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Geilenkirchen: Hass, Liebe, Gruppenzwang und Zivilcourage

Geilenkirchen : Hass, Liebe, Gruppenzwang und Zivilcourage

Ein neuer deutscher Autor, ein brandaktuelles Thema.

Der junge Schauspieler Hermes Schmid, Jahrgang 1964, engagiert am Fränkisch-Schwäbischen Städtetheater, hat ein grandioses Zeitstück geschrieben: „Nacht in Babylon”.

Das Stück wird zurzeit von den Schauspielern des Kellertheaters Geilenkirchen, der Theaterwerkstatt der Volkshochschule des Kreises Heinsberg, einstudiert und feiert am Freitag, 24. Januar, seine Premiere. Hermes Schmid, in Bremen wohnhaft, versprach, bei der Premiere anwesend zu sein.

Mit „Nacht in Babylon” wagt sich die 16-köpfige Theatergruppe unter ihrer neuen Leiterin Roswitha Graß an ein äußerst schwieriges Stück. Die wöchentlichen Proben, vor der Premiere zusätzlich an den Wochenenden, zeigen Erfolg. Das Kellertheater-Ensemble, rund 15 Jahre lang unter der Regie von Manfred Mispelbaum, wächst kontinuierlich. Alle sind mit großem Engagement bei der Sache.

Nun zum Stück selbst: Da ist Dani, ein ganz normaler, netter junger Mann, dem allerdings die spießbürgerliche Krampf-Idylle seiner Eltern Fritz und Luise unerträglich wird. Er gerät in eine neofaschistisch orientierte Bande, deren Anführer „As” sich jeder bedingungslos zu unterwerfen hat.

As genießt seine Macht, quält, verprügelt und vergewaltigt sogar seine Untergebenen. Hass und Spaß an den Schmerzen anderer, Langeweile und Sadismus sind seine vielschichtigen Antriebsmechanismen. As ist der Mittelpunkt seiner Welt. Seine archaische Kraft, seine brutale Egomanie, seine Aura, sein mephistophelisches Charisma haben eine unbeschreibliche Wirkung auf seine Mitmenschen. Sogar Danis Familie, Schwester, Mutter und Vater verfallen ihm.

Doch As macht auch vor der behinderten Ella nicht halt, und damit hat er in Dani einen Gegner, denn Dani und Ella mögen sich, raufen sich zusammen, lösen sich von der Bande.

Der realistischen Ebene setzt Autor Schmid eine brillante Spielebene gegenüber: Zwei Clowns (oder Engel?) namens BU und BA beobachten die hilflose Einsamkeit der Menschen, sie sind Kommentatoren von Beckett´scher Schärfe. Sie beobachten die Geschichte, nehmen Stellung ohne einzugreifen, sehen, wie die Menschheit ins Chaos der Einsamkeit und Hilflosigkeit abgleitet: „Wir sind noch nicht dran. Wir müssen noch warten”.

Darsteller sind: BA - Ute Gerlach, BU - Roswitha Grass, Dani - Clemens Crumbiegel, Ella - Katharina Schmidt, As - Alexander Schütze, Mäx - Maike Engelmann, Rolli - Alexander Schulz, Luise - Marion Ströher-M´fitu, Fritz - Heinrich Verbocket, Marie - Anna Faber, Frau W. - Otti Mommertz, Frau K. - Brigitte Altmann, Herr Böhringer - Winfried Weckert, eine Türkin - Marion Ströher-M´Fitu. Für Beleuchtung und Technik ist Winfried Weckert zuständig, für Umbau und Requisite Horst Harnisch, Souffleuse ist Adi Limburg, und die Spielleitung liegt in den Händen von Roswitha Graß. Das Stück ist ab 16 Jahren freigegeben.

Die Aufführungstermine im Kellertheater in der katholischen Grundschule Geilenkirchen, Brucknerstraße, sind an folgenden Tagen: Freitag, 24. Januar, ist Premiere, weitere Aufführungen am Samstag, 25. Januar, Freitag, 31. Januar und Samstag, 1. Februar, jeweils um 20 Uhr. Eintrittskarten zu 5 Euro, ermäßigte zu 2,50 Euro sind in den Buchhandlungen Lyne von de Berg und Mühlbauer in Geilenkirchen, bei der VHS Heinsberg im Kreishaus und an der Abendkasse zu erhalten.