Geilenkirchen-Immendorf: Im kleinen Supermarkt klingelt die Kasse

Geilenkirchen-Immendorf: Im kleinen Supermarkt klingelt die Kasse

Es ist an diesem Nachmittag ein Kommen und Gehen in dem kleinen Verbrauchermarkt in Immendorf. Sergej Zimmer, der im November vergangenen Jahres unternehmerischen Mut bewiesen und das Geschäft in der ehemaligen Schlecker-Filiale eröffnet hat, freut sich Tag für Tag über mittlerweile mehr als 100 Kunden.

Während der ehemals aus Russland stammende Spätaussiedler von anfänglichen Schwierigkeiten nach der Eröffnung berichtet und sich jetzt über einen Aufwärtstrend freut, sitzt Tochter Ilona an der Kasse. Sie hat einiges zu tun. Doch meist sind es kleine Beträge, die sie kassiert.

Seit Jahren steht der ehemalige Schlecker-Markt in Teveren leer. Für Sergej Zimmer ist aber derzeit noch das unternehmerische Risiko zu groß, um hier ein zweites Geschäft einzurichten.

Ein junger Mann hat gerade ein Fläschchen Cola und eine kleine Wasserflasche aufs Band gelegt, eine Kundin bezahlt die beiden Flaschen Ketchup, die sie kaufen möchte. Die Kassiererin nimmt die Münzen in Empfang.„Aber manche Kunden machen auch größere Einkäufe und geben 60 Euro aus“, sagt die 38-Jährige. Auf jeden Fall wirft das Geschäft heute so viel Gewinn ab, dass sie und eine weitere Angestellte ein festes Gehalt beziehen.

„Und auch ich verdiene mit dem Geschäft ein bisschen Geld. Mal sind es 300 Euro, mal 700 Euro und auch schon mal 2000 Euro, die übrig bleiben“, sagt Sergej Zimmer. Sogar aus Hünshoven kommen die Kunden, weil sie auf dem Weg zu seinem Geschäft in Immendorf keinen Bahnübergang queren müssen. Doch in dem Verbrauchermarkt sieht er nur eine zusätzliche Einnahmequelle. Ein regelmäßiges Gehalt bezieht er durch seinen Job in einem Recycling-Betrieb für Elektronik.

Dass der Laden nun läuft, freut besonders den Immendorfer Ortsvorsteher Friedhelm Thelen. Jahre stand die ehemalige Schlecker-Filiale an der Dürener Straße leer. Die Nahversorgung in der Drei-Dörfergemeinschaft Immendorf, Apweiler, Waurichen war lange Zeit nicht mehr gewährleistet. Dabei kennt Thelen, seit 1984 Ortsvorsteher, noch die guten Zeiten.

„Da gab es einen Rewe-Markt mit zwei bis drei Mitarbeitern, eine Metzgerei, eine Bäckerei, ein Textilwarengeschäft, vier Gaststätten in Immendorf und zwei Kneipen in Waurichen“, schwelgt er in Erinnerungen. Doch die Zeiten änderten sich: Nach Rewe kam Schlecker, nach Schlecker kam jahrelang nichts.

Der Ortsvorsteher suchte nach einer Lösung. Doch die großen Konzerne winkten ab. „Die Verkaufsfläche von 180 Quadratmetern war ihnen zu wenig, sie gründen heute nur noch große Märkte“, sagt Thelen, der die Probleme in den Dörfern aufgrund des demografischen Wandels nur zu genau kennt.

Waren am 1. Januar 2008 in Geilenkirchen 1240 Einwohner zwischen 60 und 65 Jahre alt, so werden es laut Modellrechnung von IT. NRW 2020 bereits 2070 und im Jahr 2030 2470 Menschen sein. Der Anteil der über 65-Jährigen steigt von 4650 im Jahre 2008 auf 5600 im Jahr 2020 und gar auf 7390 im Jahr 2030. Die Verantwortlichen im Rathaus und die Ortsvorsteher stehen nun vor dem Problem, den älteren Menschen in ihrem Umfeld den Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs zu ermöglichen.

Friedhelm Thelen muss sich da derzeit keine Sorgen machen. Neben dem Supermarkt von Sergej Zimmer gibt es eine Bäckerei, ein Landcafé, eine Gaststätte und das Textilwarengeschäft. Und wem das Fleischangebot von Zimmer nicht reicht, bedient sich im Metzgerwagen, der einmal in der Woche die Dreidörfergemeinschaft ansteuert. Es sind nicht nur die Geschäfte, über die sich die Menschen in der Dreidörfergemeinschaft freuen.

Ein praktischer Arzt und Internist, ein Zahnarzt, ein Physiotherapeut, ein Nagelstudio, ein Kosmetikstudio, Kindergarten und Schule und zwei Geldinstitute versorgen die rund 2300 Einwohner vor Ort in den drei Dörfern. „Dass hier die Grundversorgung noch gewährleistet wird, hat sich rumgesprochen. Deshalb ist die Nachfrage nach Baugrundstücken groß. Wir brauchen ein neues Baugebiet“, sagt Thelen nicht ohne Stolz. Allerdings warnt Thelen davor, in jedem Ort solch einen Verbrauchermarkt ansiedeln zu wollen. „Die Geschäfte müssen ein ausreichenden Einzugsgebiet haben, damit sie überleben können.

Die Bevölkerungszahl in dem Gebiet muss groß genug sein, damit der Bestand eines Marktes gesichert ist.“ Thelen denkt deshalb an die Bildung von Quartieren. So sieht er in den Dörfern Immendorf, Waurichen, Apweiler und Prummern ein Quartier, in dem die Menschen versorgt werden, ein zweites in der Region Lindern, ein drittes in den Dörfern Teveren, Gillrath und Grotenrath.

Nachdem nun der Markt in Immendorf Gewinn abwirft, hat Zimmer zeitweise mit dem Gedanken gespielt, ein zweites Geschäft zu eröffnen. Dabei hatte er die ehemalige Schlecker-Filiale in Teveren im Blick. Hier könnte er mit seinen Waren die Menschen aus Teveren, Grotenrath und Gillrath versorgen. Doch derzeit ist ihm das unternehmerische Risiko zu groß.

„In Teveren müsste ich rund 40 000 Euro investieren. Und da ich so viel Geld nicht habe, müsste ich diesen Betrag finanzieren, aber dieses Risiko bin ich schon in Immendorf eingegangen“, sagt er. Auch mit der Lage des Ladenlokals kann er sich nicht richtig anfreunden. Ihm fehlen ausreichende Parkmöglichkeiten. Und auch die Stufen, die zum Verkaufsraum führen, sind ihm ein Dorn im Auge.

Dazu erklärt Teverens Ortsvorsteher Hans Josef Paulus: „Um eine Verbesserung der Versorgung im ländlichen Bereich zu fördern, sollten finanzielle Anreize für die Nahversorgung geschaffen werden. Es sind Anreize oder Fördermaßnahmen zum Erhalt des stationären Einzelhandels und der ländlichen Gastronomie erforderlich.“