Tripser Wäldchen: Grüne erstatten Anzeige gegen Markus Mönter

Tripser Wäldchen: Grüne erstatten Anzeige gegen Markus Mönter

Der Ärger um den vernichteten Teich im Wohngebiet Tripser Wäldchen spitzt sich weiter zu: Nachdem Mitarbeiter des Geilenkirchener Bauhofes mit einem Bagger einen Teich komplett trocken gelegt haben, haben die Ratsfraktion der Grünen, der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Benden, und der Grüne Stadtverordnete Rainer Jansen bei der Staatsanwaltschaft Aachen Strafanzeige gegen den Technischen Beigeordneten Markus Mönter gestellt.

Laut Benden haben das auch einzelne Bürger getan. Sie werfen ihm vor, gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen zu haben. Mitte April waren Mitarbeiter des städtischen Bauhofes mit einem Bagger zu „Unterhaltungsmaßnahmen“, wie Technischer Beigeordneter Markus Mönter es anschließend nannte, zu einem der drei Teiche ausgerückt, die am Rande des Baugebietes Tripser Wäldchen liegen. Die Baggerschaufel langte allerdings kräftig zu, so kräftig, dass sie auch die Kunststoffplane zerriss. Nicht nur das Wasser ist aus dem etwa 40 Meter langen und fünf Meter breiten Teich verschwunden. Hunderte Tiere — Frösche, Kröten, Molche und Blutegel — wurden getötet.

Er steht in der Kritik: Der Technische Beigeordnete Markus Mönter soll die Arbeiten angeordnet haben, um Froschlärm zu verhindern. Foto: Udo Stüßer

In einer folgenden Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses erklärte Markus Mönter: „Die Maßnahme wurde mit mir abgesprochen. Es war aber nicht geplant, dass Wasser absickert. Wir sind von einer Lehmabdichtung ausgegangen. Das Wasser drohte, aufgrund des starken Bewuchses umzukippen. Wir hatten Handlungsbedarf.“

Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden hat Anzeige gegen Markus Mönter erstattet. Foto: Udo Stüßer

Doch mit dieser Erklärung gaben sich die Grünen nicht zufrieden und beantragten bei der Stadt Geilenkirchen Akteneinsicht. Zweieinhalb Stunden sichteten Jürgen Benden und Rainer Jansen Akten und E-Mailverkehr im Geilenkirchener Rathaus. Das Ergebnis: „Wir lesen aus den Mails, dass diese Maßnahme mit Absicht in der aktuellen Laichzeit zur Reduzierung des Amphibienbestandes durchgeführt wurde“, sagt Jürgen Benden.

Aus dem E-Mailverkehr der Stadt Geilenkirchen mit einem Anwohner des Baugebietes Tripser Wäldchen, der auch unserer Zeitung vorliegt, geht hervor, dass der Zustand dieses Teiches und der durch Frösche verursachte Lärm seit Jahren Dauerthemen sind.

Bereits am 18. Juni 2015 schrieb der Anwohner an den damaligen Bürgermeister Thomas Fiedler, „es gehe wieder einmal um die vielen Frösche, die bereits im Teich sind und für einen äußerst unangenehmen Lautstärkepegel sorgen“. Diese Situation sei nicht mehr hinnehmbar, zumal sich von Jahr zu Jahr nichts nachhaltig ändere. Der Anwohner weist in dieser Mail auf die Immissionsrichtwerte für allgemeine Wohngebiete für den Nachtzeitraum von 40 Dezibel hin, nach allgemeinen Richtwerten schafften Frösche jedoch eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel. Die Situation habe sich seit dem letzten Jahr nicht verbessert, alle Frösche befänden sich lediglich im linken Teich.

Die beiden anderen Teiche und deren Anwohner seien somit nicht betroffen. „Wir bitten Sie daher eingehend um eine erneute Prüfung von Möglichkeiten, diese Situation zu beenden, die ja zweifelsfrei durch die Stadt und dem einmalig angewandten System der Oberflächenentwässerung zu verantworten ist“, erklärte der Anwohner, der den Teich als echten „Schandfleck“ bezeichnet. Das Wohngebiet entwickele sich langsam auch dazu, zumal die Wiesen im Wohngebiet nicht gemäht würden.

Auf diese Mail antwortete Markus Mönter am 25. Juni 2015: Im vergangenen Herbst sei eine mit erheblichem Aufwand verbundene Entschlammung und Entkrautung des Teichs erfolgt. Diese Maßnahmen hätten eine erneute natürliche Ansiedlung von Fröschen nicht verhindern können. „Herr Fiedler schlug daher vor, im Teich einen Barsch auszusetzen. Dadurch könnten Verbesserungen in der nächsten Laichsaison erzielt werden“, schrieb Mönter und erklärte: „Leider gibt aber das Naturschutzrecht keine weiteren Möglichkeiten zur Bekämpfung der Frösche her.“ Er hoffe, dass der Versuch der Aussetzung von Fischen erfolgreich sei.

Lärmbelästigung

Am 2. April 2018 schrieb dieser Anwohner erneut die Stadt Geilenkirchen an. Seine Mail ging an Andreas Eickhoff, zu dem Zeitpunkt Leiter des Amtes Stadtbetrieb und in dieser Funktion zuständig für Bauhofangelegenheiten, Gebäudemanagement und Grünflächen. Der Teich sei weiterhin in einem desolaten Zustand, und die Froschsaison stehe unmittelbar bevor. „Eine weitere Saison in diesem Teichzustand sowie der damit verbundenen Lärmbelästigung sollte dringend verhindert werden.“ Mit Bedauern habe er festgestellt, dass zwei große Fische verendet seien. „Ich befürchte, dass es sich hierbei um die Fische handeln könnte, die einst eingesetzt wurden, um die Laich- und Froschproblematik eventuell regulieren zu können.“

Da Eickhoff seinen Abwesenheitsassistenten eingeschaltet hatte, schickte der Anwohner die Mail nochmals am 5. April an den Technischen Beigeordneten Markus Mönter mit dem Hinweis, dass er mit Bauhofleiter Wolfgang Jansen gesprochen habe und nun bei ihm der Eindruck entstanden sei, dass aktuell noch keine konkreten Maßnahmen zur Beseitigung der bekannten Problematik am Teich seitens der Stadt geplant seien, obwohl Eickhoff die „Durchführung geeigneter Maßnahmen verbindlich in Aussicht gestellt“ habe. Der Anwohner teilte mit, dass er sich weitere Schritte vorbehalte, weil er sich als Bürger sehr getäuscht fühle.

Am 11. April antwortete Markus Mönter an den Anwohner: „Wir werden bereits in den nächsten Tagen mittels Geräteeinsatz den Bewuchs weitgehend ausräumen, um den Problemen in der aktuellen Laichsaison entgegenzuwirken. Für einen vorübergehenden Zeitraum kann damit bekanntlich der Froschlärmproblematik vorgebeugt werden.“ Eine endgültige Lösung werde „naturgemäß“ nur durch eine Beseitigung der wasserbespannten Fläche in diesem Teich I zu erzielen sein. Hierzu müssten die örtliche Regenwasserableitung sowie die Gestaltung der Teichfläche überplant werden.

Nur fünf Minuten später

Exakt fünf Minuten nach dieser Mail hat Manfred Savoir, Leiter des Bauverwaltungs- und Tiefbauamtes, einen Arbeitsauftrag für den städtischen Bauhof herausgegeben: „Zur Vorbeugung der Froschlärmproblematik im Baugebiet Tripser Wäldchen bitte den Teich I von Bewuchs (Schilf usw.) ausräumen, u.a. mittels gemietetem Baggereinsatz, wegen der aktuellen Laichsaison kurzfristig in den nächsten Tagen.“

Die Grünen sind der Ansicht, dass damit das Bundesnaturschutzgesetz verletzt worden ist. In der Strafanzeige, die vor wenigen Tagen an die Staatsanwaltschaft Aachen ging, schreiben sie unter anderem: „Anstatt wie üblich und notwendig, mindestens einmal im Jahr den Teich zu pflegen, hat die Stadt Geilenkirchen, zuständig Herr Mönter, das Gewässer sich selbst überlassen und dadurch ein Missverhältnis zwischen Population, Bewuchs und Wasserstand toleriert.“ Und: „Im Zusammenhang mit dem Mail-Schriftwechsel 2015 bis 2018 hat der Beschuldigte willentlich in Kauf genommen, dass geschützte Arten oder ihre Entwicklungsformen zerstört und vernichtet werden.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung meinte Benden: „Das war keine Unterhaltungsmaßnahme und kein Betriebsunfall. Es war ein Desaster und vorsätzlich in der Laichsaison. Pflegemaßnahmen macht man üblicherweise im Herbst, und man macht sie kontinuierlich und fachgerecht und nicht alle zwei Jahre mit brachialer Gewalt.“ Auch die Aussage Mönters, es sei nicht bekannt gewesen, dass in diesem Teich eine Folie liege, zweifelt Benden an: Im Juni 2015 habe sich ein Anwohner beschwert, dass ein Bagger Hausentwässerungsrohre und Folie zerstört habe. „Und beim Lesen der Pläne im Rathaus bin ich gefühlte Hundert Mal auf das Wort Folie gestoßen.“

Mönter wollte dazu auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Mehr von Aachener Zeitung