In Geilenkirchen-Hünshoven entsteht ein neues Quartier

Die Quartiersarbeit geht weiter : In Hünshoven sollen bald Grenzen fallen

Melanie Hafers-Weinberg ist eine Frau, die auf die Menschen zugeht und mit ihnen schnell ins Gespräch kommt. Um als Quartiersmanagerin erfolgreich zu arbeiten, muss sie besonders kontaktfreudig sein.

Dass sie für mehr Gemeinschaft im Ort und gute Nachbarschaft sorgen kann, hat sie in Bauchem gezeigt: Im Jahre 2015, als sie ihre Arbeit aufnahm, herrschte in dem Geilenkirchener Stadtteil, in dem 3000 Menschen leben, nach dem verheerenden Feuer im alten Schwimmbad ein trostloser Zustand:

Keine sozialen Kontakte

Die Vereine standen nach dem Brand ohne Versammlungsraum da, der Abriss der sanierungsbedürftigen Kirche  und des Pfarrheims war beschlossene Sache, ein Bildungs- und Kulturangebot fehlte, viele Bauchemer vermissten soziale Kontakte. Deshalb bewarb sich die Stadt Geilenkirchen beim nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium für den Ausbau eines Quartiers um finanzielle Förderung. In der Franziskusheim gGmbH fand die Stadt einen Projektpartner, der Melanie Hafers-Weinberg freistellte. Melanie Hafers-Weinberg schaffte es dann  in wenigen Jahren, gute Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe in Bauchem zu initiieren. Sie sorgte im Ort für Gemeinschaft und Angebote. Bis es so weit war, musste die Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen viele Klinken putzen.

Ein Blick auf Alt-Hünshoven: Die Steigung sorgt dafür, dass sich viele ältere Menschen von der Stadt abgeschnitten fühlen. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Das tut sie derzeit auch in Hünshoven: Hoch oben im Glockenturm von St. Johann hat sie ein weiteres Büro bezogen, von der Tagespflege aus soll hier ein weiteres Quartier entstehen. Ursprünglich  war das Projekt Quartiersentwicklung bis Februar 2018 befristet. Zumindest wurde es solange vom Land gefördert. Die Verantwortlichen in Verwaltung, Stadtrat und Franziskusheim hatten allerdings erkannt, wie bedeutsam Quartiersarbeit sein kann. Hatten sich während der Projektphase die Franhziskusheim gGmbH und das Land die Kosten geteilt, sprang nach Auslaufen der Landesförderung die Stadt in die Bresche und übernimmt seitdem die Hälfte der Kosten.

„In Bauchem ist nachbarschaftliche Gemeinschaft entstanden. Die Institutionen, Vereine und Organisationen haben sich vernetzt. Viele kleine Projekte sind entstanden und haben sich weiterentwickelt“, zieht Hafers-Weinberg Bilanz. Auch wenn sie in Bauchem die Arbeit fortführt, ist sie darüber hinaus in Hünshoven unterwegs. Jeden zweiten  Dienstag im Monat lädt Quartiersentwicklerin Melanie Hafers-Weinberg von 18 Uhr bis 19.30 Uhr zum Bürgergespräch in die Tagespflege Hünshoven, Hermann-Josef-Straße 20, ein. Bei den Terminen möchte sie erfahren, welche Erwartungen und Ideen die Bürger hinsichtlich der Quartiersentwicklung in Hünshoven haben. Gemeinsam sollen Ideen und Anregungen benannt werden, um diese weiterzuentwickeln und auszubauen.

Offener Treff geplant

Das Flussviertel wird ständig erweitert: Die hier lebenden Bürger suchen den Anschluss an ihre Nachbarn in Alt-Hünshoven. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Im vergangenen Jahr hat Hafers-Weinberg mit den  Vorbereitungen begonnen und sich mit dem Ort vertraut gemacht. Auf der Straße hat sie sich den Menschen vorgestellt und ist mit ihnen ins Gespräch gekommen. Vertreter von Schützen, Frauengemeinschaft, Hünshovener Chor und der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden haben kürzlich an einer ersten Info-Veranstaltung teilgenommen. In den Gesprächen mit den Bürgern hat Hafers-Weinberg festgestellt, dass sich viele von Geilenkirchen abgeschnitten fühlen, obwohl der Ortsteil nicht weit vom Stadtkern  entfernt liegt.

„Die Steigung vor den Bahnschranken ist erheblich. Besonders für alte Menschen, Menschen mit Behinderung oder Menschen, die unter Luftnot leiden, ist es ein beschwerlicher Weg in die Stadt“, sagt die Quartiersentwicklerin. „Deshalb brauchen sie im Ort einen Treffpunkt.“ Künftig will sie gemeinsam mit den Bürgern Angebote entwickeln, ab 17 Uhr stehen ihr die Räume der Tagespflege an St. Johann zur Verfügung. Samstags möchte sie nach der Messe ab 18 Uhr einen offenen Treff bei Schnittchen und einem Glas Bier anbieten. Ein Arbeitskreis für die Organisation hat sich bereits gegründet.

„Viele Hünshovener bedauern, dass die Nachbarschaft im Ort auf Grenzen stößt“, sagt die Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen mit Blick auf Alt-Hünshoven und das Flussviertel. „Im Flussviertel wohnen mittlerweile die jungen Alten, und die suchen den Anschluss an Alt-Hünshoven.“ Dieses Baugebiet wird derzeit wieder erweitert, so dass hier bald viele Neubürger einziehen werden. „Große Themen sind in diesem Quartier die Nahversorgung und Infrastruktur. Aber dazu müssen auch die Politik und die Verwaltung mit an den Tisch.“

Ein drittes Büro hat Melanie Hafers-Weinberg im Pflegeberatungsbüro in der  Herzog-Wilhelm-Straße 1 bezogen. Hier ist sie dienstags von 8 bis 17 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr Ansprechpartnerin. Denn ein drittes Quartier soll im Stadtkern entstehen.

Hier allerdings haben die Menschen ganz andere Bedarfe als die Geilenkirchener in den Stadtteilen. „Im Stadtkern wird die Jugend das große Thema sein“, blickt Hafers-Weinberg nach vorne.

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