Geilenkirchen: Hochsaison für Einbrecher: Sicherheitsgefühl bei Opfern ist zerstört

Geilenkirchen: Hochsaison für Einbrecher: Sicherheitsgefühl bei Opfern ist zerstört

In der dunklen Jahreszeit haben Einbrecher Hochsaison. Das belegen auch die Zahlen der Polizeistatistik. In Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt gab es im vergangenen Jahr im Zeitraum von April bis September 51 Wohnungseinbrüche, wie die Kreispolizeibehörde Heinsberg auf Nachfrage mitteilt.

111 Mal wurde hingegen in den Monaten Oktober bis März eingebrochen. Somit suchten Einbrecher in den Wintermonaten 2013 mehr als doppelt so häufig fremde Wohnungen in den drei Kommunen heim, wie in der wärmeren Jahreszeit. „Gerade die Tageswohnungseinbrüche häufen sich im Winter“, sagt Polizeisprecherin Angela Jansen. Einen Kontakt mit den Bewohnern versuchen die Einbrecher dabei in der Regel zu vermeiden. „Der Täter will in Ruhe nach Beute suchen und nicht gestört werden.“

Im gesamten Kreis Heinsberg wurde im vergangenen Jahr 816 Mal eingebrochen. Die Einbruchshäufigkeit blieb in den vergangenen Jahren relativ konstant. 2010 wurden im Kreis 841 Wohnungseinbrüche gezählt, 2011 waren es 821 Fälle und 2012 weist die Polizeistatistik 830 Einbrüche aus. In die Zahlen fließen auch die versuchten Einbrüche mit ein. Die Häufigkeit von Wohnungseinbrüchen liegt im Kreis Heinsberg konstant über dem Landesniveau.

Generell sei in Ferienzeiten ein Anstieg von Einbrüchen zu beobachten, weiß Jansen. Täter würden für die Wahl ihrer Einbruchsobjekte auch das Internet nutzen. „Sie spionieren beispielsweise Facebook-Posts aus“, sagt Jansen. Denn es gibt nicht wenige Internetnutzer, die ihren bevorstehenden Urlaub groß ankündigen oder Fotos während ihrer Reise ins Netz stellen.

Die Einbruchszahlen für das Jahr 2014 liegen aktuell noch unter den Vergleichszahlen des Vorjahres. „Wir haben noch eine positive Tendenz, aber die dunkle Jahreszeit hat ja gerade erst angefangen“, äußert sich Jansen zurückhaltend.

Kriminalhauptkommissar Wolfgang Ulbrich ist zuständig für Opferschutz und Opferhilfe im Kreis Heinsberg. Hauptsächlich suchen Opfer von Gewaltdelikten Hilfe bei ihm und seiner Kollegin. Aber auch Einbruchsopfer melden sich bei den beiden Opferschutzbeauftragten. „Das Sicherheitsgefühl ist bei den Betroffenen zerstört, und es dauert einige Zeit, bis dieses zurückkehrt“, sagt Ulbrich. Vor allem die Tatsache, dass persönliche und intime Dinge wie Bett- und Unterwäsche berührt worden sind, sei für viele ein großes Problem. „Die eigene Wohnung ist der Ankerplatz im Leben. Und in diesen Lebensbereich wird dann erheblich eingegriffen“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Ein erster Schritt zurück zu einem guten Gefühl sei zunächst eine bessere Sicherung des Gebäudes, um Einbrechern das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Die Aufklärungsquote von Wohnungseinbrüchen im Kreis Heinsberg ist gering. Nur 12,99 Prozent der Fälle wurden 2013 aufgeklärt. Deutschlandweit ist die Quote nicht viel besser. 2013 gab es in Deutschland 149.500 gemeldete Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl, in 15,7 Prozent der Fälle konnten die Täter ermittelt werden. „Wir erhalten selten Hinweise aus der Bevölkerung“, sagt Jansen. Oftmals kriegten die Nachbarn von dem Einbruch gar nichts mit.

Die Polizei im Kreis Heinsberg begegnet der Zunahme an Einbrüchen in der dunklen Jahreszeit mit mehr Präsenz. „Wir fahren verstärkt Streife und haben auch Beamte in Zivil im Einsatz, die gezielt nach Einbrecherbanden fahnden“, sagt Jansen. Übrigens: Das Strafgesetzbuch sieht für einen Dieb, der in eine Wohnung einbricht, zwischen sechs Monate und zehn Jahre Gefängnis vor.