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Nabu Gangelt: Immer im Einsatz für das Wohl der Kopfweiden

Nabu Gangelt : Immer im Einsatz für das Wohl der Kopfweiden

Es fing an mit elf geretteten Bäumen, heute werden über 800 Kopfweiden am Rodebach gepflegt und geschnitten. Der Nabu startet am 8. Oktober wieder seinen Einsatz. Warum auch ein toter Baum noch einen Beitrag für das Leben leistet? Der Nabu klärt auf.

In den frühen 80er Jahren waren es Franz Oschmann und Willi Schürgers, die im Rahmen von Dorfverschönerungsmaßnahmen in Mindergangelt ins Protokoll schrieben, dass ihr kleiner Dorfverschönerungsverein „elf Kopfweiden gerettet“ habe. Gerettet hieß in dem Zusammenhang, dass sie kurz vor dem Auseinanderbrechen der Bäume das ausladende Kopfholz geschnitten und den Bäumen eine Zukunft gegeben haben. Dass die Bäume auch abgestorben noch lange für Leben gesorgt hätten, war natürlich auch damals schon bekannt, aber man wollte den kleinen Weiler an der niederländischen Grenze eben hübsch für die damals modernen Dorf-Wettbewerbe haben. Der Verein entwickelte sich, und schnell stand die Ökologie vor den Silber- und Goldmedaillen. Rund 70 Weiden wurden von der Gruppe im Laufe der Zeit gesetzt.

Wann die Arbeit der Kopfweidenpflege dann offiziell vom Naturschutzbund (Nabu) übernommen wurde, weiß auch Thomas Henkens, der 2. Vorsitzende der Ortsgruppe, nicht mehr. Als er 1994 zum Nabu stieß, nahm die Arbeit an über 800 Bäumen im Rodebachtal schon breiten Raum ein. „Mein erster Einsatz war an der Dahlmühle“, erinnert er sich. Damals brachte man noch die eigene Kettensäge mit, bevor der Nabu welche anschaffen konnte. Dann wurden Motorsägenschulungen Pflicht. „Da war es dann vorbei mit dem Schnäpschen während der Arbeit in der kalten Jahreszeit“, lacht der 57-jährige Henkens heute über eine von vielen Veränderungen in all den Jahren.

Woran sich nichts änderte, war der Pflegeaufwand. Kletterten Schürgers und Oschmann noch mit Leitern in die Bäume, brachte der Nabu-Vorsitzende Hardy Tholen einen selbst gebauten Korb mit, der an den Frontlader kam und mit dem ein Mann rund um die Schnittstellen der Kopfweide platziert werden konnte. „2006 hab ich die Arbeit in dem Korb übernommen“, erinnert er sich, hat aber mit Joris Philippen auch schon einen Nachfolger gefunden.

 Kopfweiden in der Kunst: Unser Fotograf Karl-Heinz Hamacher hat mit einer speziellen Beleuchtungstechnik in der Nacht gearbeitet.
Kopfweiden in der Kunst: Unser Fotograf Karl-Heinz Hamacher hat mit einer speziellen Beleuchtungstechnik in der Nacht gearbeitet. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Helfer für die vielen ehrenamtlichen Aktionen zu finden, ist sicher nicht nur beim Nabu ein Problem. Henkens geht hier mit Psychologie zu Werke. 30 bis 40 potenzielle Helfer bekommen ein E-Mail. Wer sich nicht anmeldet oder nicht antwortet, wird angerufen. „Eine Mail nicht zu beantworten, ist einfach, am Telefon abzusagen fällt schwerer!“ Meist kommen 15 bis 18 Leute, „ein eingespieltes Team“, wie Sonderschullehrer Thomas Henkens das nennt. Gearbeitet wird von 9 bis maximal 13 Uhr.

Es liegt am Standort der Bäume, am Wachstum der Äste, am Wetter und einigen anderen Faktoren, wie viele Weiden geschneitelt werden. „Schneiteln“, so nennt der Fachmann das Stutzen der Äste. Einige wenige Bäume stehen aber so ungünstig, dass sie nur unter optimalen Wetterbedingungen erreicht werden können. Ist das über Jahre nicht möglich, brechen die Bäume ob der Last der Krone auseinander. Aber auch dann ist ihre Zeit (Weiden können je nach Bedingung bis zu 100 Jahre alt werden) nicht zu Ende. Schon lange vorher sind Insekten in die weich werdenden Bereiche eingezogen. Erste kleine Löcher bilden sich. Kohl-, Sumpf- und Blaumeise sind typische Gäste. Mäuse und Fledermäuse ziehen ein. Das Lockersediment, Mulm heißt das, wird mehr und mehr, die Höhlen größer. „Wir haben schon Wald- und Steinkauz gesehen, seltene Siebenschläfer oder Haselmäuse“, freut sich Thomas Henkens über diesen Aspekt der Pflege.

 Beim Schneiteln muss eine bestimmte Schnitttechnik angewandt werden.
Beim Schneiteln muss eine bestimmte Schnitttechnik angewandt werden. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Da der Nabu in diesem Jahr nicht in der Gemeinde Selfkant – Thomas Henkens lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung der Verwaltungen und Bauhöfe in Gangelt und Selfkant – tätig sein wird, werden alle zehn Termine in Gangelt absolviert. „Wir werden an der Etzenrather Mühle starten und uns Baum für Baum vorarbeiten“, blickt Henkens mit viel Optimismus auf die erste Aktion am 8. Oktober.

Wenn Leute durch das Unterholz krabbeln, hinter die Bäume blicken, in der Böschung des Rodebaches arbeiten und in Bereiche kommen, die sonst kein Mensch betritt, dann muss man natürlich fragen, ob da nicht außergewöhnliche, seltene und spannende Sachen gefunden werden. „Nein“, antwortet Henkens, „was wir finden ist Müll, Müll, Müll!“