Geilenkirchen: Gewerkschaft stellt Autozulieferer Zentec an den Pranger

Geilenkirchen: Gewerkschaft stellt Autozulieferer Zentec an den Pranger

Es ist eine Geschichte, die denkbar schlecht in die Weihnachtszeit passt. Und dass es bis Heiligabend noch ein glückliches Ende geben wird, damit rechnet kaum jemand bei dem Unternehmen in Niederheid. Die Mitarbeiter sollen dort nur unregelmäßig ihren Lohn erhalten, mal nur Abschlagszahlungen, mal mit großer Verspätung. Und in letzter Zeit: überhaupt nicht mehr.

Es klingt, als ginge es um ein soziales Entwicklungsland, doch sofern man der Gewerkschaft glauben kann, sind diese Zustände hier bei uns in Deutschland ganz real. Und zwar in Geilenkirchen, bei der Firma Zentec Automotive GmbH, die ihren Sitz im Gewerbegebiet Niederheid hat.

Es ist die IG Metall, die ausgerechnet in der Weihnachtswoche Alarm schlägt — und mit der Schilderung der oben beschriebenen Zustände an die Öffentlichkeit geht. „Nun ist die Spitze des Eisbergs erreicht, denn seit Oktober gibt es weder korrekte Abrechnungen noch wurde seither der Lohn für die geleistete Arbeit gezahlt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Geschäftsführerin Andrea Lengeling bestätigte unserer Zeitung die Vorwürfe an Donnerstag teilweise: „Es ist richtig, dass die Mitarbeiter verspätet bezahlt wurden. Es gab Monate, in denen wir Abschläge gezahlt haben. Für den Oktober ist das nicht der Fall. Hier wurden die Zahlungen in voller Höhe angewiesen.“

Bei der Zentec GmbH handelt es sich um einen hiesigen Automobilzulieferer, zu den Kunden zählen nach eigenen Angaben Branchengrößen wie Audi, BMW, Mercedes, Ford und VW, aber auch kleinere Sportwagenhersteller wie etwa Ferrari oder Maserati. Nach Informationen der Gewerkschaft kommt Zentec auf rund 100 Mitarbeiter, vor wenigen Jahren noch waren es wohl noch deutlich mehr.

Doch nach wie vor dürfte das Unternehmen zu den größeren privatwirtschaftlichen Arbeitgebern in Geilenkirchen zählen. Im Gewerbegebiet Niederheid betreibt es gleich zwei Standorte, in der Von-Braun-Straße und in der Straße Am Forsthaus, darüber hinaus lässt man sich auch in Frankreich, Italien und Schweden vertreten. So steht es auf der Homepage des Unternehmens, die allerdings schon länger keiner Aktualisierung unterzogen geworden zu sein scheint.

Dass Gewerkschaft und Arbeitgeber sich nicht immer gut verstehen, liegt gewissermaßen in der Natur der Sache. Wenn die Gewerkschaft allerdings ein einzelnes Unternehmen derart an den Pranger stellt wie in diesem Fall, ist für gewöhnlich eine hohe Eskalationsstufe erreicht, der hinter den Kulissen einige Scharmützel vorangegangen sind. Diese Vermutung bestätigt sich im Gespräch mit Gewerkschaftssekretärin Martina Weber, die den Fall bearbeitet. Sie spricht davon, dass die Probleme zwischen der Firmenleitung und den Beschäftigten bereits seit rund zwei Jahren bekannt seien.

Weber weiß konkret von 30 Mitarbeitern, die betroffen sind, weil diese gewerkschaftlich engagiert sind. Deren Schilderungen folgend gehe es jedoch auch den übrigen Beschäftigten nicht besser. Zumindest denen, die noch da sind: Vor allem die besser ausgebildeten Kräfte hätten bereits das Weite gesucht, sagt Weber, geblieben seien in erster Linie Produktionsmitarbeiter und Maschinenbediener, die nicht ohne Weiteres eine andere Beschäftigung finden. Einerseits sei die Wut bei der Belegschaft groß, und doch hätten viele Angst um ihren Job. Die IG Metall bereite für Januar eine Klage vor. Dass diese nicht längst eingereicht sei, hänge auch damit zusammen, dass vielfach Unterlagen und Verträge fehlten. „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagt Weber.

Pläne der Geschäftsführung

Geschäftsführerin Lengeling bestätigte am Donnerstag, dass es zuletzt zu Kündigungen gekommen sei. Teils seien diese von den Mitarbeitern ausgegangen, teils vom Unternehmen. Zahlen nannte sie nicht. Zentec habe „mit den gleichen Problemen wie viele Mitbewerber zu kämpfen“. Es habe auch schon ein Produktionsstandort geschlossen werden müssen, was weitere Probleme nach sich gezogen habe. Aktuell sei man dabei, die Gesellschaft „von Verbindlichkeiten zu entlasten und mit zusätzlichem Betriebskapital in Höhe von 2,5 Millionen Euro auszustatten“.

Durch den Vorstoß der Gewerkschaft dürfte die Situation für die Unternehmensleitung nicht unbedingt einfacher geworden sein. Der Gang an die Öffentlichkeit hat bereits eine größere Dynamik freigesetzt. Nachdem die Gewerkschaft bereits am Mittwoch die erste Pressemitteilung herausgegeben hatte, wurden schon am Donnerstag neue Vorwürfe erhoben: Demnach seien die angeprangerten Zustände auch bei der Tochterfirma Ilst GmbH in Treuchtlingen (Bayern) bekannt.

Auch dort würden „nur unregelmäßig und in kleinen Raten“ Löhne ausgezahlt. Zudem hätten nicht bezahlte Rechnungen sogar schon dafür gesorgt, dass dem Betrieb der Strom abgestellt wurden und die Produktion zum Erliegen gekommen sei.