Honorarkonsulin der Französischen Republik in Geilenkirchen

Städtepartnerschaft : „Europaaktive Kommune“ ist das Ziel

Zunächst soll die gut funktionierende Städtepartnerschaft mit Quimperlé weiter vertieft werden. Das Interesse an der französischen Sprache und die Liebe zu Frankreich soll bei der Jugend geweckt werden.

Eines haben Dr. Angelika Ivens, Leiterin des Deutsch-Französischen Kulturinstituts in Aachen und Honorarkonsulin der Französischen Republik, Willy Davids, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Geilenkirchen-Quimperlé, Professor Dr. Gerd Wassenberg, Vorsitzender der Europa Union Geilenkirchen, und Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz gemeinsam: die Liebe zu Frankreich! Und sie haben ein gemeinsames Ziel: Die ohnehin schon guten Beziehungen zu Frankreich und besonders zur Partnerstadt Quimperlé in der Bretagne weiter zu intensivieren.

„Die Partnerschaft mit Quimperlé pflegen wir nun seit 53 Jahren. Damit haben wir eine der ältesten Partnerschaften Deutschlands“, sagt Bürgermeister Georg Schmitz sichtlich stolz. Dass diese vielfach ausgezeichnete enge Partnerschaft auch nach mehr als fünf Jahrzehnten noch intensiv gelebt wird, betont Willy Davids: „Es gibt immer noch 150 Begegnungen im Jahr auf offizieller und privater Ebene.“

Schulen ins Boot holen

Viele Freundschaften wurden geknüpft, beispielweise unter den Landwirten und unter den Feuerwehrleuten. Die Freunde von Quimperlé in Niederheid und die Roten Funken aus Würm sind ebenfalls gern gesehene Gäste im 965 Kilometer entfernten Quimperlé.

Als besonders aktiv in der Jugendarbeit und in der Begegnung von Jugendlichen über Grenzen hinweg lobt Davids besonders den FC Germania Bauchem, der den Jugendaustausch über den Fußballsport hinaus fördert. Auch fünf deutsch-französische Ehen sind aus der Städtepartnerschaft hervorgegangen. Willy Davids selbst besucht sechs- bis achtmal im Jahr Quimperlé. Er hat viele Freunde in der Partnerstadt, verabredet sich mit Bürgermeister Mickael Quernez zum Kaffee und trifft auch in der Bretagne auf Geilenkirchener.

Doch auch wenn die Partnerschaft heute intensiv gelebt wird, ist den Verantwortlichen klar, dass man ständig neu daran arbeiten muss, um auch nachfolgende Generationen für die deutsch-französische Freundschaft zu begeistern.

Sicherlich greift die Honorarkonsulin bei einem Besuch im Geilenkirchener  Rathaus gerne zum Füller, um sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen. Ein viel wichtigeres Anliegen ist ihr aber die Diskussion über die Frage, wie man in Geilenkirchen die französische Sprache fördern kann, wie man noch mehr Schulen ins Boot holen kann, wie man Partnerschaft und Freundschaft auch künftig sichern kann. Willy Davids kann zu dem Punkt mitteilen, dass die Städtische Realschule Geilenkirchen ihre Partnerschaft mit dem College Jules Ferry in Quimperlé erneuern möchte. Er hofft, dass es im nächsten Schuljahr zu einer neuen Begegnung kommen wird.

Die Konsulin wirbt in der Städteregion Aachen und in den Kreisen Heinsberg, Düren und Euskirchen für Frankreich. Der Kreis Heinsberg liegt ihr, wie sie sagt, besonders am Herzen. In Birgden wurde sie geboren, in Gillrath ist sie aufgewachsen, ihre Abiturprüfung hat sie am St.-Ursula-Gymnasium abgelegt. Gerade den jungen Menschen will sie hier verdeutlichen, wie wichtig das Erlernen von Fremdsprachen ist.

„Fremdsprachen sind nicht nur für Studenten, sondern auch für Auszubildende wichtig. Auch sie können für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen“, sagt die promovierte Literaturwissenschaftlerin, die an der RWTH Aachen zehn Jahre lang französische und italienische Literatur unterrichtet hat, bevor sie an der Industrie- und Handelskammer Aachen im Arbeitsschwerpunkt Ausbildung tätig war.

Was sie bei ihrem Besuch in Geilenkirchen bedauert, ist das schwindende Interesse bei Jugendlichen an der anderen Sprache. „Da müssen wir gegensteuern“, fordert sie und hofft, durch Sprachkurse in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und durch eine Ausweitung des Programms des deutsch-französischen Kulturinstituts auf Geilenkirchen das Interesse wieder steigern zu können.

Sie macht darauf aufmerksam, dass das Deutsch-Französische Kulturinstitut in Aachen eines von drei Prüfungszentren in Nordrhein-Westfalen ist, das Sprachzertifikate vergibt.

Gerd Wassenberg lobt den kürzlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatschef Emmanuel Macon 56 Jahre nach Unterzeichnung des Elysée-Vertrags als neuen Freundschaftspakt unterschriebenen Aachen-Vertrag. „Der Aachen-Vertrag ist eine gute Grundlage, die jetzt weiter vertieft werden muss. Dieser Vertrag muss jetzt auf andere Staaten ausstrahlen. Zwar braucht man Leader-Staaten, aber in anderen Staaten entstehen Ängste.“

Diesen Gedanken greift Georg Schmitz gerne auf: „Wir haben als internationale Stadt viel zu bieten. Im Freshman-Institute sind mehr als 300 Studierende aus über 30 Ländern, am Awacs-Verband sind 16 Nationen beteiligt, das Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr hat Lehrgangsteilnehmer aus 30 bis 40 Staaten“, sagt der Bürgermeister, der eine weitere Auszeichnung Geilenkirchens anstrebt: Er hofft, in Zukunft eine Bewerbung für die Auszeichnung „Europaaktive Kommune“ abgeben zu können, mit der die NRW-Landesregierung besondere Ideen zu europapolitischen Themen, EU-Projekten  und internationaler Zusammenarbeit auszeichnet.

Über dieses Bemühen freut sich auch Angelika Ivens: „Die deutsch-französische Freundschaft ist keine exclusive Partnerschaft. Sie ist aber ein wichtiger Baustein für die europäische Zusammenarbeit.“

Gerd Wassenberg würde gerne einen weiteren Baustein für das Haus Europa setzen: „Wenn wir einen Platz in Geilenkirchen Europa-Platz benennen würden“, wäre das eine schöne Sache. Aber das wäre natürlich eine politische Entscheidung.“

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