Übach-Palenberg: Im Schulausschuss klirrt das Porzellan

Übach-Palenberg : Im Schulausschuss klirrt das Porzellan

Es trug sich in einer fünfminütigen Sitzungspause zu, dass die Presse einen Einblick in Übach-Palenberger Ratsdiplomatie erhielt. Das Zwiegespräch zwischen Schulausschussvorsitzendem Dr. Sascha Derichs (SPD) und Fraktionsvorsitzendem der CDU, Gerhard Gudduschat, dauerte keine zehn Sekunden und spielte sich unmittelbar vor den Presseplätzen im Ratssaal ab.

„Ist das echt ein Problem, wenn wir bis zur Ratssitzung warten?“, fragte Derichs. „Ja!“, gab Gudduschat zurück. „Wieso?“, fragte Derichs. „Weil wir das heute so entscheiden wollen“, sagte Gudduschat. Derichs zog sich zornig zurück.

Im Schulausschuss ging es um die Verwendung der Fördermittel aus dem Programm „Gute Schule 2020“. Die Verwaltung hatte eine Aufstellung vorgelegt, wie die ersten 600.000 Euro verwendet werden sollen, und an die Ratsleute appelliert, eine schnelle Entscheidung zu treffen.

Die SPD dagegen fand, dass man auch noch bis zur Ratssitzung in zwei Wochen warten könne. Wie der oben wiedergegebene Dialog schon andeutet, kam die Koalition aus CDU und FDP-USPD nach der kurzen Beratungspause dem Drängen der Verwaltung nach. „Wir müssen voran machen!“, sagte Gudduschat.

An der Verwendung der Fördermittel hatte sich in den vergangenen Monaten ein handfester Streit zwischen Stadtverwaltung und sämtlichen Schulleitern Übach-Palenbergs entzündet, der in der Schulausschusssitzung Ende Mai öffentlich geworden war.

Da allerdings ging es längst nicht mehr nur um die Fördermittel, sondern sogar um die Zukunft des Schulstandorts. „Bringen Sie alle Schulen in Ordnung, sonst werden Sie sie schließen müssen“, hatte der Leiter des Gymnasiums, Dr. Hans Münstermann, damals stellvertretend für alle Schulleiter gefordert.

In der Sitzung am Donnerstag wies die Stadt die damals geäußerte Kritik in weiten Teilen zurück. Achim Vogelheim, als Fachbereichsleiter Hoch- und Tiefbau zuständig für die Instandhaltung der Schulen, versuchte gar nicht erst zu verhehlen, dass ihn die Anwürfe getroffen hatten. Unter anderem legte er nun dar, dass ihm viele der konkret angesprochenen Mängel an den Schulgebäuden bis zu jener Sitzung gar nicht gemeldet worden seien.

Der Ton am Donnerstag fiel von beiden Seiten teils überaus scharf aus. „Sie können von mir aus annehmen, dass wir alle vertrottelt und inkompetent sind“, ließ Hans Münstermann Verwaltung und CDU wissen und appellierte, nichtsdestoweniger eine „Entscheidung mit Sinn und Verstand“ zu treffen.

Damit meinte er, dass die Verwaltung selbst im Mai angedeutet hatte, dass mittelfristig womöglich nicht alle Schulen erhalten werden können. „Wieso soll man Geld in eine Hütte stecken und dann hinterher sagen, die reißen wir jetzt weg?“, fragte Münstermann. Auch erinnerte er daran, dass die Fördergelder nicht etwa hinfällig werden, wenn sie nicht sofort beantragt werden.

(jpm)
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