Geilenkirchen: Insolvenz bei Zentec ist offiziell: Krise trotz bester Auftragslage

Geilenkirchen: Insolvenz bei Zentec ist offiziell: Krise trotz bester Auftragslage

Bis Ende vergangener Woche war es nur eine Vermutung, nun ist es offiziell: Das Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der Firma Zentec ist am vergangenen Freitag, 9. März, vom Amtsgericht Aachen angeordnet worden.

Bei aller Sorge um ihre Zukunft dürfte diese Nachricht bei der Zentec-Belegschaft doch ein leichtes Aufatmen hervorgerufen haben, zumindest kurzfristig. Denn für manche geht es um die blanke Existenz: Wie mehrere Mitarbeiter der Firma Zentec Automotive in Geilenkirchen unserer Zeitung berichtet hatten, waren die Löhne für Februar und teilweise auch für Januar nicht gezahlt worden.

Die Mitarbeiter bekommen nun von der Agentur für Arbeit Insolvenzgeld. Dies ist eine Zahlung, mit der die ausstehenden Gehälter beglichen werden. Es wird über den Zeitraum von drei Monaten gewährt, auch rückwirkend. Auch die ausstehenden Sozialleistungen werden von der Agentur für Arbeit ausgeglichen, hierzu muss die jeweilige Krankenkasse einen Antrag stellen.

Anzeigen von Mitarbeitern

Darüber, ob es auch die Krankenkasse war, die den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Aachen gestellt hat, oder ob es ein anderer Gläubiger der Firma Zentec war, etwa das zuständige Finanzamt in Geilenkirchen, gab es im Amtsgericht gestern keine Auskunft. Als wahrscheinlich kann jedoch gelten, dass beide Gläubiger die notwendigen Schritte in die Wege geleitet haben. Hinzu kommen mindestens zwei Anzeigen von Zentec-Mitarbeitern bei der Staatsanwaltschaft wegen Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt.

Fakt ist, dass das Amtsgericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt hat: Rechtsanwalt Dr. Mark Boddenberg aus Düren. Boddenberg und seine Kollegen aus der Kanzlei „Dr. Ringstmeier & Kollegen“ gelten als Spezialisten für Insolvenzverfahren.

„Ich bin am Freitag Mittag bestellt worden und seitdem vor Ort“, sagt Boddenberg auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich habe mir in den drei Tagen bereits ein gutes Bild von der Situation des Unternehmens machen können und bin sehr optimistisch.“ Nun ist Optimismus wohl eine Eigenschaft, die grundsätzlich jeder Insolvenzverwalter mitbringen sollte, allerdings scheint er im Falle von Zentec auch begründet zu sein. Boddenberg: „Das Unternehmen ist voll betriebsfähig. Die Auftragslage ist sehr gut, und das Geschäft kann uneingeschränkt weitergeführt werden.“

Warum ein Unternehmen mit bester Auftragslage in eine solche Krise gerät, lässt sich derzeit nur mutmaßen, Fehler des Managements liegen nahe. Rechtsanwalt Boddenberg gestern: „Geben sie mir ein bisschen Zeit. Dann kann ich mehr sagen. Fakt ist, das Unternehmen ist in einen Lieferrückstand geraten. Darum werde ich mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern Zusatzschichten und Wochenendarbeit vereinbaren, damit die Aufträge abgearbeitet werden können.“ Dass ihm dies gelingen wird, auch da ist Boddenberg optimistisch: „Die Mitarbeiter sind froh, dass etwas passiert. In Gesprächen wurde dies deutlich.“

Dass er damit richtig liegt, zeigte sich nach der Betriebsversammlung am Montag: „Es ist gut, dass sich was tut. Ich arbeite gerne hier. Und wir alle hoffen, dass eine Lösung gefunden wird. Warum wir kein Geld bekommen haben, verstehen wir allerdings nicht“, sagte eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden will. Arbeit gebe es genug, und daran habe es auch nie gemangelt. Sie und die anderen Mitarbeiter wären bereit, Überstunden zu machen und hofften nun auf die Übernahme der Firma durch einen Investor.

Das Ziel, einen Investor oder Mitbewerber zu finden, der das Unternehmen weiterführt, hat auch Boddenberg. Derzeit ist er mit einem Team von Spezialisten vor Ort, analysiert und optimiert die Abläufe.

„Es gibt bereits zwei Kaufinteressenten“, sagt er, „und ich bin mir sicher, dass noch weitere folgen werden. Ich lasse mich nicht hetzen. Es gilt, für das Unternehmen den besten Preis zu erzielen und den Käufer mit dem besten Konzept zu finden.“

Bei der Abwicklung von Zentec hilft Boddenberg sicherlich seine Erfahrung mit Insolvenzverfahren im Automotive-Bereich. Vor neun Jahren war er an der Abwicklung der Firma „Tedrive“ in Düren beauftragt, die von einem amerikanischen Investor aufgekauft worden war. Aus Tedrive wurde Neapco. Als Insolvenzverwalter ist Dr. Mark Boddenberg ermächtigt, sämtliche Bankguthaben und Forderungen der Zentec-Geschäftsführerin Andrea Lengeling einzuziehen und eingehende Gelder entgegenzunehmen.

Die Geschäftsführerin selbst war gestern zu keiner Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung bereit. Martina Weber, Gewerkschafterin der IG Metall in Aachen und schon seit Längerem in die Gespräche mit Mitarbeitern von Zentec und Andrea Lengeling involviert, hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit Erleichterung aufgenommen.

„Ich bin beruhigt, dass die Leute endlich ihr Geld bekommen.“ Nach den Verzögerungen und nicht eingehaltenen Versprechen der Geschäftsführerin in der Vergangenheit hätten die Mitarbeiter nun endlich wieder ein wenig Sicherheit. „Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Grundsätzlich ist das Unternehmen Zentec durchaus attraktiv. Und schlimmer als jetzt kann es nicht mehr werden.“