Hoher Druck nach Brief an die Mitglieder

Von: Wilfried Rhein
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Geilenkirchen. Zwei Briefe an die Mitglieder haben die lokale Organisation der Europa Union Deutschland (EUD) erheblich unter Druck gesetzt.

Vor allem der Vorsitzende der Geilenkirchener Europa Union, Professor Dr. Gerd Wassenberg, wird durch verschiedene Vorwürfe belastet. Im Kern geht es um den internen Umgang mit der Geschäftsführung des Vereins sowie um die Aufwendungen für Studienreisen des Stadtverbands bis hin zum Vorwurf einer „verschleppten Insolvenz”, wie es in dem Brief heißt, der unserer Redaktion vorliegt.

Beschwerdeführer sind die ehemalige Geschäftsführerin Monika de Hesselle und der frühere Reisebeauftragte, Reinhold Becker. Beide hätten ihre Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte aus ihrer Zeit als Amtsträger den Mitgliedern gerne in einer Hauptversammlung vorgestellt. Doch sollte dieses Mitgliedertreffen - wie in einer Übersicht vom Vorstand notiert - am 29. Mai stattfinden, wären beide Briefautoren verhindert.

Dieses Datum, so Monika de Hesselle, sei allein vom Vorsitzenden und nicht zusammen mit allen Vorstandsmitgliedern festgesetzt worden. Ihre Abwesenheit am Versammlungstermin habe Gerd Wassenberg folglich „billigend in Kauf genommen”. Die rund 260 Angehörigen der Geilenkirchener EUD erfahren aus ihrem zweiseitigen Brief, dass der Verein derzeit keine Kassenprüfer hat; beide Amtsinhaber seien zwischen 2010 und 2011 zurückgetreten. Zudem behauptet Monika de Hesselle, dass der am 30. März 2011 vorgelegte Kassenbericht nicht den Tatsachen entspreche. So schrieb sie am 5. Oktober 2011 auch dem EUD-Landesverband, ihrer Meinung nach befinde sich die Europa Union Geilenkirchen in einer verschleppten Insolvenz.

Die Vereinskonten sollen demnach mit einem Betrag von „mehreren Tausend Euro” im Minus gestanden haben, als ihr der Vorsitzende am 8. Dezember 2011 die Verfügungsrechte über die Bankverbindungen wegnahm. Am Tag vor Heiligabend habe sie nicht an einer Vorstandssitzung teilnehmen können; bei diesem Treffen habe ihr Professor Wassenberg die Geschäftsführung „entzogen”, ist Monika de Hesselle über die Eigenmächtigkeit verwundert. Am 9. Januar 2012 sei ihr schließlich mitgeteilt worden, der Vorsitzende selbst werde nun die Geschäftsführung übernehmen. „Ein Protokoll darüber oder eine Begründung habe ich bis heute nicht erhalten”, beklagt Monika de Hesselle, die von der Hauptversammlung am 17. November 2010 ins Amt gewählt worden war.

Mit weiteren Details möchte die Geilenkirchenerin nicht an die Öffentlichkeit, „aus einer gewissen Verantwortung”, wie sie auf Anfrage dieser Zeitung sagt. Gespannt ist Monika de Hesselle, wie der Vorstand des Landesverbands auf diese Informationen reagiert. Denn auch der zweite Beschwerdeführer aus der EUD Geilenkirchen, Reinhold Becker, hat seine Vorwürfe zusammengefasst. Der hauptberufliche Organisator für Gruppenreisen hatte das ihm angetragene Amt ebenfalls anlässlich der Hauptversammlung im Jahr 2010 übernommen, in der Annahme, „dass ich es mit einem seriösen Verein zu tun habe”.

Stattdessen sei er gezwungen worden, die angebotenen Reisen teurer anzubieten als dies nötig gewesen wäre. Beispiel: Eine Romreise hätte pro Person für 800 Euro realisiert werden können, Reinhold Becker sollte 930 Euro fordern. Aus dem Überschuss würden „ausstehende Verbindlichkeiten des Stadtverbandes abgegolten”, habe es als Begründung geheißen.

Das Kontingent sollte 35 Teilnehmer stark sein. Reinhold Becker: „Am Ende waren es 23. Die übrigen Flugtickets musste ich über das Internet verkaufen, um den Schaden einzugrenzen.” Der Kaufmann blieb letztlich auf rund 300 Euro Schadenssumme sitzen, „bei keiner Reise wurde die erforderliche Mindestteilnehmerzahl erreicht.” Selbst nicht bei einer Elsass-Studienfahrt, die Reinhold Becker allerdings mit branchenüblichen Preisen kalkuliert und die Vorgaben des Vorstands außer Acht gelassen hatte. In diesem Fall jedoch sei es dem Reisekaufmann gelungen, das fehlende Kontingent mit eigener „Stammkundschaft” weitgehend kostendeckend aufzufüllen.

Den „Dank des Vorstands und der Mitglieder des Stadtverbandes” bekam Reinhold Becker am 9. Januar 2012 schriftlich, wie er zitiert. Vorsitzender Gerd Wassenberg habe aber auch noch anderes darin geschrieben: „Grund für die Beendigung unserer Zusammenarbeit ist, dass die durchgeführten Reisen nicht das Zusammenleben in der Gemeinschaft unseres Stadtverbands [...] gefördert und stimuliert haben.”

Die EUD mit rund 17.000 Mitgliedern nennt sich „größte Bürgerinitiative für Europa in Deutschland” und arbeitet parteiübergreifend an der europäischen Einigung. Den Stadtverband Geilenkirchen zu einen, versucht der Landesverband in Dortmund, der für den Abend des 16. Mai die streitenden Parteien zu einem Gespräch eingeladen hat. Landes-Geschäftsführer ist Dr. Pantaleon Giakoumis, der auf Anfrage den Termin bestätigt, aber keine Bewertung der Vorwürfe in Geilenkirchen abgeben möchte. Nur so viel: „Da gibt es Konflikte, und manches gefällt uns gar nicht.” Aber auch wenn Meinungsunterschiede vorhanden wären, behalte der Geilenkirchener Stadtverband seine Selbstständigkeit. Geprüft werde, ob er gegen Verbandsinteressen verstoße.

Zwei Wochen Ladungsfrist

Könnte das hinter den Vorwürfen stecken? Der kritisierte Vorsitzende Gerd Wassenberg, Wirtschafts-Professor an der Fachhochschule in Gelsenkirchen, reagierte auf Anfrage dieser Zeitung mit zwei Sätzen: „Alle technischen Abläufe liegen in der Hand eines Rechtsanwalts. Alles andere, was gesagt werden muss, wird von mir zur Hauptversammlung am 29. Mai gesagt.”

Zum Mitgliedertreffen an diesem Dienstag muss nach Satzung des Stadtverbands eine Ladungsfrist mit Tagesordnung von 14 Tagen eingehalten werden. Der Vorstand steht nun auch unter zeitlichem Druck.
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