Geilenkirchen: Im Geilenkirchener Rathaus rumort es gewaltig

Geilenkirchen: Im Geilenkirchener Rathaus rumort es gewaltig

In der Geilenkirchener Stadtverwaltung rumort es ganz gewaltig. Bereits in seiner Haushaltsrede hatte der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Benden, den Finger in die Wunde gelegt: „Oft, sehr oft, weiß die erste Etage nicht, was die zweite gerade macht, und die geheimnisvollen Aktivitäten der zweiten Etage dringen dann natürlich nicht bis zur dritten oder vierten Etage durch.“

Und in Richtung Bürgermeister Georg Schmitz hatte er gesagt: „Dabei müssten Sie der starke Mann sein.“ Und auch auf den Technischen Beigeordneten Markus Mönter hatte Benden eingedroschen: In dessen Zuständigkeitsbereich habe sich schon seit einiger Zeit eine Eigendynamik entwickelt, die oft unabgesprochen mit der Politik und anderen Fachämtern ablaufe. Das war im Dezember.

Bürgermeister Georg Schmitz (rechts) möchte, dass Gort Houben das Amt Stadtbetrieb übernimmt.

Jetzt, vier Monate später, scheint Schmitz im Rathaus aufräumen zu wollen. In der öffentlichen Ratssitzung am Mittwochabend kündigte er einen weiteren Punkt für den nicht-öffentlichen Teil dieser Sitzung an: „Umstrukturierung der Verwaltung.“

Wie nach der Sitzung verlautete, soll Andreas Eickhoff, Leiter des Amtes Stadtbetrieb und in dieser Funktion zuständig für Bauhofangelegenheiten, Gebäudemanagement und Grünflächen, von dieser Aufgabe entbunden werden. Neuer Leiter dieses Amtes soll Gort Houben, derzeit noch Leiter des Amtes für Bildung und Wirtschaft, werden. Die bisher im Amt für Bildung und Wirtschaft angesiedelte Wirtschaftsförderung soll Houben mit ins Amt Stadtbetrieb nehmen.

Die Fragen sind nun, wer dann neuer Chef im Amt für Bildung und Wirtschaft wird und welche Position Eickhoff übernehmen wird. Eickhoff selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bürgermeister Georg Schmitz, den wir in dieser Angelegenheit um Stellungnahme gebeten hatten, gab selbst keine Auskunft dazu. Eine von ihm beauftragte Verwaltungsmitarbeiterin, die hier keinesfalls zitiert werden will und die ihren Namen keinesfalls in der Zeitung lesen möchte, erklärte, es sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen. Zunächst müsse der Personalrat beteiligt werden. Der Personalrat werde sich am Montag damit beschäftigen.

Wie jetzt weiter verlautete, soll Georg Schmitz noch weitergehende Pläne gehabt haben. Da allerdings hatte ihm die Politik einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Das bisher von Eickhoff geführte Amt Stadtbetrieb gehört ebenso wie das Amt für Stadtplanung, Umwelt, Bauordnung und Hochamt, das Bauverwaltungs- und Tiefbauamt und die Stabsstelle Klimaschutzmanager zum Dezernat II, das vom Technischen Beigeordneten Markus Mönter geführt wird. Eigentlich soll Schmitz geplant haben, das Amt Stadtbetrieb aus dem Dezernat II herauszulösen und seinem eigenen Verantwortungsbereich zuzuordnen. Als Bürgermeister leitet er das Dezernat I mit Hauptamt, Kämmerei, Personalrat, Rechnungsprüfungsamt und Stadtkasse.

Während der Stadtrat bei Personalentscheidungen kein Mitspracherecht hat und diese alleine in die Zuständigkeit des Bürgermeisters fallen, muss er bei einem neuen Zuschnitt der Dezernate zustimmen.

Vor der entscheidenden Sitzung haben die Fraktionen Schmitz klar zu verstehen geben, dass sie einen Neuzuschnitt der Dezernate und damit einer erheblichen Verkleinerung des Dezernates von Markus Mönter nicht zustimmen werden. Deshalb hatte Schmitz es wohl am Mittwochabend in nicht-öffentlicher Sitzung erst gar nicht zur Abstimmung kommen lassen.

Seine Beweggründe für die personellen Entscheidungen werden in einem mit dem 6. April datierten Schreiben an die Ratsmitglieder erläutert.

In dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt und nicht von ihm selbst, sondern im Auftrag von Georg Schmitz von Verwaltungsmitarbeiterin Tina Beckers-Offermanns unterzeichnet wurde, heißt es mit Blick auf Andreas Eickhoff: „In den letzten Monaten haben sich diverse Unstimmigkeiten und Differenzen in der Zusammenarbeit mit der Amtsleitung des Amtes ergeben.

Da der Service des Amtes zum größten Teil unmittelbare Außenwirkung für die Geilenkirchener Bevölkerung entfaltet — hier insbesondere in den Bereichen Kindergärten, Schulen, auf den Straßen und Grünflächen — sah der Bürgermeister aufgrund des gestörten Vertrauensverhältnisses Handlungsbedarf.“ Warum das Vertrauensverhältnis gestört sein soll, bleibt völlig offen und soll auch in nicht-öffentlicher Ratssitzung nicht zur Sprache gekommen sein.

Schmitz will Einfluss nehmen

„Der Bürgermeister traut dem bisherigen Leiter die Führung und Leitung dieses sehr großen Amtes nicht mehr zu. Vor diesem Hintergrund leitete er die Umsetzung des bisherigen Amtsleiters Herrn Eickhoff in ein anderes Aufgabengebiet ein.“ Als neuer Amtsleiter solle Gort Houben eingesetzt werden.

Nach Gesprächen mit Houben habe sich abgezeichnet, dass eine Angliederung des Amtes Stadtbetrieb an das Dezernat des Bürgermeisters sinnvoll erscheine, um seitens des Bürgermeisters direkt Einfluss nehmen zu können. Rücksprachen mit dem Technischen Beigeordneten Mönter hätten aufgezeigt, dass die Abstimmung mit dem neuen Amtsleiter über den Beigeordneten hinweg erschwert würde.

Beckers-Offermanns betont im Auftrag von Schmitz, dass durch die Umverteilung des Amtes nicht die Leitungsfunktion des Beigeordneten in Frage gestellt werde, „vielmehr wurde bereits in der Stellenausschreibung darauf hingewiesen, dass die Geschäftskreiseinteilung im Ermessen des Bürgermeisters bzw. des Rates liegt“.

Technischer Beigeordneter Markus Mönter wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung dazu nicht äußern.