto: Renate Kolodzey

In der überaus wechselvollen Geschichte der Janusz-Korczak-Schule kennt sich wohl kaum jemand so gut aus wie Annemarie Veckes-Plum. Die quirlige 86-Jährige verbrachte ab 1946 in der Hildegard-Schule, die im Gebäude der späteren Janusz-Korczak-Schule untergebracht war, vier Jahre ihrer Schulzeit, ehe sie 1950 zum Gymnasium St. Ursula wechselte und dort ihr Abitur bestand. Ihr Elternhaus stand genau gegenüber der heutigen Geilenkirchener Zeitung; seit vielen Jahren lebt sie in Lindern.

Veckes beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte ihrer Heimatstadt. Seit 1999 ist sie Mitglied des Immendorfer Vereins „Historisches Klassenzimmer“ und dessen Archivarin. Zudem schneidet sie Tag für Tag sämtliche Zeitungsartikel über Geilenkirchen und dessen Ortsteile aus, auch Familienanzeigen, und archiviert sie.

Die dreifache Mutter und inzwischen stolze Oma von vier Enkeln und sechs Urenkeln hatte vor einiger Zeit ein ganz besonderes Dokument in die Hände bekommen: Das Original des „Beschlussbuchs des Kuratoriums der höheren Schule zu Hünshoven“ vom 2. August 1915 bis 18. Janauar 1933. Hier sind alle Gemeinderats-Sitzungen aufgezeichnet, die sich mit der Entstehung und Fortführung der heutigen Janusz-Korczak-Schule befassten.

Sütterlin im Unterricht gelernt

Eine besondere Schwierigkeit hat dieses Schriftstück allerdings — es ist komplett in „Sütterlin“ geschrieben. Zum Glück beherrscht Annemarie Veckes diese altdeutsche Schrift: „Ich habe Sütterlin im Schönschreib-Unterricht gelernt und kann es noch recht gut lesen und schreiben“, freut sie sich. Mutig machte sie sich an die Transkription des Buches in unsere heutige lateinische Schrift. Dies war kein leichtes Unterfangen und dauerte anderthalb Jahre, in denen sie den Text zunächst handschriftlich transkribierte und später fein säuberlich abtippte. „Nur einige Wörter bereiteten Schwierigkeiten“ gibt sie zu, doch diese habe sie mit ihrer Schwester Grete Esser-Plum (91) besprochen und so die Bedeutung herausgefunden.

Leider sind im Buch die Seiten nach 1933 alle herausgerissen. „Das waren wahrscheinlich die interessantesten!“, meint Veckes. Der Gemeinderat bestand aus rund zehn Personen, erklärt sie, die sich ein- bis zweimal pro Monat trafen. Mit einem Augenzwinkern merkt sie an, dass sie sich laut Aufzeichnungen nicht stritten, sondern diskutierten. „Nach der Beschlussfassung, die Schule zu bauen, erfolgte die Umsetzung bereits nach zwei Jahren“, schildert sie den Ablauf.

Es seien neben Themen, die das Schulgebäude betrafen, auch solche dokumentiert, die Schulgeld-Ermäßigung, Einstellung und Verdienst der Lehrer sowie den Hausmeister betrafen. „Das Original des Buches ist in einer verschlossenen Vitrine im Historischen Klassenzimmer ausgestellt“, erklärt die Archivarin, „auf Nachfrage kann es genau wie die transkribierte Version gerne angesehen werden.“

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