Robustere Baumarten für die Zukunft: In diesem Jahr wird es knapp mit dem Saatgut

Robustere Baumarten für die Zukunft : In diesem Jahr wird es knapp mit dem Saatgut

Dass es dem Wald im nördlichen und südlichen Selfkant Revier momentan nicht gut geht, zeigten die Förster Wolfgang von der Heiden und Claus Gingter vergangene Woche im Gespräch mit unserer Zeitung eindrucksvoll: Die Fichte werde zum Beispiel in den nächsten zwei bis drei Jahren in der Region aussterben. Also brauche es robustere Baumarten, die die Lücken in Zukunft füllen.

Lücken, die für die Baumschulen, laut Förster von der Heiden, eine Herausforderung werden könnten. Denn die Nachfrage sei so groß, dass es in den nächsten Jahren zu Engpässen bei der Pflanzenbelieferung kommen könnte. Die Baumschulen seien auf die 115.000 Hektar Kahlfläche in Deutschland nicht genügend vorbereitet, ihnen fehle teilweise die Fläche, die Samen und die Zeit, genügend Pflanzen großzuziehen.

Bertram Leder, Leiter des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberg, hält mit seinem Team die Entwicklungen in den Wäldern NRWs im Blick und gibt Anbau- und Pflegeempfehlungen. Die Knappheit der Baumarten müsse differenziert betrachtet werden, sagt Leder. So sei das vergangene Jahr zum Beispiel bei den Mischbaumarten ein sehr ertragreiches gewesen: Allein von der Stieleiche wurden 80 Tonnen Zapfen gesammelt, bei der Douglasie waren es 15 Tonnen und die Buche gab in NRW zehn Tonnen Zapfen ab. Hier hätten die warmen Temperaturen das Wachstum der Früchte beflügelt. Die Eiche komme beispielsweise mit ihren Wurzeln auch in eine Tiefe von drei bis vier Metern und leide nicht so schnell unter Wasserknappheit wie die Fichte.

Eine ertragreiche Ernte sei für dieses Jahr allerdings nicht zu erwarten. Zum einen sei es völlig normal, dass die Bäume nicht jedes Jahr Früchte ausbilden würden – ein normaler Zyklus liege zum Beispiel bei sechs bis acht Jahren -, zum anderen stelle aber auch die Hitze ein Problem für Pflanzen mit flacheren Wurzelsystemen dar. Zurzeit gebe es noch Saatgut-Vorräte, auf die zurückgegriffen werden könne. Etwa 30 Kilo Saat der Douglasie liege noch bereit. Nadelholz habe den Vorteil, dass deren Samen bis zu zwanzig Jahre gelagert werden könnten, ohne ihre Fruchtbarkeit zu verlieren.

Um sich dem veränderten Klima besser anpassen zu können und sich den neuen Herausforderungen in Sachen Pflanzenanbau stellen zu können, gebe es seit einiger Zeit gute Kontakte nach Kroatien. Denn es sei wichtig, nicht nur heimische Baumarten anzupflanzen, sondern auch heimische Baumarten fremdländischer Herkunft. So wächst die slawische Eiche mittlerweile auf einer neuentstandenen Samenplantage in Kroatien – Samen- und Pflanzenimporte gehören also nicht nur mit Blick auf die Zukunft dazu.

Ein weiterer Schritt ist die Empfehlung an die Waldbesitzer, Vorwälder anzulegen. Das bedeutet, dass bei Pflanzenknappheit vorerst Bäume wie Birken angepflanzt werden können, die über die nächsten zehn Jahre einen „lockeren Schirm“ bilden, unter dem dann wieder aufgeforstet werden kann. Leder legt allen Waldbesitzern ans Herz, keine Reinbestände mehr anzupflanzen. Falls eine Baumart ausfalle, wäre dann nicht direkt der ganze Wald kahl.

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