Geilenkirchen: Gleichnis vom Samariter in dunkler Pogromnacht

Geilenkirchen: Gleichnis vom Samariter in dunkler Pogromnacht

Überall in Deutschland gedachten Menschen der Gräuel in der Pogromnacht am 9. November 1938, so auch in Geilenkirchen. In der Kirche Sankt Marien wurde unter anderem eine ökumenische Gedenkfeier zele­briert. Im Anschluss zog die Gruppe gemeinsam und schweigend zum jüdischen Friedhof in der Heinsberger Straße.

Ausführende der Gedenkfeier waren Pfarrerin Tanja Bodewig von der evangelischen und Pastor Peter Frisch von der katholischen Kirche. Gemeinsam begrüßten sie die Anwesenden in der Kirche und stimmten sie mit verschiedenen Texten auf das Thema ein.

Darunter waren zum einen biblische Texte, zum anderen Sprichwörter, die mit einigen Sätzen erläutert wurden. So stellte Pfarrerin Bodewig fest: „Wer die Vergangenheit nicht erinnert, ist gezwungen, sie immer zu wiederholen.” Die Deutschen müssten mit dem Gedenken an diese schreckliche Nacht vor über 70 Jahren leben und können daraus nur lernen.

Ende Oktober 1938 nahmen die Vorgänge rund um die Ausweisung der Juden aus Deutschland unter den Nationalsozialisten eskalierende Züge an. In der Pogromnacht 1938 wurden als eine Folge dieser Vorgänge im ganzen Land Juden aus ihren Betten gerissen, Geschäfte zerstört und - als das wohl bekannteste Bild - fast alle Synagogen zerstört.

Dabei wurden mancherorts die Juden sogar gezwungen, diesen Akt der Gewalt selbst auszuführen. Auch in Geilenkirchen gab es eine Synagoge, an die heute noch eine Mahntafel auf dem Synagogenplatz an der Herzog-Wilhelm-Straße erinnert.

Um sich der während der nationalsozialistischen Zeit getöteten und der die Verfolgungen überlebenden Juden zu erinnern, wurde die ökumenische Andacht gehalten. Eine Mahnung zum couragierten Einsatz gegen Ungerechtigkeit sollte eine von Konfirmand Jan Theißen vorgelesene Abwandlung eines Gleichnisses sein. Beim „barmherzigen Samariter” wurden die Figuren so ersetzt, wie es 1938 auf einer Straße in Deutschland hätte passieren können.

Im Anschluss an die Zeremonie in Sankt Marien zogen die Anwesenden schweigend die Innenstadt hinauf zum jüdischen Friedhof. Dort angekommen, wurden von Pfarrerin Bodewig und zwei ihrer Konfirmanden, Jonas Soltig und Jan Gärtner, Augenzeugenberichte aus der Pogromnacht und ein Gebet vorgetragen.