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Geilenkirchen: Gorbatschow mit der Balalaika

Geilenkirchen : Gorbatschow mit der Balalaika

Der Name Gorbatschow lässt wohl auch heute noch jeden Leser sofort an den letzten sowjetischen Generalsekretär denken, der mit „Glasnost” und „Perestroika” politische und gesellschaftliche Umwälzungen weltgeschichtlichen Ausmaßes einleitete.

Jedoch ist dieser Name in Russland weitaus verbreiteter, als man hierzulande annimmt.

Es gibt nicht nur eine bekannte Wodka-Marke dieses Namens, sondern vor allem auch einen großen Künstler - Andrej Gorbatschow -, der in Russland als gegenwärtig bester Balalaika-Spieler des Landes berühmt ist und der kürzlich auch in einem Konzert in der Kapelle des St. Elisabeth-Krankenhauses zu hören war.

Farbiges Programm

Veranstalter des Konzertes war die Gruppe „Kultur im Krankenhaus”, der es auch gelungen war, diesen hoch bedeutenden Musiker für diesen Abend - übrigens zu freiem Eintritt -Êzu engagieren. Mit von der Partie war auch der Aschaffenburger Pianist Lothar Freund, der bei Gorbatschows Auftritten in Deutschland als dessen ständiger Klavierbegleiter fungiert.

Die beiden hatten für diesen Abend ein farbiges Programm aus drei Jahrhunderten zusammengestellt, das selbstverständlich russische Meister, aber auch bekannte Namen aus der Welt der Klassik umfasste.

Ein kleiner Exkurs

Begonnen wurde mit den „Variationen über ein Thema von Corelli” von Guiseppe Tartini, einem großen Violinisten und Komponisten des 18. Jahrhunderts.

Danach erläuterte Lothar Freund in einem kleinen Exkurs die Entstehungsgeschichte der Balalaika. So erfuhr das Publikum, dass die Balalaika einen Vorläufer besaß - die Domla, welche schon im 16. Jahrhundert im Volke beliebt war.

Allzu viele aufmüpfige Lieder gegen die Obrigkeit veranlassten schließlich den Zaren zum Eingreifen: Sämtliche Domlas wurden als „Teufelswerk” auf Scheiterhaufen verbrannt. Erst Jahrzehnte später entwickelte sich aus primitiven Neuanfängen - halbe Kürbisse wurden mit Saiten bespannt - nach und nach die moderne Balalaika.

Das zweite Stück brachte ein Opernpotpourri aus Bizets „Carmen” in einer Fassung von Pablo de Sarasate. Hatte das erste Stück schon Bewunderung erregt, so war Gorbatschow in diesem tänzerisch-burlesken Werk voll in seinem Element und entfaltete ein wahres Feuerwerk der Virtuosenkunst.

Es war fast unglaublich, welche Vielfalt an zarten und leidenschaftlich erregten Klängen er aus dem kleinen Instrument herausholte und mit welcher Leichtigkeit er auch die rasantesten Läufe und schwierigsten technischen Kunstgriffe meisterte.

In einem weiteren kleinen Exkurs wurden dann auch verschiedene Spieltechniken erläutert und demonstriert -Êdas anschließende Angebot, man könne sich nach dem Konzert bei Professor Gorbatschow zum Unterricht anmelden, wurde mit Schmunzeln quittiert.

Weiter ging es mit dem „Capriccio Nr.24 ” von Paganini, einem der größten Geigenvirtuosen aller Zeiten, der im frühen 19. Jahrhundert auf zahllosen Konzerttourneen die Musikwelt Europas faszinierte - man behauptete sogar, er stünde mit dem Teufel im Bunde - und doch wie so mancher Fußballprofi oder Schlagerstar von heute mit seinem eingespielten Millionenvermögen nicht umgehen konnte und verarmt und gebrochen starb.

Ungeheuer virtuos

Diesmal spielte Gorbatschow solistisch, und es wurde klar, dass man ihn in seiner Heimat zu Recht als „Paganini der Balalaika” bezeichnet. Sein wiederum ungeheuer virtuoses Spiel, gepaart mit großer Emotionalität, konnte bei manchem Hörer geradezu dämonische Faszination erregen.

Nach der anschließenden „Tarantella” des Schweizers Vieuxtemps folgten dann Werke russischer Komponisten.

Die beiden programmmusikalischen Stücke „Russische Weite” und „Mosquitos im Wald” des Komponisten Alexander Schalow wurden auf eindrückliche Weise von Gorbatschow dargestellt, ebenso die „Introduktion und Tschardasch” von Zigankow.

Nachdem die rhythmisch-federnden, zum Teil auch schmissigen Klänge aus der Gershwin-Oper „Porgy ans Bess” in der Bearbeitung von Igor Frolow verhallt waren, gab es stürmische Ovationen für die beiden Künstler.

Mit Sicherheit dürfte es wohl reißenden Absatz für die zum Verkauf bereit liegenden CDs gegeben haben - aber Anmeldungen zum Balalaika-Unterricht wohl kaum.