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Lebendige Innenstadt : Grüne wollen Riesensandkasten im Herzen Geilenkirchens

Lebendige Innenstadt : Grüne wollen Riesensandkasten im Herzen Geilenkirchens

„Geilenkirchen ist familienfreundlich, Geilenkirchen ist bunt, Geilenkirchen macht Spaß“: Unter diesem Motto wollen die Geilenkirchener Grünen im nächsten Sommer drei Monate lang die Autos vom Friedlandplatz verbannen.

Autos. Nur Autos. Am Rande ein großer Container, randvoll mit Müll. Und ein Dixi-Klo für Arbeiter, die dort schon lange nicht mehr arbeiten. Der Friedlandplatz ist ein Parkplatz im Herzen der Geilenkirchener Innenstadt, der Müllcontainer ist ein Überbleibsel der Hochwasserkatastrophe im Sommer vergangenen Jahres, das Klo ebenso. Irgendwann werden Müll und Klo verschwunden sein. Was bleibt, ist der Parkplatz. „Die Geilenkirchener Innenstadt ist in einem katastrophalen Zustand. Das gilt auch für den Friedlandplatz“, ärgert sich Geilenkirchens Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden. Vor rund 15 Jahren hatte seine Fraktion den Vorstoß im Rat gemacht, das „Filetstück“ Friedlandplatz von Autos zu befreien und mehr aus dem Areal zu machen. Doch dieser Vorschlag fand keine Mehrheit im Rat.

Jetzt starten die Grünen einen neuen Versuch, den Friedlandplatz und die angrenzende Gerbergasse zumindest im Sommer zu beleben. „Sommer 2023: Geilenkirchen ist familienfreundlich, Geilenkirchen ist bunt, Geilenkirchen macht Spaß“ haben sie ihren Antrag für die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung am Donnerstag, 24. November, überschrieben. Mit kleinen Schritten wollen sie neue Wege gehen, um die Innenstadt nach der Coronavirus-Pandemie und dem verheerenden Hochwasser in Zeiten, in denen die Menschen aufgrund des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine unter existenzbedrohenden Preissteigerungen leiden, zu beleben. In ihren Vorschlägen sehen sie keinen in Stein gemeißelten Antrag, sondern eine Diskussionsgrundlage für Rat, Verwaltung, Politik und Bürger.

Nach dem Vorbild von Aachen und Bremen soll auf dem Friedlandplatz drei Monate lang ein riesengroßer Sommer-Sandkasten aufgebaut werden. Während die Eltern an dessen Rand in Liegestühlen oder an Bistrotischen unter Sonnenschirmen das Leben genießen, sollen die Kinder ungestört im Sand buddeln können. Das Angebot soll aber noch größer sein: Ein mobiler Wasserspielplatz, die Ferienspiele, ein Open-Air-Kino am Abend, eine mobile Boulebahn für Erwachsene, mobile Pflanzkübel und vor allem mehr Außengastronomie sollen Sommer-Feeling in die Stadt bringen.

Am Rande des Friedlandplatzes sind derzeit ein italienisches Restaurant und ein Eiscafé angesiedelt, die derzeit aufgrund der parkenden Autos nur sehr begrenzte Möglichkeiten für Außengastronomie haben. Deren Terrassen könnten in dieser autofreien Zeit problemlos erweitert werden. Sitze man heute auf der Terrasse des italienischen Restaurants, schaue man auf parkende Autos und ein Dixi-Klo, moniert Benden.

„Wir bekommen kein H&M oder ein anderes bekanntes Geschäft in die Stadt. Wir sind nicht Heinsberg und nicht Hückelhoven. Trotzdem wollen wir Leben in die Stadt bringen. Mit parkenden Autos bringen wir hier kein Leben rein, das schaffen wir nur mit Gastronomie und mit kleinen, inhabergeführten Geschäften“, begründet Benden seinen Antrag und sagt weiter: „Wir müssen unseren eigenen Geilenkirchener Weg finden. Mir fehlt die Möglichkeit, im Sommer draußen mit Freunden ein Bier zu trinken.“ Floriere die Gastronomie und ziehe die Menschen in die Stadt, so kämen auch mehr ansiedlungswillige Geschäftsleute.

Neue Gastronomen, die sich – so die Hoffnung von Benden – in leer stehenden Ladenlokalen niederlassen, dürfe man nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Gaststätten oder Kneipen, die Geilenkirchen beleben. Das Ladenlokal von Elektro Stolz in der Gerbergasse stehe seit dem Hochwasser leer. Wenn der Neubau der Kreissparkasse an der Konrad-Adenauer-Straße in zwei Jahren fertig sei, werde auch die derzeitige Filiale in der Gerbergasse schließen.

Benden geht davon aus, dass sich das Sommerspektakel auf dem Friedlandplatz positiv auf die ganze Stadt auswirken werde. Die Verwaltung, so schlägt Benden vor, solle jetzt schon mit dem Aktionskreis unter Federführung der städtischen Wirtschaftsförderung ein Konzept erarbeiten. Zur Finanzierung könnten Mittel aus dem Sofortprogramm zur Förderung der Innenstädte beantragt werden, für Liegestühle, Sonnenschirme oder Sand könne man Sponsoren in der Stadt suchen.

Eines steht für Benden fest: „Wir sollten in Geilenkirchen nicht den Kopf, sondern lieber die Füße in den Sand stecken und neue Wege gehen.“