Ausgefallene Sportarten: Indiaca: Das Spiel mit dem großen Federball

Ausgefallene Sportarten : Indiaca: Das Spiel mit dem großen Federball

„Super Wurf! Perfektes Spiel“, ruft Übungsleiter Kalle Kalmring lobend seinen Schützlingen zu, die in der Turnhalle der Grundschule Immendorf wie jeden Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr „Indiaca“ trainieren. Fetzige Musik aus Rock und Pop im Hintergrund vergrößert dabei noch den Spaß.

Die sogenannte „Indiaca“, die sich beide Teams zuwerfen, ist ein Spielgerät, das einem überdimensionierten Federball gleicht, bestehend aus einem acht Zentimeter großen, gelben Schlagpolster und vier roten Putenfedern, die mit einem Verbindungsstück oberhalb befestigt sind.

„Das leicht zu erlernende Spiel aus Südamerika ähnelt dem Volleyball mit einem Netz zwischen beiden Mannschaften“, erklärt der Trainer. Ziel sei es, die Indiaca auf dem gegnerischen Feld mit Bodenkontakt zu platzieren. Gespielt werden dürfe nur mit den Händen. Mit offener Handfläche versuche man, das Polster schlagend zu treffen, um es mit möglichst viel Schwung weiter zu befördern.

Das Spiel beginne mit dem Aufschlag, fährt Kalmring fort, und das gegnerische Team müsse versuchen, die Indiaca abzuwehren, indem es den Aufschlag annehme. Im hinteren Bereich stehen zwei „Rückraumspieler“, die versuchen, die Indiaca an den „Stellspieler“, rechts am Netz stehend, weiterzuleiten. Dieser bereite sodann den Angriff vor, indem er zwei „Angreifer“, die am Netz in der Mitte und links stehen, bediene.

Einer der Angreifer versuche nun, die Indiaca mit einem Schmetterlingsball über das Netz ins gegnerische Feld zu schießen. Habe die Indiaca allerdings Körperkontakt, außer im Bereich der Hand bis zum Ellbogen, sei dies ein Punkt für die gegnerische Mannschaft. Ebenso, wenn sie außerhalb des Spielfelds lande oder das Netz berühre.

Spielerin Désirée zeigt, dass Frauenpower bei „Indiaca“ stets ein Gewinn ist. Foto: Renate Kolodzey

„Der Unterschied zum Volleyball ist auch, dass es bei Indiaca pro Mannschaft fünf statt sechs Spieler gibt und das Spielfeld etwas kleiner ist als beim Volleyball“, weiß der Übungsleiter.

2010 hatte Kalle Kalmring (63), der eigentlich „Reinhard“ heißt, aber von allen „Kalle“ genannt wird, und beruflich als Zollbeamter in Heinsberg tätig ist, die Idee, eine gemischte Indiaca-Sportgruppe mit Männern und Frauen beim FC Rhenania Immendorf zu gründen. Gedacht, getan: Er machte den Übungsleiterschein und rief die Gruppe ins Leben.

Zu den Turnieren müssten die Mannschaften nach Düsseldorf oder Kamen fahren, erzählt der Übungsleiter, und dort habe er Bundestrainer Danny Thiele kennengelernt, der bereits als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. Netterweise habe dieser sich bereit erklärt, in Immendorf Kurzlehrgänge durchzuführen – bisher schon fünfmal. „Jogi Löw würde das sicher nicht machen“, schmunzelt „Kalle“.

„Insgesamt haben wir schon 20 Turniere gespielt und zwei davon gewonnen“, freut sich der Trainer weiter.

Mittlerweile bestehe das Team bereits aus 25 Spielern, darunter seit Kurzem auch Jugendliche, der jüngste sei 14 Jahre. Es sei jedoch ein Sport für alle Altersklassen, betont Kalmring. Teils seien sogar Großvater, Vater und Sohn dabei, der älteste Spieler sei 71 Jahre.

Die derzeit fünf Jugendlichen hätten ein eigenes Team und seien von Bundestrainer Thiele auf ihr erstes Turnier vorbereitet worden, verrät „Kalle“. „Sie spielen erst seit einem Jahr zusammen und haben beim Turnier gleich den zweiten Platz belegt“, meldet er stolz.

Weitere Neuzugänge, gerne auch Mädchen, seien herzlich willkommen. Der Trainer würde sich zudem freuen, für die Jugendlichen eine frühere Trainingszeit zu finden, doch vorher sei die Turnhalle leider belegt.

Restlos begeistert meint Niklas Jastrinski (14 Jahre) aus Palenberg: „Das Spiel ist toll! Ich bin mit Klassenkameraden hier, und es macht Riesenspaß.“ Gründungsmitglied Ralf Freka aus Immendorf hebt zudem nach dem Training die herausragende Kameradschaft zwischen Jung und Alt hervor. „Wir feiern auch Geburtstage, Weihnachten und andere Ereignisse zusammen und haben ein Superteam“, erzählt der 57-Jährige. Mehr Infos zum Sport und dem Verein unter www.rhenania-immendorf.de