Konzert zu Mittfasten: Höchst respektable Leistung statt musikalischer Schonkonst

Konzert zu Mittfasten : Höchst respektable Leistung statt musikalischer Schonkonst

Fast komplett a capella präsentierte der Kirchenchor St. Katharina Immendorf ein durchaus lohnenswertes Mittfasten-Konzert. Die Sängerinnen und Sänger zeigten eine hochklassige Leistung.

Zu einem „Mittfasten-Konzert“ hatte kürzlich der Kirchenchor St. Katharina Immendorf in die St.-Peter-und Pauls-Kirche eingeladen. Dies war natürlich kein dezenter Hinweis auf musikalische Schonkost, sondern spielte auf den vierten Fastensonntag an, der nach seinem lateinischen Eingangs-Vers auch „Sonntag Laetare“ genannt wird. Seine Texte weisen schon auf das nahende Osterfest hin – das Programm des Konzertes war jedoch thematisch hauptsächlich auf die Karwoche ausgerichtet.

Das trat auch sogleich mit dem einleitenden Taizé-Gesang „Bleibet hier und wachet mit mir“ zutage, der die Zuhörer in die düstere Stimmung des Gartens Gethsemane am Ölberg versetzte, wo Jesus die letzten Stunden vor seiner Verhaftung zubrachte. Passend dazu wurden von einem Chormitglied meditative Texte zur Passion gesprochen. Nach dem Gesang „Der Abend kommt“ von Vaughan Williams folgte die „Missa Lumen“ von Lorenz Maierhofer, deren fünf Sätze ebenfalls von geistlichen Texten zur Fastenzeit eingerahmt wurde. Bei der Messe handelt es sich um ein neuzeitliches Werk, das durchaus auch Elemente von Jazz- und Pop-Rhythmik einbezieht, dessen Harmonik jedoch in gemäßigt modernem Gewand erscheint. Hierbei war der Chor besonders gefordert und meisterte alle Schwierigkeiten auf souveräne Weise. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass fast alle Stücke an diesem Abend „a capella“, also ohne Instrumentalbegleitung gesungen wurden. Schon das stellte eine höchst respektable Leistung dar – davon sollten sich andere Chöre in der Region, die hauptsächlich mit musikalischer Untermalung singen, eine Scheibe abschneiden.

Auch das Publikum wurde gelegentlich mit ins Geschehen einbezogen: Beim Gemeindelied „Aus der Tiefe rufe ich zu dir“ wurden die Besucher zum Mitsingen aufgefordert. Ein gelungener Einfall war es auch, die Kirchenbänke teilweise mit violetten Stoffbahnen zu überdecken – denn Violett ist die liturgische Farbe der Fastenzeit. Mit dem Gründonnerstags-Gesang „Ubi caritas et amor“ von Audrey Snyder und der Motette „Locus iste“ von Anton Bruckner nahm das Programm seinen Fortgang. Gerade bei dem letzteren Stück zeigte sich besonders die sorgfältige Arbeit des Dirigenten Alois Endres, denn die romantische Harmonik mit ihren chromatischen Rückungen erfordert schon ein gutes Gehör und hohe Treffsicherheit. Danach wurde nochmals der Gesang „Bleibet hier und wachet mit mir“ aufgegriffen, diesmal aber mit dem Gebet „Müde bin ich, geh´ zur Ruh“ stimmungsvoll verwoben. Den Schlusspunkt setzte dann der lateinische Hymnus „Te lucis ante terminum“ von Thomas Gabriel, der als einziges Stück des Abends vom Keyboard begleitet wurde.

Am Ende des Konzertes nahm Pfarrer Norbert Kaluza die Segnung des Fastenbrotes vor und würdigte besonders die Arbeit des Chorleiters Alois Endres, der schon seit zwanzig Jahren am Dirigentenpult steht und dem es in dieser Zeit gelungen sei, „den Chor zu einer Familie zusammenzuschweißen“.

Danach konnte sich der Chor dem hochverdienten Beifall stellen, und zum Ausklang wurde bei einem Umtrunk das Fastenbrot an alle Besucher verteilt.

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