Übach-Palenberg: Gutachten offenbart: Neubaugebiet Mariental voller schutzwürdiger Arten

Übach-Palenberg : Gutachten offenbart: Neubaugebiet Mariental voller schutzwürdiger Arten

Die Ergebnisse des Artenschutzgutachtens für das Neubaugebiet Mariental dürfte der Stadt Übach-Palenberg ebenso wenig zusagen wie dem vorgesehenen Investor, der S-Bauland GmbH: In Plangebiet und Umgebung nämlich wurde „ein besonderer Reichtum schutzwürdiger Arten belegt“.

Gutachten wird häufig ein gewisses Misstrauen entgegengebracht. Der Urheber wird sich schon nach den Bedürfnissen seines Auftraggebers richten, lautet der Vorwurf, der so pauschal auch in Übach-Palenberg manchmal erhoben wird. Der Fachmann wolle sich ja mit dem einen Auftrag nicht die Aussichten auf den nächsten verbauen. Dass es ganz so einfach nicht ist, legt nunmehr das Artenschutzgutachten nahe, das im Rahmen des Neubaugebiets Mariental gefertigt wurde.

Das Gutachten, erarbeitet von einem Stolberger Büro für Umweltplanung, liegt unserer Zeitung vor und bestätigt das, was die Anwohner schon immer gewusst haben: Das Plangebiet und sein näheres Umfeld sind reich an Tierarten. Biber, Eule, Waldkauz, Mäusebussard, Turmfalke, Schwalbe, Kröte, Käfer, Dachs sind nur ein kleiner Teil der entdeckten Fauna. „Ebenfalls anhängig sind Wildbienen, die alle gesetzlich geschützt sind. In der Kiesgrube gibt es große Vorkommen von Hunderten, wenn nicht Tausenden Solitärbienen, die in den Sand gegrabene Röhren bewohnen“, schreibt der Gutachter.

Das Wäldchen indes scheint für Fledermäuse ein kleines Paradies zu sein. Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus, Breitflügelfledermaus, Abendsegler, Langohr und Wasserfledermaus wurden entdeckt. Nur die Zwergfledermaus gilt ausdrücklich als ungefährdet (und wurde vor Ort dementsprechend mit Abstand am häufigsten gesichtet), die übrigen genannten Arten werden auf der Roten Liste NRW als „stark gefährdet“, „durch extreme Seltenheit gefährdet“ oder gar als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Kiesgrube, Wurmtal und Wäldchen sind „vor störenden Einflüssen von außen zu bewahren“, schreibt der Gutachter weiter.

Das Gutachten war im Frühjahr vergangenen Jahres auf einen Antrag der CDU hin in Auftrag gegeben worden. Zwar hätte dies im Rahmen der weiteren Erschließung ohnehin noch zwingend geschehen müssen. Die Fraktion jedoch wollte so früh wie möglich Klarheit darüber haben, womit man es vor Ort zu tun hat, was nunmehr der Fall ist.

Die Stadtverwaltung hält das Gutachten unterdessen unter Verschluss. Auch in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag dieser Woche wurde kein Wort darüber verloren, jedenfalls nicht im öffentlichen Teil. Dabei steht Mariental in der geplanten Größe deutlich infrage. Das Gutachten kommt zu einem ziemlich eindeutigen Fazit: Es wird „davon abgeraten, das Baugebiet in vollem Umfang von 14 Hektar zu realisieren“.