Programm zur Ausbildungsmesse: Heinsberg bald Digitalkreis Nummer 1?

Programm zur Ausbildungsmesse : Heinsberg bald Digitalkreis Nummer 1?

Wie viel Digitalisierung braucht Schule? Diese Frage wird zum Auftakt der Berufs- und Studieninformationsbörse „Be Future“ im Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasium diskutiert. Die größte nichtkommerzielle Messe dieser Art in der Region findet am Freitag, 27. September, 9 bis 15 Uhr, und Samstag, 28. September, 9 bis 13 Uhr, statt.

75 Aussteller haben sich angemeldet. Eine Anmeldung der Besucher ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei. Offiziell eröffnet wird die Messe, zu der rund 2000 Besucher erwartet werden, am Donnerstag, 26. September, 19 Uhr, mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Schule 4.0“. Auf dem Podium sitzen Mathias Richter (FDP), Staatssekretär  im nordrhein-westfälischen Bildungsministerium, Professor Dr. Martin Wortmann, Präsident der Rheinischen Fachhochschule Köln, Dr. Thomas Ervens, Abteilungsleiter Schule beim Bistum Achen, und Jürgen Pallaske, Direktor des St.-Ursula-Gymnasiums.

Der Zeitungsverlag Aachen ist Medienpartner der Messe, auf der der Initiator Wilfried Kleinen seit dem Jahr 2006 Schülern und ausbildungswilligen Betrieben aus Handel, Handwerk und Industrie  ebenso wie Hoch- und Fachhochschulen eine Plattform bietet. Die Schirmherrschaft hat der Heinsberger FDP-Landtagsabgeordnete Stefan Lenzen, Sprecher für Arbeit und Soziales, Integration und Flüchtlinge seiner Fraktion, übernommen.

Wie bedeutsam eine gute Ausbildung, diese Messe und die diesjährige Überschrift „Schule 4.0 – Wie viel Digitalisierung braucht Schule“ sind, macht Lenzen im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. „Viele Betriebe klagen über Fachkräftemangel. Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“, sagt er. Und: „Die Zahl der Ausbildungsplätze steigt, die Bewerberzahl ist rückläufig. Die Bewerber haben heute so gute Chancen, wie noch nie.“ Das macht er auch mit ganz aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen deutlich. Im Mai, so sagt Lenzen, seien NRW-weit auf einen unversorgten Bewerber um einen Ausbildungsplatz 1,12 unbesetzte Stellen gekommen. Im August seien auf 22.548 Bewerber 28.219 unbesetzte Stellen entfallen. „Auf jeden Bewerber kommen 1,25 Stellen“, plädierte er für eine betriebliche Ausbildung. Dabei, so der Landtagsabgeordnete, zähle sich Flexibilität aus.

„Man muss natürlich auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen und mal nach links und rechts in Richtung andere Berufe schauen“, meint Lenzen. Das sieht auch Kleinen so: „Die Messe ist wichtiger denn je, Schüler können über den eigenen Tellerrand hinausschauen, Unternehmer haben die Chance, sich als attraktive Arbeitgeber darzustellen.“

Zwar wirbt Lenzen für eine solide Ausbildung, lobt das Ausbildungsticket, das es Lehrlingen ermöglicht, für 82 Euro im Monat landesweit Bus und Bahn zu nutzen, dennoch weiß Robert Jansen, stellvertretender Schulleiter von St. Ursula: „Zwei Drittel unserer Absolventen besuchen eine Universität oder Fachhochschule, ein Drittel beginnt eine Ausbildung.“ An dieser Stelle kritisiert Wilfried Kleinen, dass Auszubildende und Studenten bemängeln würden, nicht ausreichend durch Schule und Ausbildungsbetrieb auf die digitale Welt vorbereitet worden zu sein. Die Gesellschaft habe sich verändert, sagt Lenzen, die Schule müsse hier Schritt halten. „Wir helfen dabei, die Technik zu nutzen, um sich Wissen anzueignen. Junge Menschen müssen im Netz mündige Bürger sein, Informationen einordnen und Quellen vergleichen können“, betont Lenzen. Kleinen drückt das kurz und knapp aus: „Wir müssen digitale Kompetenz fördern.“

Dass das Bischöfliche Gymnasium St. Ursula auf einem guten Weg ist, wird deutlich: 16 von 70 Unterrichtsräumen sind bereits mit digitalen Tafeln  ausgestattet, alle Schüler arbeiten mit Microsoft Office 365, eine Kombination aus Online-Dienst, Office Webanwendung und einem Office-Software-Abonnement. „Diese Software findet immer weiter Einzug in den Unterricht“, sagt Robert Jansen. 60 Laptops hat die Schule angeschafft.

Seit drei Jahren investiert die Schule laut Jansen jährlich einen sechsstelligen Betrag, der aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ kommt. „Das Land lässt die Schulen nicht im Stich. Das Programm hat noch die alte Landesregierung aufgelegt, und da es gut ist, haben wir es fortgeführt“, sagt Lenzen und verweist auf den Digitalpakt von Bund und Ländern, durch den weitere 12,5 Millionen Euro in den Kreis Heinsberg fließen würden.

„Beim Glasfaseranschluss liegt der Kreis Heinsberg NRW-weit mit an der Spitze. Wir wollen den Kreis Heinsberg zum Digitalkreis Nummer 1 machen. Das hat jüngst auch Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bestätigt. Bis 2023 sollen die letzten weißen Flecken geschlossen werden. Bis dahin werden Schulen, Gewerbegebiete und Privathaushalte angeschlossen“, blickt Lenzen in die Zukunft. „Und wir bereiten die Jugend von heute auf die Arbeitswelt von morgen vor“, ergänzt Kleinen.

Derweil haben stellvertretender Schulleiter Robert Jansen und Riccardo Marangi, Sport- und Lateinlehrer an St. Ursula und Mitorganisator von „Be Future, festgestellt, dass der Einsatz von Laptops, digitalen Tafeln und direktem Zugang zum Internet im Unterricht motivierend auf die Schüler wirkt.

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